Eine Staubwolke kündigte sie an. Die Vernichter schickten sich an, ihr Werk zu vollenden. Am Ende dieses Tages würde es keine Überlebenden auf der Seite des Konglomerates der Menschheit mehr geben. Heute würde die Entscheidung fallen, der letzte Kampf, der Big Bang. Danach würde Stille herrschen.
Sergeant Millman blickte durch das Zielfernrohr seiner Waffe auf die Armada, sich unaufhaltsam einen Weg zu brechen begann.
Millman sah den Kampf verloren, doch was hätte er anderes tun können, als zu kämpfen. Am Ende dieses Tages würde er tot sein. Genau so tot wie der Rest der ehemaligen Menschheit. Millman ließ seinen Blick schweifen. Die Stadt lag in Trümmern. Überall lagen Schuttberge eingestürzter Hochhäuser, die noch stehenden Zinnen anklagend in den Himmel gereckt. Kein Dach war mehr gedeckt, die komplette Infrastruktur war schon lange zusammengebrochen. Das Konglomerat lebte in den Trümmern der Zivilisation, zurückversetzt in die Steinzeit. Es gab keine graden Kanten mehr, alles war zerbrochen, gebröckelt oder eingestürzt. In keinem Fenster war auch nur noch eine Scheibe. Die Welt bestand aus rauen Kanten, spitzen Betonresten und gen Himmel gereckte Stahlträger.
Die Hitze war mörderisch, die Luft so stickig, das man meinte, zähen Sirup atmen zu müssen. Der Klimawandel machte den Überlebenden zu schaffen. Vor allem da sie nicht mehr an Wasser kommen konnten. Der Himmel war dunkel orange, ein heißer Wind pfiff beständig. Die Erde war zu einem Glutofen geworden.
Millman schaute neben sich. Dort waren sie, die kläglichen Reste von Milliarden von Menschen. Viele waren nicht mehr übrig. Sie waren bewaffnet. Einige mit Gewehren, andere, die keine Waffen oder Munition mehr hatten schlicht mit Steinen oder Knüppeln. Sie waren armselig anzusehen, abgemagert, ausgemergelt. Die Kleidung, die sie trugen waren Lumpen, Stoffreste, getränkt mit Dreck und Blut. Dort lagen sie, in den Trümmern und warteten auf das Unvermeidliche. Frauen, Männer, Kinder. Hautfarbe und Religion waren nicht wichtig, niemand interessierte sich dafür. Anfangs hatten sie viel gebetet. Als noch Hoffnung bestand. Die Religionen versprachen den Messias oder ein göttliches Wunder. Doch nachdem Gott über 5Milliarden Menschen dahingerafft hatte, wurden die Rufe nach dem Erlöser immer leiser. Entweder man war Realist oder tot.
Millman wusste nur grob, wie es so weit gekommen war. In den 2000er Jahren hatten die Menschen immer mehr Arbeit den Maschinen überlassen. Am Anfang waren es nur vereinzelte Produktionsstätten, später wurden weltweit alle großen Fabriken und Manufakturen, vor allem die Rohstoffgewinnung und die Nahrungsmittelindustrie den Vollautomaten überlassen. Möglich war das durch eine neu entdeckte Energiequelle. Das Xarey war ein Stoff, der leicht gewonnen werden konnte und die Maschinen für gute 1000Jahre mit Energie versorgte. Da jede Maschine ihre Energiequelle in sich trug, waren sie komplett autark, somit war die Versorgung der Menschheit zu jeder Zeit gesichert.
Das Prinzip war gut. Niemand musste mehr arbeiten um seine Nahrung zu sichern, die Maschinen arbeiteten. Die Bevölkerung explodierte. Die Umweltverschmutzung nahm drastisch zu. Zu dieser Zeit gründete sich das Konglomerat, eine Gruppe von Aktivisten, die die Abhängigkeit von den Maschinen nicht länger hinnehmen wollten. Anschläge, Bomben, das übliche Hochschaukeln der Gewaltkette. Irgendwer programmierte schließlich die Maschinen gegen die Menschheit. Sie reproduzierten sich selbst und führten einen Kampf, der erbarmungsloser war, als alles, was die Menschheit bisher erlebt hatte.
Ihre Taktik war einfach. Sie erschufen in den Produktionsstätten riesige „Vernichter“. Die Größe der Maschinen war nicht zu begreifen. Sie ließen sich nicht auf einen Kampf ein, sie überrollten einfach alles. Die Panzerungen waren zu dick, die Menschen abgeschnitten von ihren Produktionsstätten. Die Menschen führten eine Schlacht, konnten aber keinen Nachschub mehr produziere. In der ersten Woche fielen Milliarden.
Die Vernichter vergifteten das Trinkwasser und rollten weiter über den erbärmlichen Widerstrand hinweg. Städte fielen, Länder wurden ausgelöscht. Die Maschinen waren erschreckend perfekt. Der Zauberlehrling Mensch konnte den Besen nicht mehr beherrschen.
Drei Monate. Milliarden von Menschen. Gnadenlos einfache Effektivität.
Millman spannte den Hahn seines M82A1. Er hatte noch 6 Patronen. Tessy, so hatte er das Barret light fifty genannt, würde sie zuverlässig ins Ziel bringen. Ebenso zuverlässig würde sie am Schutzmantel abprallen. Von Chancen konnte keine Rede mehr sein. Es gab keine. Bisher war noch nicht eine einzige Maschine gefallen. Nicht Eine!
Millman beobachtete die Vernichter. Keine dreibeinigen Monstermaschinen aus Filmen, es waren schlichte, geometrische Formen, eckige Klötze, die sch auf Ketten bewegten. Ihre Größe war atemberaubend. Sie rollten über Häuser spielend hinweg, zerschmetterten die tragenden Pfeiler der hohen Gebäude bis diese einstürzten. Menschen nahmen sie wahrscheinlich nicht mal wahr. Sie zermalmten sie einfach. Die Klötze bahnten sich gnadenlos ihren Weg.
Millman schoss. Er traf mit jedem Schuss. Alle prallten sie ab. Selbst Raketen hatten nichts bewirkt.
Ein letztes Mal blickte Millman auf die Menschen, die sich verbissen verteidigten, Lumpengestalten, die tatsächlich Steine warfen.
Dann spürte er die Erschütterung. Wie ein Erdbeben wankte die Ruine des letzten, lachhaften Widerstandes. Dann explodierte sie zu einem Haufen aus Stahl und Beton.
Eine Woche später, nach ausgeführten Befehlen, ruhten die Maschinen. Sie hatten gewonnen, ihren Auftrag erfüllt, das Programm war beendet. Successful.
Sie standen still und warteten auf neue Befehle, die niemand mehr geben würde.
28. Januar 2008
von Steffen
Spannend. And the Matrix strikes again!