Was bisher geschah …

Das Geräusch kam von oberhalb der Decke des Zimmers, die Miro nicht sehen konnte. Er erhob sich von dem Bett, als das Geräusch lauter wurde, näher kam. Es klang wie ein Pfeifen. Als würde jemand eine unbeschwerte, fröhliche Melodie vor sich hinpfeifen. Er dachte daran, sich zu verstecken, wusste aber, dass es sinnlos war. Wer auch immer da näher kam, er wusste, dass er in diesem Zimmer war und nicht fort konnte. Trotzdem kroch Miro von Panik geschüttelt in die äußerste Ecke des Raumes, umschlang seine Beine mit den Armen und zog die Knie unter sein Kinn.

Das Pfeifen hatte aufgehört. Stattdessen hörte Miro jetzt leises Rascheln an der Zimmerdecke. Etwas klickte und knackte gedämpft durch die Zimmerdecke. “Ein Schloss!” schoss es ihm durch den Kopf und sein Körper wurde überschwemmt von Adrenalin und Todesangst.

Wem würde er gleich gegenüberstehen? Würde man ihn quälen und foltern? Töten? Oder waren es vielleicht doch seine Kumpels, die diesem grausamen Scherz ein Ende bereiten würden. Genau. Sie hatten ihn sicher nur vergessen und würden ihn nun unter tausend Entschuldigungen aus diesem schrecklichen Zimmer befreien. Ein schmaler Lichtstrahl fiel auf den Boden des Raumes, als die Luke langsam geöffnet wurde.

Miro blinzelte und sah bloß dicke Staubflocken, die in der Luft schwebten. “Hey, wer ist da?”, wollte er rufen, doch seine Stimme erstickte bereits beim ersten Wort. “Hab keine Angst”, flüsterte die Stimme aus der Luke. Sie klang tief und weich. “Ich werde mich jetzt um dich kümmern.”

“Wer ist da? Lassen Sie mich sofort hier raus!” schrie Miro und sein trockener Hals brannte wie Feuer.
“Hab keine Angst”, flüsterte der Mann aus der Luke. “Ich kümmere mich schon um dich.” Miro wollte auf die Stimme zurennnen und den Mann zur Rede stellen, als der Verschlag mit einem Krachen zugeschlagen wurde. Kurz war es ganz still, bis wieder das Klicken und Knacken des Schlosses zu hören war. Im letzten Licht, das durch die Öffnung fiel, sah Miro, dass der Mann mit der sanften Stimme etwas zu ihm hinuntergelassen hatte. Es war ein geflochtener Korb, der vor ihm auf dem Boden stand. Sein Inhalt war unter einer karierten Decke verborgen. Er zog den Korb an sich und setzte sich auf das Bett, bevor wieder tiefe Dunkelheit das Zimmer erfüllte.

Miro zog die Decke weg und griff in den Korb. Er spürte etwas hartes, kühles und griff danach. Es war eine große, schwere Taschenlampe. Er fand den Schalter an der Seite und knipste sie an. Der Lichtstrahl war dünn aber stark und er sah zum ersten mal das Zimmer, in dem er gefangen war. Erst jetzt kam ihm zu Bewusstsein, dass er nicht einmal wusste, wie lange er schon hier war. Er verdrängte den Gedanken und leuchtete systematisch Boden, Wände und Decke ab. Der gesamte Raum war mit Holz verkleidet und mit glänzender schwarzer Farbe überstrichen. Als der Strahl der Taschenlampe auf die Wand rechts von Miro fiel, sah er die Stelle, auf die er in blinder Wut eingeschlagen hatte. Hier war das Holz leicht gesplitter, in den Splittern schimmerte sein eigenes Blut. Unter dem Holz schien eine Mauer aus rotem Backstein zu liegen. Das Bett war, wie Miro richtig vermutet hatte, mit dicken Schrauben im Boden verankert. Über ihm erkannte er jetzt auch den Umriss der Luke, durch die der Mann die Lampe hinabgelassen hatte. Miro richtete den Strahl der Taschenlampe auf den Korb in seinem Schoß. Nach dessen Gewicht zu urteilen, musste noch mehr darin sein. Da wo die Lampe gelegen hatte, befand sich noch eine karierte Decke. Er zog sie weg und sah herab auf das, was sich noch in dem Korb befand.

Es war eine Flasche Sekt, ein kleines Küchenmesser und eine tote Katze.

Fortsetzung folgt.