Die warmen Strahlen der Sommersonne halten die Dämonen zurück, treiben sie in die finstersten Ecken, sodaß man sie vergisst und ihre Existenz schon bald verleugnet.

Doch jetzt gibt es keine Sommersonnenstrahlen mehr, die Wärme ist verschwunden. In den wenigen Stunden, in denen es hell ist, hängt ein grauer Teppich tief vom Himmel. Der dicke Mantel ist auf einmal praktischer als das Bandshirt, das du Monate durchgängig trugst. Alte Bekannte kehren zurück, Schnupfen und Erkältung, das Klopfen der Heizung oder die beschlagenen Brillengläser.

Mit jedem fallenden Blatt fällt auch die Laune, zunächst unmerklich, dann immer rasanter. Die Dämonen des letzten Winters kriechen aus ihren Ecken hervor und erlangen immer mehr Macht, erstarken zu ungeahnter Größe. Und mit ihren schleimigen, kalten Händen packen sie dein Herz und wringen das letzte bisschen Wärme wie Brackwasser aus.

Und die Erinnerungen an die letzen Monate laufen in die Dunkelheit. Seltsam berührt blickst du ihnen hinterher, der Wärme, dem über dem Feuer gegarten Fleisch, den knappen Bikinis über anziehenden Rundungen. Hier läuft ein ganzer Sommer mitsamt seinen kurzen Hosen und den gekühlten Getränken dahin.

Jetzt kommt die große Kälte, das Verkriechen in dicker Kleidung, die klammen Finger und die beim Auftauen juckenden Ohren. Der Herbst in seinem Gewand aus kalter Nässe hat die Welt in den Käfig der Trostlosigkeit gesperrt.

Und das bitterste ist der Beigeschmack der Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass an allen Klischees doch etwas dran ist und dass du deinen Teil dazu beiträgst.