Sie war gefallen, wie nur Engel fallen können. Es war nicht wie im Film, keiner sah hin, keiner weg. Kein Prinz, kein Dach, kein Happy End. Ihr erster Tag ohne Heimat war ein nasser Donnerstag und es lag keine Romantik darin. Die letzten Türen hatten sich geschlossen hinter ihr, doch das war nicht so schlimm. Das wirklich Schlimme waren die Schlüssel. Die Riegel. Die Ketten. Die sich gedreht hatten. Die geklickt und geklackt hatten. Die eingerastet waren hinter ihrem Rücken. Sie musste aufpassen, wo sie schlief, sonst konnte am Morgen etwas von dem Bisschen fehlen, das sie in ihrem kleinen roten Rucksack bei sich trug. Oder Schlimmeres. Niemand würde sie beschützen können, wenn nachts die Schatten kamen, keine Polizei, kein Prinz. Sie war noch jung und das Leben war ein Spiel gewesen. Sie hatte gespielt und verloren. Engel fallen richtig, Engel fallen tief. Das Gift, das durch ihre Venen floss, warme Sonne auf der Haut, Sommerzauber, knisterndes Liebeslied, duftendes Blumenfeld. “Deine Flügel wachsen und vergeh’n im schönsten Sonnenlicht, stolze Seele, Ikarus.” Keine Kraft zu leben, doch zu stolz zum Sterben. Viele haben dich geseh’n, in tausend Formen, unter Millionen Gesichtern, und den Kopf in Scham gesenkt. Ich habe in deine Augen gesehen, nachts. Hinter tiefen Gräben, jenseits von Welten, erbaut aus Schmerz und Einsamkeit, brannte ein Feuer, das sagte, “sieh’ her, ich lebe noch, ich lebe immer noch. Ich atme Sternenlicht.
Wir atmen Sternenlicht.”
