Im Büßergewand liege ich nun vor dir, Gewalt.
Hast nichts mehr und nichts weniger gerettet
als meinen Körper, den du mit Martern gezeichnet
und mit Feuern gebrannt hast.
So sehr habe ich den Augenblick herbeigesehnt,
in dem ich dir das letzte Mal gegenüber trete,
und der kalte Wahnsinn fraß mich völlig auf,
weil ich mich auch so vor ihm gefürchtet habe.
In deinen leeren Hallen hab ich gewinselt,
um mein Leben gebettelt, geheult
und nach meiner Mutter und nach Gott gefleht,
und meine eigenen Finger abreißen sehen.
Und fressen und saufen durfte ich nicht,
hab mein eigenes Blut vom Boden geleckt
mich so lange in den dunkelsten Funken Hoffnung gekrallt
bis ich dich mit der Lötlampe kommen sah.
Hast dir nur mein halbes Augenlicht genommen,,
damit ich unter den Blutschleiern gerade noch
dein Grinsen sehen konnte, das immer breiter wurde,
je tiefer du mir ins fette Fleisch geschnitten hast.
Jetzt, Gewalt, wo die Welt nur noch ein dünner Vorhang ist,
weiß ich, dass du gescheitert bist. Und ich zweifle an deiner Autorität,
weil letztendlich doch du es bist,
die mir alle deine Schmerzen wieder nimmt.

2 Kommentare
Steffen
18. Mar 2011
Sehr schön, geht unter die Haut. Und lang :)
Konrad
18. Mar 2011
Dankeschön! Was einem nächtens so alles einfallen kann…