Es ist der Regen. Der Regen hat es letztendlich geschafft. Es ist der graue, kalte Regen, der unaufhörlich in meinem Kopf prasselt, klopft und rumort. Er lässt mich nicht denken. Er lässt mich nicht mehr fühlen, entspannen, frei sein.
Der Regen kam am Tag, in der Sonne. Heimlich stahl er sich in meinen Kopf. Am Anfang war er schwach, kaum ein nieseln, das ich noch wegwischen konnte wie eine lästige Fliege. Doch langsam nahm er sich mehr. In jeden Gedanken stahl er sich ein, säte seine dunkle, kalte Saat, setze mir Schleier vor die Augen. Langsam und beständig, ohne Hast. Ich habe die Veränderung erst langsam bemerkt. Als das Nieseln zum Tröpfeln wurde, glaube ich.
Jetzt ist es schon lange ein Gewitterschauer. Ein Schauer, der nicht mehr aufhören wird.
Ich sehe den wolkenverhangenen Himmel. Ich spüre die Kälte, die von dem Regen in meinem Kopf langsam in meine Gelenke und meine Knochen zieht. Die Kälte, die mich schmerzt und lähmt. Die mich taub und blind macht.
Ich sehe tristes Grau. Schon lange habe ich nichts Anderes mehr gesehen. Der Regen lässt es nicht zu. Ich sehe den zerfetzten Himmel. Ich sehe gebrochene Menschen. Ich sehe die Vögel sterben und die Häuser zusammenbrechen. In der Welt des Regens gibt es keine Schönheit. Seit dem Regen gibt es nur noch grau und kalt. Die Farben hat er schon lange ausgewaschen, das wärmende Feuer weggerissen. Sie sind einfach gestorben und werden nie wieder zurückkommen.
Ich weine manchmal. Der Regen kommt aus meinen Augen.
Der Regen hat emsig gegraben. Schroffe Kanten und spitze Klippen. Tiefe Täler in denen die endgültige Nässe alles zermalmt. Stück für Stück reißt der Regen in einem grausamen Fluss die letzten fühlenden Fetzen von mir in die eiskalte Nässe. Und wenn der letzte Funken Licht in mir verlischt, werde ich im Regen ertrunken sein.

4 Kommentare
Konrad sagt:
17. Aug 2008
Dankeschön!
clarissa sagt:
13. Aug 2008
Ich bin hingerissen!
Konrad sagt:
23. Jul 2008
Es sieht nach Regen aus!
Steffen sagt:
17. Jul 2008
word!