26. Juli 2007
Sarkozy – Cap Manuel
Mit zwei langen, mit Thunfischpaste bestrichenen Baguettes sind wir eigentlich nur auf dem Weg zur Wechselstube, um einige Euros zu tauschen. Als wir am Place de Washington mit dem blauen Brunnen in der Mitte ankommen, auf dem sich ein müder Hund ausruht, sind die hier breit zusammenlaufenden Straßen gesperrt. Sofort entsteht ein schier unlösbares Verkehrschaos, in dem sich Taxis und bunte Busse ineinander zu verknoten scheinen und um die Wette hupen.
Schwere, schwarz lackierte Mercedes-Limousinen rasen unter Militär- und Polizeieskorte durch die freigebliebene schmale Gasse. Menschenmassen schieben sich von Osten her über den Platz: Frauen in bunten, traditionellen Gewändern, neugierige Gesichter überall. Unter lautem Rufen und Trommeln schiebt sich die Masse weiter, schwenkt senegalesische und französische Fahnen, jubelt und tanzt. Ganze Busladungen von Menschen werden herbeigebracht und fließen ein in den nicht enden wollenden Strom. Pickups und Transporter begleiten die Feiernden, die Ladeflächen voller großer Lautsprecher, meterhoch gestapelt. Darauf sitzen hoch oben Musiker, die die Prozession mit rhythmischem Gesang begleiten. T-Shirts und Transparente verraten, dass Nicolas Sarkozy, der neu gewählte französische Staatspräsident, den Senegal besucht. Wir stehen in einer Ecke vor einer kleinen Partisserie und lassen unsere Blicke fasziniert durch die fröhliche Menge schweifen. Viele Frauen tragen Babys auf dem Rücken, eingewickelt in dünne Stoffbänder. Überall sticht das Camouflage-Muster der Militäruniformen ins Auge. Sicherlich herrscht heute die höchste Sicherheitsstufe. Auch die Straßen sind auf einmal ungewohnt sauber. Man will einen guten Eindruck machen, denn das Land hängt, so stolz und unabhängig man sich auch gibt, in hohem Maße vom Wohlwollen Frankreichs ab; von finanzieller und logistischer Unterstützung, Entwicklungshilfe über wirtschaftliche Kooperation bis hin zur massiven militärischen Präsenz der Franzosen in einigen Teilen des Landes. Als ehemalige französische Kolonie 1960 in die Unabhängigkeit entlassen, ist das Schicksal des Senegals durch diese Verknüpfungen noch immer mit dem fernen Frankreich verbunden. Am späten Nachmittag erreichen wir Cap Manuel, die südliche Spitze Dakars, begleitet von gepanzerten Limousinen, Benz und Maybach. Eine einzige davon mehr wert, als alle Menschen, die wir in kleinen Grüppchen an der Straße sehen, zusammen in ihrem Leben verdienen werden.
Am Kap, zu dem eine malerisch gewundene steile Straße führt, liegen hinter dem zentralen Busbahnhof kleine, sandfarbene Häuser mit staubigen Höfen, auf denen dürre afrikanische Ziegen meckern und blöken. Ein idyllisches Dörfchen, abseits des hektischen Stadtverkehrs. Die Menschen, die hier wohnen, sind trotz des allgegenwärtigen roten Sandes, der sie hier umgibt, makellos gekleidet. Kaum ein Staubkorn findet sich auf den in allen Farben seidig schimmernden Gewändern. Das Meer unter uns liegt blau, grün, unendlich weit, doch greifbar nah. Die blasse Sonne glänzt auf den schwachen Wellen. Ihr Licht verliert sich in den obsidian-schwarzen Klippen aus Sandstein und Basalt. Dieses Bild reflektiert zwischen meinen Augen, in meinen Gedanken, der Wirklichkeit entrückt.
~ Ende Beitrag und Beginn Konversation ~