Langsam kündigt sich der Höhepunkt an. Während ich mich weiter rhythmisch bewege, breiten sich von meinem Schwanz her warme Wellen der Lust aus. Ich bemerke die Lawine, die gleich über mich hereinbrechen wird gerade noch früh genug, sodass ich sie noch stoppen kann, jenen unumgänglichen Moment des Hochgefühls noch etwas hinauszögern kann. Ich werde langsamer, streiche über ihr Gesicht, küsse sie. Ich will sie spüren, ihren Atem fühlen, ihr Stöhnen an meinem Ohr Hören, will sie riechen, schmecken und fühlen.
Dies ist einer jener Momente, die ich voll auskosten will, den ich mit jeder Faser meines Körpers und mit jeder Synapse meines Geistes spüren und erleben will. Das sind die Momente, für die ich lebe, die ich nie wieder vermissen will. Geschenkmomente. Meine Aufgabe, meine Erfüllung, meine Erlösung. Das ist der warme, verschwitzte Garten Eden mit all seinen Gerüchen, Geräuschen und Gefühlen. Ich mache mich bereit, konzentriere meine gesamte Existenz auf den nun folgenden Moment, bereite mich vor, loszulassen und mich selbst zu vergessen.
Ich bewege mich schneller, schneller, lasse es zu, lasse mich überrollen. Das Zucken wird stärker, die Wogen schütteln mich. Ich kann die Laute, die aus meinem Mund dringen nicht mehr steuern, stöhne und höre sie stöhnen. Bunte Punkte tanzen in einer viel zu bunten, schweren Welt. Mein Brustkorb schnürt sich zu, ich kann nicht mehr atmen, mein Körper spannt sich an, jeder Muskel ein Drahtseil. Dann setzt mein Denken aus. Ich verliere mich in einer Welt aus reinem Gefühl, pure Reaktion, ein triebgesteuerter Körper ohne Geist, der sich zuckend verausgabt.
Plötzlich ist es vorbei. Wie eine Klappe beim Film klatscht die Realität zurück in meinen Kopf und vertreibt die kochenden Hormone. Ich bemerke, dass ich friere, stinke und klebe. Nach dem Sex fühlt man sich wie ein Tier, dreckig und dumm. Ich blicke nach unten, sehe ihr Gesicht. Ihre tiefblauen Augen, das blonde Haar, das wirr liegt und an ihrer Backe klebt. Sie lächelt. Auch ich lächele. Ich vergrabe meinen Kopf in ihren Schultern
Der Weg bis hier war diesmal nicht lang. Sie mag mich. Wahrscheinlich hat sie sich sogar in mich verliebt. Ich hingegen bin mir mit ihrem Namen nicht mal sicher. Irgendetwas Gewöhnliches. Melanie, Stefanie oder was weiß ich. Wir haben uns vor ein paar Stunden kennen gelernt. Sie ist betrunken. Ich nett und smart. Der große Wurf. Der Typ, den man nicht jeden Abend trifft. Oh ja!
Ich erzählte ihr, dass ich Sascha heiße. Ein blöder Name, aber meinen Richtigen sollte sie nicht wissen. Ich wollte ihr nur mein Geschenk machen und dann gehen. Aus ihrem Leben würde ich nie wieder verschwinden, dafür hatte ich soeben gesorgt.
Ich rolle mich von ihr runter und gehe ins Bad. Ich lasse mir viel Zeit. Als ich zurückkomme, ist sie eingeschlafen. Ich ziehe ich mich lautlos an, suche meine Sachen zusammen und verschwinde. Sie wacht nicht auf. Übung macht den Meister. Sie ist die Nummer 23 in den letzten 6 Wochen. Mein Jagdgebiet ist groß, ich besuche den gleichen Platz nie ein zweites Mal. Das wäre zu gefährlich. Ich will mein Geschenk bis zu meinem Ende verteilen, so wie ich es jetzt schon über 100mal getan habe. Sie wird mich nie wieder sehen, doch ab heute bestimme ich ihr Leben bis ans Ende. Ich gab ihr mein Geschenk und sie hat es dankend angenommen. Ich werde es noch so oft wie möglich verteilen, mein Geschenk mit den drei Buchstaben H,I und V.