Jetzt bist du wieder hier, endlich!

Seit Monaten habe ich nur gewartet, gebangt, gefleht. Habe dich so vermisst in der Welt, dass ich sie nicht mehr sehen konnte. Bin ziellos gewandert und, erschreckenderweise, doch angekommen. Alles, was mir noch blieb, nachdem dein Schatten verblasst, deine Wärme erkaltet und dein Geruch verwaschen war, war nur dieses eine Bild. Das Schönste von Allen. Ein Bild von dir im magischen Licht vor Sonnenuntergang. Verträumt auf den Klippen, die Haare wogen im Wind und selbst das Glitzern der See wirkt neblig gegen deinen Glanz.

Lange habe ich dich betrachtet, jeden Tag ins kleinste Detail und jeden Tag neu. Dieses eine Bild, mein Halt, erwärmte mein Herz, ließ den Tränen freien Lauf und sie wieder versiegen, machte mich einsam und nicht mehr allein, zeigte mir die unüberwindbare Schlucht und den Weg über sie. Und mit jedem Blick, mit jeder Stunde liebte ich dich immer mehr. Oft sprach ich zu dir, Engel der Klippe, und ließ dich Worte sagen, die hielten, die heilten, dich hier sein ließen, bei mir. Worte aus meiner Seele, mit deiner Stimme aus meinem Kopf gesprochen. Das Bild war ein Meer der Unendlichkeit mit deinem Gesicht. Perfekt, präsent, einfühlsam, stark, schön, der Superlativ. Mein ständiger Schuss Stoff der Sorte „du bist hier“.

Jetzt bist du wieder hier, endlich!

Aber ich liebe dich nicht mehr, weil du nicht dein Bild bist!