Eva saß auf der kalten Arbeitsplatte eines Schreibtisches und fror. Das war kein Wunder, denn sie war fast nackt. Gerade war sie dabei, ihr Höschen nach unten zu ziehen, so weit wollte sie eigentlich nicht gehen, aber die beiden Trottel sollten um jeden Preis vor ihrem Monitor kleben. Das taten sie zweifellos, Stefania war sich darüber bewusst, dass nicht wenige Ehemänner allein wegen ihrem Körper ihre Frauen verlassen würden.

Wieder blickte sie zu der kleinen Kamera hinauf, die in einer Ecke des Raumes hing und die sie selbst noch etwas mehr auf den Schreibtisch gerichtet hatte. Sie konnte sich Julius und Fred vorstellen, wie ihnen das Testosteron jetzt förmlich aus den Ohren spritzen würde.

Sie blickte direkt in die Kamera, strich ihre langen, braunen Locken zurück und zog einen Schmollmund.

An der gegenüberliegenden hing, für die Kamera nicht zu sehen, eine Uhr. Stefania blickte darauf. Noch drei Minuten, dann würde sie hier rausspazieren und wäre bald reich.

Das Schrillen, das gleichzeitig mit dem Licht ansprang, riss sie aus ihren Überlegungen.

Scheiße, das war zu früh! Etwas war schief gelaufen. Stefania zog sich schnell BH, Hose, Schuhe und den weiten Pulli wieder über und schlüpfte aus dem Büro.

„Kim!“ schoss es ihr durch den Kopf. „Hatte Kim es geschafft?“ Unschlüssig stand sie vor dem Büro. Sollte sie nach Kim sehen, oder abhauen, jetzt, wo sie noch konnte?

„Verdammter Mist!“ fluchte sie und rannte Richtung Aufzug.


Julius konnte es immer noch nicht fassen!

„Was zu Hölle…?“ brachte er hervor, während der die Waffe unmerklich sinken ließ. Er drehte sich um. Auch Fred hatte die Waffe gesenkt und sah aus, als hätte er einen Geist gesehen.

Becker erwachte zuerst aus seiner Starre:
“Los, los, ihr Armleuchter, der Typ steht immer noch da, lasst euch doch nicht blenden! Schieß endlich!“

Julius blickte Becker ins Gesicht und in dem Moment kochte es von einer Sekunde zur anderen in ihm hoch.

„Nein, Becker, sie werden mir jetzt erklären, was hier los ist, ich hab die Schnauze voll von dem Scheiß, eben stand hier einer und jetzt ist der Flur so unberührt wie die Jungfrau Maria, verdammt!“

„Du Penner, wir lassen ihn entkommen, los…!“

Becker wollte sich an Julius vorbei in den Flur drängeln, doch der packte ihn am Kragen und drückte ihn mit aller Kraft gegen die Wand. Das erste Mal an diesem Abend hörte Becker auf zu fluchen.

Fred sprang dazwischen.

„Julius, bist du verrückt, lass ihn los!“

„Mann, der Typ weiß doch was hier los ist, er soll endlich…“

„Julius, lass ihn los!“

„Aber..“

„Julius!“

Julius ließ den Kragen des Wissenschaftlers los. Becker griff sich an die Kehle, doch das erwartete Donnerwetter blieb aus. Ganz im Gegenteil, Becker war erstaunlich sanft:

„Jungs, es ist jetzt keine Zeit, wenn wir den Typen haben, werd’ ich euch alles erklären, aber jetzt dürfen wir keine Zeit verlieren! Er trägt so was wie einen Tarnanzug…“

„Einen Tarnanzug? Wollen sie mich verarschen?“

„Später, er kann noch nicht weit gekommen sein, der Flur ist da vorne zu Ende, alle Türen sind verriegelt, er muss noch im Flur sein. Wir laufen dicht nebeneinander her, strecken die Hände aus, treten gegen die Wand. Er ist noch hier, das verspreche ich euch, wir kriegen ihn! Er sitzt in der Falle! Hier kommt er nicht raus!“

Julius und Fred stellten sich an die Wände, Becker in die Mitte. Langsam setzten sie sich in Bewegung, Julius und Fred traten bei jedem Schritt mit ihren schweren Stiefeln gegen die Wand.

„Und wenn einer von uns auf Widerstand trifft“, rief Becker laut in den Flur „prügeln wir diesem Möchtegern-Spion die Scheiße raus!“

Eva musste vorsichtig sein. Wenn sie jetzt gefasst wurde, hieß das Knast für sie. Ihren Job hatte sie mit ihrer kleinen Gina Wild-Show schon an den Nagel gehängt. Jetzt konnte sie sich noch ihre Freiheit bewahren. Aber wenn Kim es nicht geschafft hatte, sah ihre Zukunft auch nicht gerade rosig aus. Ihr Plan hatte vorgesehen, dass sie es beide schafften, nicht dass einer von ihnen auf der Strecke blieb. Sie musste zu Kim! Sie musste ihm helfen! Eva rannte los.

Kim traute sich nicht zu atmen. In dem Moment, in dem er in das vollkommen perplexe Gesicht des Wachmannes sah, wusste er, das es geklappt hatte. Hinter ihm war eine Sackgasse, vor ihm Becker mit den zwei Wachtypen. Seine Chancen hatten sich nicht gerade verbessert. Der Wachmann drehte sich um und ging auf Becker los. Kim nutzte die winzige Gelegenheit. Er schlich direkt an den Wachleuten und Becker vorbei. Er spürte ihre Körperwärme, so dicht war er. Fast hätte er einen Ellenbogen abbekommen. Sein Fuß bereitete ihm bei jedem Schritt Höllenqualen, doch ein Geräusch und alles wäre vorbei gewesen. Kim quetschte sich in die Ecke, jeden Muskel zum zerreißen gespannt, unfähig, zu atmen. Die drei gruppierten sich, mit dem Rücken zu ihm.

„Und wenn einer von uns auf Widerstand trifft“, rief Becker laut in den Flur „prügeln wir diesem Möchtegern-Spion die Scheiße raus!“, sagte Becker zu den Anderen.

Kim grinste. Die Drei liefen nebeneinander, schattenboxend den Flur entlang. Kim musste über diese Szene lächeln und schlich dann in die Entgegengesetzte Richtung weiter.

Hoffentlich war Eva schon raus, dachte er.

Unter heftigen Schmerzen humpelte er weiter bis zum Aufzug. Die Kabine stand weit offen. Kim trat herein und drückte den Knopf für abwärts. Nichts passierte. Kim zog Van Halldebricks Karte, den GodAccess, hervor und zog ihn durch den Leseschlitz. Der heiße Moment, er wusste nicht, was jetzt passieren würde.

Wieder sprang die LED von rot auf grün und die Türen des Aufzuges schlossen sich. Kim spürte große Erleichterung. Er fuhr nach unten, er hatte im Parkhaus nah neben dem Eingang geparkt. Er würde den Wagen besteigen, los fahren und wäre morgen auf dem Weg nach sonst wo. Es wurde auch Zeit, in der Maskenbrille war eine kleine Anzeige angebracht. Der Akku des Anzuges in den Stiefeln war wohl nicht voll gewesen und würde es nicht mehr lange machen.

Eva rannte weiter, in dem Flur vor ihr flog eine Tür auf. Ihr Herz setzte mehrere Schläge aus, als sie die Wachleute sah, die in den Flur strömten. Der Alarm! Wenn der Alarm ausgelöst war, galt aller Schutz den Forschungsstätten, alle diensthabenden Wachleute strömten jetzt nach hier unten. Aber viel zu früh, wie waren die so schnell her gekommen? Scheiße, sie hätte abhauen sollen, dachte Eva. Zu ihrer Überraschung sah sie Van Halldebrick hinter einem der Wachleute. Die Beule, die seine Stirn zierte war beachtlich groß.

„Scheiße, ich hab nicht fest genug zugeschlagen, sonst würde der Penner noch von seiner letzten Thailand-Reise träumen!“ dachte Eva.

Die Latina legte eine Vollbremsung hin und rannte in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war.

„Das ist die kleine Fotze, los!“ Das war Van Halldebricks Stimme gewesen. Eva spürte eine Gänsehaut und rannte noch schneller.

„Halt, bleiben sie sofort stehen!“ rief eine Männerstimme hinter ihr. Eva dachte nicht daran. Sie jagte um die nächste Ecke.

Der Schuss knallte ohrenbetäubend. Aus den Augenwinkeln nahm Eva wahr, wie Teile der Flurecke wegspritzten!

„Die schießen auf mich!“ War der einzige, naive Gedanke, den sie in dem Moment denken konnte, „die können doch nicht einfach auf mich schießen!“

Julius hasste seinen Abend. Sie waren bis zum Ende des Flures gekommen und hatten nichts entdeckt. Jetzt waren sie in anderer Richtung unterwegs. Sie waren auf der Suche nach der Tittenmaus aus dem Büro. Fred hatte Becker klar machen wollen, dass sie keineswegs einen Porno gesehen hatten und ihm von ihr erzählt. Jetzt mussten sie die Tusse nur noch finden. Nackt, hoffte Julius insgeheim.

Langsam kam der Aufzug zum stehen. „Parkhaus“ leuchtete von der Anzeige über der Tür. Kim hatte gewonnen. Er lächelte. Jetzt hatte er das Schwierigste geschafft, er war zumindest raus aus der Forschungsabteilung.

Die Lifttür schwang auf. Kims Gedanken wichen sofort nackter Panik, als er in die Läufe von zwei Pistolen blickte, die genau auf ihn gerichtet waren.

- wird fortgesetzt -

Gesamte Geschichte lesen …