Miro wachte auf. Langsam öffnete er seine Augen, die sich geschwollen und klebrig anfühlten. Die Matratze fühlte sich rau und hart an. Er drehte sich auf die Seite und schaute auf seinen Radiowecker, dessen Digitalziffern im Dunkeln leuchteten. Doch an diesem Morgen blieben die Ziffern dunkel, leuchteten nicht in ihrem gewohnten Grün. Miro tastete nach dem Lichtschalter für die Deckenlampe, aber konnte ihn in der Dunkelheit nicht finden. Orientierungslos wühlte er sich aus dem Bett und stand auf. “Komisch”, dachte er, als er merkte, dass er nackt war. Erst jetzt spürte er, dass es in dem Zimmer empfindlich kalt war. “Verdammte Heizung”, murmelte er und öffnete die Tür zum Flur. Doch dort, wo er hingriff, war kein Griff und keine Tür.

Miro stand vor einer glatten, kühlen Fläche, die er wegen der tiefen Dunkelheit nicht sehen konnte. Adrenalin überschwemmte jetzt seine Blutbahn und er ahnte, dass ihn gleich Panik ergreifen würde. Alte Ängste aus seiner Kindheit tauchten vor seinem Geist auf. In ein schwarzes Loch zu stürzen, ewig zu fallen, gefangen zu sein. “Ich muss aufhör’n zu kiffen”, sagte er und lachte kurz auf. Er atmete dreimal langsam ein und aus und beruhigte sich wieder. Doch auch als er an der Wand weiter entlang tastete, fand er weder Türen noch Fenster. Außer dem Bett schien überhaupt nichts in dem Zimmer zu sein. Miro setzte sich darauf, wickelte die Decke um seinen Körper und zwang sich, ruhig zu bleiben und nachzudenken. Einen Moment später war er sich sicher, was passiert war.

Gestern Abend war er auf der Party von Tom und Katja gewesen. Er hatte eine Menge Leute von früher, aus alten Abi-Zeiten, wiedergesehen und sie hatten es ziemlich übertrieben. Zum Schluss waren dann noch einige Joints rumgegangen. “Ich bin überhaupt nicht zu Hause!”, sagte er und tiefe Erleichterung durchströmte seinen Körper. Nach dem Aufwachen hatte er zwar geglaubt, am frühen Morgen noch ein Taxi gerufen zu haben. Aber das musste er wohl geträumt haben. “Oder mir eingebildet, so drauf wie ich war”, dachte Miro. So musste es gewesen sein. “Wahrscheinlich war ich so daneben, dass sich meine Kumpels einen Scherz mit mir erlaubt haben.” Und ihn eingesperrt, in ein fensterloses Zimmer mit – mit was? Einer Art Geheimtür? “Es muss eine Tür geben, es gibt doch keine Zimmer ohne Tür!”, überlegte er.

“Ihr Arschlöcher!” rief Miro und bemühte sich, seine Stimme nicht ängstlich klingen zu lassen. “Ich hab’ sehr gelacht – jetzt lasst mich raus, ich hab’ Hunger!”

Nichts geschah.

Fortsetzung folgt. Der Autor.