Ich bin nun schon länger der festen Ansicht (etwa seit 1993): Pop-Radio-Musik nervt. Im Laufe der Jahre musste ich meine Einstellung jedoch überdenken und sage heute: Pop-Radio-Musik nervt nicht nur – sie kann außerdem lediglich von Kindern und Mitbürgern mit etwas „einfachem“ Geschmack genossen werden. Klingt jetzt etwas hart. Aber es gibt ja zum Glück auch Pop-Ausnahmen, die sich selbst eine Ebene über „Baby, baby, blablabla“ ansiedeln. Dazu gehört meiner Meinung nach die schwedische Indie-Pop Gruppe  „Shout out Louds“.

Sie fallen mit ihrer Musik bei mir persönlich in eine Art Hörnische, die lange Zeit völlig unterbesetzt war: Die der Populärmusik. Was aus dem Lateinischen kommt und soviel bedeutet wie „Musik für das Volk“. Diese hat im Unterschied zu Heavy-Metal, Gangster-Rap oder Death-Punk keine spezielle Zielgruppe, will also möglichst vielen gefallen. Entsprechend wenig Eigenständigkeit und Charisma liegt meist in ihr. Meist heißt das einfache Rezept: Billige Effekte und ein eingängiger Refrain, bei dem man sich nach dem vierten Hören erwürgen möchte. In diesem Genre ist es sehr schwierig die wenigen Perlen herauszupicken, speziell wenn man (aus besagtem Grund) eher selten Radio hört, und wenn, dann die üblichen verdächtigen Sender möglichst vermeidet.

Nun fiel neulich in besagtem Radio der Name „Shout out Louds“ (wohl modern derzeit, diese Art der Namensgebung). Das Lied das da lief hatte einen eingängigen Refrain UND eine tief gehende Melodie UND erzählte eine interessante Geschichte. Und ja, ich achte auf den Text, der kann der englischen Musik eine ganz neue Dimension verleihen – oder sie der totalen Lächerlichkeit preisgeben. Hier tut er ersteres. Die Lieder auf der CD „Work“ haben alle etwas an sich … einen spannenden Kontrast zwischen leichter Lebenslust auf der einen und der tiefen Tragik des Daseins auf der anderen Seite. Der Sänger erinnert mich mit seiner unaufdringlichen, nüchternen Art ein wenig an „a-ha“ (ebenfalls ein Positivbeispiel wie aufrichtiger Pop klingen sollte, und damit meine ich jetzt nicht nur “Take on Me“).

Meine Empfehlung für euch lautet daher: Gebt dem Pop mal wieder eine Chance!

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