Fast ein Jahr ist jetzt vergangen. Vielleicht auch zehn Jahre. Er sitzt im Halbdunkel, muss weder essen noch trinken. Er muss nichts mehr tun. Er spürt nichts, keinen Schmerz, keine Temperatur. Er sitzt nackt im Halbdunkel, kein Fenster erhellt die leere Zelle. Das Licht ist immer das Gleiche. Nie hört er ein Geräusch. Die Wände sind grau und kahl, keine Tapete, kein Muster. Er schläft auf dem Boden. Er sitzt auf dem Boden. Er steht auf dem Boden. Er schlägt auf den Boden.
Keine Tür führt in den Raum. Er hat sich immer gefragt, wie er hier her gekommen ist.
Die Zeit ging als Erstes. Dann die Fantasie. Dann ging er. Er weiß nicht mal mehr, wie er aussieht. Es bleibt nur noch der makellos glatte Raum.
Er sitzt, starrt in die Ecke, steht auf und starrt in die andere Ecke, und weil sie alle gleich aussehen, weiß er nicht, in welche Ecke er eben gestarrt hat.
Er schließt die Augen und kann doch nur von diesem Raum träumen. Er ist leer, eine Verzweifelte Hülle.
Hätte er doch nur „Ja“ geschrieen!
Er weiß nichts mehr von dem Leben vor diesem Raum, aber er vermisst es mit jeder Faser seines Körpers und seines Geistes.
Hätte er doch nur „Ja“ geschrieen!
Als er das erste Mal in dem Raum aufwachte, lag dort ein Zettel. Darauf stand in blutroter Schrift:
„Willst du sterben?“
Er hatte gebrüllt. Dass sie ihn nie kriegen würden. Dass er kämpfen und sich wehren würde. Die Hoffnung war stark.
Der Zettel war verschwunden. Die Hoffnung irgendwann auch. Der Raum war nie verschwunden, egal wie oft er die Augen geschlossen und wieder geöffnet hatte.
Fast ein Jahr ist jetzt vergangen. Vielleicht auch zehn Jahre.
Hätte er doch nur „Ja“ geschrieen!