Als ich an diesem Morgen durch den Wald schlenderte, sah ich etwas. Zuerst war ich mir nicht sicher, hielt es für eine Einbildung. Tat es ab, als Schatten oder optische Täuschung. Doch ich konnte es deutlich spüren. Das Gefühl wurde immer stärker und ich fühlte, dass sich etwas hinter meinem Rücken bewegte. Die Luft schien immer dicker zu werden. Stickig, faulig und schwer zu atmen. Es war dieser süßliche Geruch von verdorbenem Fleisch. Ich wusste nicht, was es war und es schien immer dunkler zu werden im Wald. Die Äste über mir kamen aufeinander zu, verschlangen sich ineinander und bildeten ein schwarzes Dach über mir, das keine Sonne nach unten ließ. Ruckartig wirbelte ich herum. Alle Muskeln meines Körpers angespannt, die Nerven kurz vorm Zerreisen. Die Fäuste geballt, bereit mich dem Etwas zu stellen. Ich wusste nicht, was es war. Aber es war da. Es war direkt hinter mir, ich konnte es riechen. Es konnte ein Raubtier sein, oder ein Wesen aus meinen schlimmsten Träumen. Der Teufel, ein Clown mit spitzen Zähnen und blutigen Lippen. Kalter Schweiß brach mir aus. Als ich mich mit einem schnellen Ruck umdrehte, meinte ich Umrisse zu erkennen, die sich hinter einem nicht weit entfernten Gebüsch abzeichneten. Ich sah etwas Gelbes hinter den grünen Ranken schimmern.
Ich starrte auf die zwei gelben Punkte, die mich anzufunkeln schienen. Etwas war in ihnen. Schwarz und sichelförmig. Ich wusste, dass es mich töten wollte. Töten und anschließend auffressen. Oder es fraß mich bei lebendigem Leib. Als ich zwinkern musste, war es plötzlich verschwunden. Da war kein dunkler Umriss mehr. Keine gelben Punkte. Es musste sich bewegt haben. Ich wusste es: Es war jetzt wieder hinter mir. Hatte sich blitzschnell im Unterholz versteckt. Und lauerte. Auf mich. Ich war zum Gejagten geworden. Ich war zur Beute geworden. Mein Leben hatte sich auf das Mindestmaß reduziert. Ich spürte nichts mehr. Ich dachte nichts mehr. Es war der Trieb, der jetzt Besitz von mir ergriff. Ein unglaublich mächtiger Reflex, der alle Sehnen des Körpers durchzieht. Der Überlebenstrieb, der sich blitzschnell in mir ausbreitete und starke Dosen Adrenalin durch meine Blutbahn pumpte. Ich konnte es auf meiner Zunge schmecken. Ich lief schnell ein Stück in den Wald hinein und hob einen dicken, knorrigen Ast vom Boden auf. Ich wirbelte herum, zielte mit meiner Waffe in die Richtung, wo ich es zum letzten Mal gesehen hatte. Ging in Verteidigungsstellung. Bereit, um mein Leben zu kämpfen. So wartete ich, dass es kam.
Als ich erwachte, war es ganz dunkel um mich herum. Ich nahm nichts wahr, außer dem Rauschen des Windes in den Baumkronen hoch über mir. Verwirrt tastete ich nach meinem Ast, doch ich konnte ihn in der Dunkelheit nicht finden. Unter mir spürte ich feuchtes, kühles Moos. Ich war im Wald eingeschlafen. Voller Angst kniete ich mich hin und versuchte mich zu orientieren. Doch das war unmöglich. Die Nacht war mondlos, in stumpfes Schwarz gehüllt. Es musste eine Einbildung gewesen sein, dieses Wesen. Völlig lächerlich, mein Verhalten. Ich kam mir vor wie ein ängstliches Kind und musste kurz aber heftig lachen, bei dem Gedanken, wie ich das alles meiner Frau erklären sollte.
Da sah ich sie, direkt vor mir leuchten. Die gelben Augen.

3 Kommentare
Steffen sagt:
30. Sep 2007
Das Bild von dir ist neu. Ist doch das mit der Maske (beim Gitarre-spielen) ….
Cool, das dir der Text gefällt…. ist mir einfach so eingefallen ….
Konrad sagt:
30. Sep 2007
Und:
Ist das n neues Bild? Ich erkenn da gar nix drauf
Konrad sagt:
30. Sep 2007
Fiese Sache, man denkt, man ist in nem miesen Traum, wacht auf und es geht nahtlos weiter…
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