Das Feuer, das im Juli 1852 in der Hamburger Strasse wütete, ging als das schlimmste Feuer in der Geschichte des kleinen Dorfes in der Nähe von Lübeck ein. In alten Geschichten wird es als das Fegefeuer bezeichnet, das fast das gesamte Dorf niedermachte.
Das Haus wurde von Erich Moltredder bewohnt. Der alte Mann galt als freundlich und herzlich, er kam gut mit den Kindern des Dorfes zurecht, die seinen wunderlichen Geschichten immer mit Hochspannung lauschten. Fast jeden Tag sah man sie bei ihm stehen, während er die unglaublichsten und fremdartigsten Geschichten aus einer scheinbar fremden Welt eindrucksvoll erzählte. Bei den Erwachsenen war er ein festes Dorfmitglied, das über die vielen Jahre und die harte Arbeit etwas wunderlich geworden war. Kurz: Er wurde kaum beachtet.
In jener warmen Sommernacht schallte nun markerschütternd der Ruf „Feuer“ durch die verlassenen Straßen. Das Haus des alten Moltredder stand in hellen Flammen. Das Feuer schlug bereits aus den Fenstern des unteren Stockes. Eilig wurde der Spritzenwagen aus der Scheune am Dorfplatz geholt, die Männer und Frauen schafften das Wasser heran, doch das Feuer schien nicht mehr zu stoppen zu sein. Nun flackerte bereits das obere Stockwerk, als plötzlich ein russverschmierter Mann den alten Moltredder an einem der oberen Fenster stehen sah. Die Flammen hatten bereits seine Kleider erfasst, das Haar und das Gesicht, doch der Alte stand völlig unbewegt am Fenster und schien auf seine Nachbarn herunter zu schauen. Dann brach er zusammen und die Flammen stoben so heiß aus dem Fenster, dass die Löschenden zurückweichen mussten. Der Dachstuhl stob mit einem lauten Knall auseinander und aus dem Haus schoss eine weißbrennende Flamme hervor, groß wie das Haus selbst und mindestens drei Mal so hoch. Immer weiter wichen die Helfer zurück, auch die Nebenhäuser standen bereits in Flammen, jedoch war die Hitze der Flammen zu hoch um sich zu nähern.
Das Feuer loderte zwei Tage und drei Nächte. Die umliegenden Straßen wurden komplett zerstört, 19 Häuser und zwei Scheunen und Ställe verschlang das Feuer, das nicht zu löschen war. Und immer noch loderte die riesige, heiße Flamme von da her, wo das Haus des Moltredder gestanden hatte. Wie eine Fackel über einem brennenden See.
Erst einige Tage nach verlöschen der letzten Flamme konnten sich die ersten Männer in die Ruinen wagen. Von der Dorfmitte war nichts mehr übrig. Die Mauerreste ragten wie drohende Finger in den Himmel. Im Zentrum des Brandherdes klaffte ein riesiges Loch in der Erde. Aus den Tiefen dröhnte ein unheimliches Brummen hervor, das mehr zu spüren als zu hören war. Heiße Luft stieg unablässig aus dem Krater hervor und verbreitete Furcht unter den Männern. Ein besonders Mutiger warf einen Stein in das Loch um seine Tiefe feststellen zu können, Doch obwohl die Männer mehrere Minuten in Stille verharrten, hörten sie kein Echo.
Am nächsten Morgen waren die Kinder verschwunden. Ihre Betten, die Decken auf dem Boden oder die Plätze im Heu bei den Nachbarn, für die, die ihr Haus verloren hatten, waren leer. Sie schienen gerade erst verlassen worden zu sein, so als ob die Kinder gerade aufgestanden wären um zum spielen zu gehen. Die Betten und Schlafstätten waren oftmals noch warm. Obwohl sogar das Militär mit Hundertschaften die gesamte Umgebung absuchte, wurde nie ein Kind aus dem Dorf wieder gefunden.
Die letzten noch verbliebenen Einwohner verließen das Dorf, das als verflucht galt so schnell wie möglich und ließen sich so weit wie nur möglich entfernt nieder.

1 Kommentar
Steffen
28. Mar 2008
Alter! Das mit den Kindern hat mir grade nen kalten Schauer über den Rücken gejagt! Wie kommten du immer auf solche Ideen?!?
Achja: Gute Geschichte.