Wendepunkt

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Ich muss mich jetzt entscheiden, es führt kein Weg daran vorbei.
Bei dieser Entscheidung gibt es nur schwarz oder weiß. Ich stehe vor der Eingangstür eines herrschaftlichen Hauses und überlege mir den nächsten Schritt. Egal was ich tue, es wird mein Leben für immer verändern. Meine Entscheidung wird eines meiner Leben beenden.
Ich streiche mir das fettige Haar aus dem Gesicht, versuche den widerspenstigen Bart glatt zu streichen und überlege mir meine Optionen.
Die erste Option: Ich klingele.
Jemand wird öffnen, wahrscheinlich meine Schwester. Ihr Auto steht vor der Tür. Sie wird die Tür öffnen und mich erst nach ein paar Sekunden erkennen. Dann wird sie außer sich sein. Wahrscheinlich hat sie schon gedacht, dass ich tot. Sie wird mich ins Haus zerren, ich muss mich waschen, andere Klamotten anziehen. In dieser Zeit wird sie die Eltern und alle Freunde anrufen. Die freudige Botschaft: Ich bin nicht tot, sondern nur ein Idiot, der abgehauen ist, keinen Bock mehr hatte. Fragen werden aufkommen. Warum? Wie? Warum? Wo?
Antworten werden zu weiteren Fragen führen. Reden, reden. Ich werde unglaublich viel zu reden und zu erzählen haben.
Dann werde ich versuchen, in mein altes Leben, das mit den Krawatten und dem Handy, zurückzukehren. Abgesichert, immer im Warmen, medizinisch versorgt und von den süßesten Früchten der Gesellschaft naschend. Aber man wird mich nicht mehr aus den Augen lassen, immer in Angst, dass ich wieder so etwas Wahnsinniges tun werde. Man muss mich beschützen vor mir selbst.
Ich bin wieder da, freudig aufgenommen doch immer ein Sonderling.
Die zweite Option: Ich hau’ ab.
Ich verpiss’ mich aus dieser feinen Gegend, kauf im nächsten Penny ne Pulle Dornkaat und schlag mich bis zur Rheinbrücke durch. Sehe die Kameraden und Schicksalsgenossen, die für zwei Jahre meine besten Freunde waren, wieder. Sehe “Bumm” mit seiner Augenklappe und den fettig gelb-weißen Haaren. Und Fred, der nur russisch redet, aber so tut als würde er alles verstehen und natürlich Karl “Zocker” Krawuttke, der mir wegen meines Bartes den Spitznamen “Schweizer” verpasst hat. Wir tippeln dahin wo es uns gefällt, sind frei und ungebunden und leben von dem, was die Straße uns gibt, so wie es in den letzten zwei Jahren auch aufs beste geklappt hat. Sonnenuntergangsromantik gibt es auch unter der Brücke. Genau wie Zufriedenheit. Aber sie wissen, dass ich mal wer anders war. Ich bin wieder da, freudig aufgenommen doch immer ein Sonderling.
Ich blicke an meiner abgerissenen und völlig verklebten Armeejacke herunter. Ein Leben wird sterben. Welches vermisse ich mehr, wenn ich in dem anderen lebe?

~ Ende Beitrag und Beginn Konversation ~

 

 

 

Sinn und Suche


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