Fast ein Jahr ist jetzt vergangen. Vielleicht auch zehn Jahre. Er sitzt im Halbdunkel, muss weder essen noch trinken. Er muss nichts mehr tun. Er spürt nichts, keinen Schmerz, keine Temperatur. Er sitzt nackt im Halbdunkel, kein Fenster erhellt die leere Zelle. Das Licht ist immer das Gleiche. Nie hört er ein Geräusch. Die Wände sind grau und kahl, keine Tapete, kein Muster. Er schläft auf dem Boden. Er sitzt auf dem Boden. Er steht auf dem Boden. Er schlägt auf den Boden.
Keine Tür führt in den Raum. Er hat sich immer gefragt, wie er hier her gekommen ist.
Die Zeit ging als Erstes. Dann die Fantasie. Dann ging er. Er weiß nicht mal mehr, wie er aussieht. Es bleibt nur noch der makellos glatte Raum.
Er sitzt, starrt in die Ecke, steht auf und starrt in die andere Ecke, und weil sie alle gleich aussehen, weiß er nicht, in welche Ecke er eben gestarrt hat.
Er schließt die Augen und kann doch nur von diesem Raum träumen. Er ist leer, eine Verzweifelte Hülle.
Hätte er doch nur „Ja“ geschrieen!
Er weiß nichts mehr von dem Leben vor diesem Raum, aber er vermisst es mit jeder Faser seines Körpers und seines Geistes.
Hätte er doch nur „Ja“ geschrieen!
Als er das erste Mal in dem Raum aufwachte, lag dort ein Zettel. Darauf stand in blutroter Schrift:
„Willst du sterben?“
Er hatte gebrüllt. Dass sie ihn nie kriegen würden. Dass er kämpfen und sich wehren würde. Die Hoffnung war stark.
Der Zettel war verschwunden. Die Hoffnung irgendwann auch. Der Raum war nie verschwunden, egal wie oft er die Augen geschlossen und wieder geöffnet hatte.
Fast ein Jahr ist jetzt vergangen. Vielleicht auch zehn Jahre.
Hätte er doch nur „Ja“ geschrieen!

4 Kommentare
Nilsbär sagt:
20. Dez 2007
Hmm, wenn der dunkle Raum allerdings eher eine Metapher für ein ewiges Koma ist, dann kann ich die Todessehnsucht wiederum nachvollziehen. However, guter Text wie gesagt.
Nilsbär sagt:
20. Dez 2007
Lol. Naja, bis das mit dem Schreien vorkam dachte ich, der Kerl sei tot. Nundenn: Den Tod herbeisehnen sollte man imo nur, wenns einem körperlich sehr schlecht geht, man zum Beispiel unter starken unheilbaren Schmerzen leidet. Den glatten dunklen Raum sehe ich aber eher als Metapher für das westliche, anonyme Leben? Naja, ich will daran jetzt auch nicht zu sehr ruminterpretieren. Gerade nach eurer Pilgerung bezweifel ich ja auch, dass du eventuell dieser Kerl in dem dunklen Raum bist.
Konrad sagt:
19. Dez 2007
Danke, ick fühl mir jeschmeichelt!
Dadurch, dass er “Nein” geschrien hat, verbleibt er aber in dem Raum und quält sich selbst mit der Vorstellung, dass er den Tod hätte haben können. Und wenn man deiner Theorie glaubt, dann könnte er, ohne es zu wissen auch schon tot sein und die Selbstvorwürfe wären ein völlig sinnloses Martyrium…
Es ist übrigens kein Cross-Marketing sondern die Philosophie der “Corporate Identity”. Wir laufen auch nur noch in den selben Klamotten rum, ich studier bald Jura und der Steffen spielt Gitarre…
Nilsbär sagt:
19. Dez 2007
Machst du mit Steffen jetzt Cross-Marketing? Das erinnert ja sehr an seine aktuelle Geschte.
Aber: Sehr sehr gut geschrieben. Allerdings auch mal wieder sehr depressiv. Seine Entscheidung, nicht “Ja” geschrien zu haben, sollte sich doch hoffentlich später doch noch als richtig herausstellen. Denn der Tod ist kaum was anderes als ein dunkles Zimmer. Und in dem ist man dann garantiert für immer…