Was bisher geschah …

Miro wusste, dass er jetzt cool bleiben musste. Doch es half alles nichts – er hatte einfach keine Erklärung mehr für die Situation, in der er sich befand. Eingesperrt in einem stockdunklen Zimmer ohne Türen und Fenster, nur mit einem Bett in der Ecke des Raumes – nackt. Er hatte sich auf das Bett gesetzt und die Decke fest um sich geschlungen. Sie roch alt und muffig. Er nahm wieder einen Gedanken auf, den er schon vorher gehabt hatte: Es konnte alles bloß ein Streich sein, den ihm seinen Freunde hier spielten. Aber war das wahrscheinlich? Sicher, einige seiner Kumpels hatten einen seltsamen Humor. Aber sowas? Sie mussten wissen, dass sie ihn über jedes vertretbare Maß hinaus quälten. Dazu kam noch, dass die Mädchen das sicher nicht mitgemacht hätten und etwas gesagt hätten. Oder nicht?

Doch. Der Gedanke schmerzte Miro fast körperlich und eine tiefe, schwarze Furch stieg an die Oberfläche seines Bewusstseins. Es war kein blöder Scherz, den ihm hier irgendjemand spielte. “Aber”, flüsterte er, “das kann nicht sein.” Es gab nur noch eine einzige Erklärung für seine Situation.

Er war ein Gefangener in diesem dunklen Zimmer.

Jetzt brach Panik in Miro aus. Alle Angst, alle Verzweiflung brach aus ihm hervor und entlud sich in einem wilden Anfall ungezügelter Wut. Hass flimmerte weiß vor seinen Augen, als er sich mit aller Kraft gegen die Wände warf und mit roher Gewalt darauf eingeschlug, schreiend und tobend. Miro sah rot. Er hörte das Blut in seinen Ohren rauschen und die Holzverkleidung splittern.

Wie lange der Ausbruch gedauert hatte, konnte er danach nicht einmal sagen. Seine Hände waren taub und fühlten sich an wie gebrochen. Er spürte, wie Blut in seine Handflächen rann. Er fror und bereute, dass er die Bettdecke zerrissen hatte. Langsam wurden seine Gedanken wieder klarer, ordneten sich und Miro atmete tief durch. Was ihn schließlich wieder zur Besinnung gebracht hatte, war das Bett.

Er hatte es umwerfen und zerstören wollen, in seiner blinden Wut. Aber es ging nicht. Seinen ganzen Hass hatte er gegen das Bett gelenkt. Doch so sehr er sich auch bemüht hatte – es bewegte sich nicht. Zuerst hatte er geschlagen und getreten, dann getastet. Und jetzt wusste er, warum.

Das Bett war mit dicken Schrauben im Boden verankert.

Jetzt saß Miro wieder darauf, das Gesicht in den Händen vergraben und weinte bitterlich. Er wusste nicht, wann er das letzte Mal so geweint hatte. “Vielleicht als Kind”, dachte er verwirrt, als er ein Geräusch hörte. Zuerst glaubte er, er hätte es sich nur eingebildet. Doch dann hörte er es wieder, diesmal deutlicher.

Es kam von oben.

Fortsetzung folgt.