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	<title>endkampfKurzgeschichten &raquo; endkampf</title>
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		<title>The Wishing Tree</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 22:57:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[In a home long forgotten, a wooden stairwell was winding around an oaktree, snow sprinkled and cold. A man was there. He had no name, his boots were of paper and clothes in rags. The city lay dormant, breathing, clashing under a pale white moon. &#160; &#8220;I wished&#8221;, he murmured and kept descending into the creaking hallway. Above the gutted house was the gleam of a single, bitter star. The tree stood in the center, calmly, its branches gently squeaking in the wintery breeze. &#160; And as the man kept spiraling down, he suddenly stopped in his descend. And even though it was piercingly cold, he pulled of one glove, and touched with his naked hand the oaktree&#8217;s rough bark. &#8220;I wished you could see me&#8221;, he said.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In a home long forgotten, a wooden stairwell was winding around an </p>
<p>oaktree, snow sprinkled and cold. A man was there. He had no </p>
<p>name, his boots were of paper and clothes in rags. The city lay </p>
<p>dormant, breathing, clashing under a pale white moon.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#8220;I wished&#8221;, he murmured and kept descending into the creaking</p>
<p>hallway. Above the gutted house was the gleam of a single,</p>
<p>bitter star. The tree stood in the center, calmly, its</p>
<p>branches gently squeaking in the wintery breeze.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>And as the man kept spiraling down, he suddenly stopped in his</p>
<p>descend. And even though it was piercingly cold, he pulled of</p>
<p>one glove, and touched with his naked hand the oaktree&#8217;s rough</p>
<p>bark. &#8220;I wished you could see me&#8221;, he said.</p>
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		<title>Im toten Holz</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 13:40:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die letzte Windung hin zum Kern, zum Salzen der Wunde. Das Klopfen der Tür, Feder der Nacht, durchtränkt in Mondenschein. Ein stummes Wort und blind gesagt, der Herbst verglimmt in feuchter Glut. Und brütend vor Feuern und starrend in Kerzen, die Menschen, freundlich, kalt. Knirschend kriecht nun Schnee hinein. Staubiges Flüstern, die Lampe erlischt und Schattenfinger wachsen. Im toten Holz, mit Bernsteinaugen, ein alter Wolf mit vollem Magen. Die letzte Flocke fällt. Augen rollen unruhig hinter Lidern. Ein trauriges Gebet, der Griff in die Leere, die Hand in der Kälte. Durch&#8217;s Fenster dringt ein Laut, Salz im Mund und Bitternis, er hat ihn geholt. Lautlos, gleitend, beflankt von rabenschwarzen Fingern. Traumgleich, in Schnee, in Blut und Mond getaucht, so tritt er ein. Und spaltet die Nacht mit seinen sommergelben Augen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die letzte Windung hin zum Kern, zum Salzen der Wunde. Das Klopfen der Tür, Feder der Nacht, durchtränkt<br />
in Mondenschein. Ein stummes Wort und blind gesagt, der Herbst verglimmt in feuchter Glut. Und brütend<br />
vor Feuern und starrend in Kerzen, die Menschen, freundlich, kalt. Knirschend kriecht nun Schnee hinein.<br />
Staubiges Flüstern, die Lampe erlischt und Schattenfinger wachsen. Im toten Holz, mit Bernsteinaugen,<br />
ein alter Wolf mit vollem Magen. Die letzte Flocke fällt. Augen rollen unruhig hinter Lidern. Ein<br />
trauriges Gebet, der Griff in die Leere, die Hand in der Kälte. Durch&#8217;s Fenster dringt ein Laut, Salz im<br />
Mund und Bitternis, er hat ihn geholt. Lautlos, gleitend, beflankt von rabenschwarzen Fingern.<br />
Traumgleich, in Schnee, in Blut und Mond getaucht, so tritt er ein. Und spaltet die Nacht mit seinen<br />
sommergelben Augen.</p>
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		<title>Die Vorlesung</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 17:47:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Verschlafen blinzele ich ins gleißende Licht des Overheads. Ich bin hundemüde und das obwohl der leicht untersetzte Prof. sich vorne redlich abmüht. Immer wieder schaukelt er seine nadelbestreifte Körperfülle enthusiastisch durch den Raum in dem Versuch, Dynamik zu suggerieren. Im Grunde finde ich die Vorlesung nicht uninteressant und der bayrische Pfundskerl von Dozent besitzt das Charisma eines hoffnungslos überqualifizierten Fleischwarenfachverkäufers, haha. &#8220;Reiß dich mal zusammen, das ist jetzt wichtig!&#8221; versuche ich mich zu motivieren, glaube es mir aber selbst nicht. Außerdem stimmt mit meinen Augen etwas nicht, ständig verlieren sie den Fokus, schließen sich ungefragt und schweifen ab in sinnlose Gefilde, wie etwa die Decke. Wieso sind da eigentlich so kleine Löcher drin? Belüftung? Modern? Ein Schweizer Architekt? Quod erat demonstrandum. Schneller Blick auf die Uhr: Gottogottogott. Da geschieht es: Der Kugelschreiber meines Sitznachbarn entwindet sich seinem Griff und fällt in den unübersichtlichen, mit Jacken und Rucksäcken zugemüllten Bodenbereich. Wahrscheinlich starke Schweißhände. Oder Gendefekt. Vorwurfsvoll schaue ich ihn an, angle mir den Stift und pfeffere ihn mit aller Macht in die Menge. Jedenfalls denke ich kurz daran. Er bekommt ihn natürlich zurück, man ist ja kein Unmensch. Mit milder Bestürzung bemerke ich nun, dass um mich herum alle Welt fleißig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verschlafen blinzele ich ins gleißende Licht des Overheads. Ich bin hundemüde und das obwohl der leicht untersetzte Prof. sich vorne redlich abmüht. Immer wieder schaukelt er seine nadelbestreifte Körperfülle enthusiastisch durch den Raum in dem Versuch, Dynamik zu suggerieren. Im Grunde finde ich die Vorlesung nicht uninteressant und der bayrische Pfundskerl von Dozent besitzt das Charisma eines hoffnungslos überqualifizierten Fleischwarenfachverkäufers, haha. &#8220;Reiß dich mal zusammen, das ist jetzt wichtig!&#8221; versuche ich mich zu motivieren, glaube es mir aber selbst nicht. Außerdem stimmt mit meinen Augen etwas nicht, ständig verlieren sie den Fokus, schließen sich ungefragt und schweifen ab in sinnlose Gefilde, wie etwa die Decke. Wieso sind da eigentlich so kleine Löcher drin? Belüftung? Modern? Ein Schweizer Architekt? Quod erat demonstrandum. <span id="more-5211"></span></p>
<p>Schneller Blick auf die Uhr: Gottogottogott. Da geschieht es: Der Kugelschreiber meines Sitznachbarn entwindet sich seinem Griff und fällt in den unübersichtlichen, mit Jacken und Rucksäcken zugemüllten Bodenbereich. Wahrscheinlich starke Schweißhände. Oder Gendefekt. Vorwurfsvoll schaue ich ihn an, angle mir den Stift und pfeffere ihn mit aller Macht in die Menge. Jedenfalls denke ich kurz daran. Er bekommt ihn natürlich zurück, man ist ja kein Unmensch. Mit milder Bestürzung bemerke ich nun, dass um mich herum alle Welt fleißig jedes einzelne Wort fein säuberlich zu Protokoll nimmt, teilweise unter Verwendung modernster Computertechnologie, teilweise aber auch nicht. Ich wende mein Caput nach rechts und starte mein eigenes Programm, Codename &#8220;unverschämtes Abschreiben&#8221;. So, das läuft. Selbstzufrieden lehne ich mich zurück.</p>
<p>Da steigt mir schlagartig ein penetranter Geruch in die Nase. Was soll das nun wieder? Und wie riecht das überhaupt und eigentlich? Zwiebeln, denke ich zunächst, aber das ist es nicht. Ausnahmsweise mal keine Zwiebeln. Auch kein Knoblauch, das wüsste ich. Leicht irritiert spüre ich der Quelle nach und fixiere schließlich den total verpickelten Nacken des Kommilitonen in der Reihe unter mir. Tief in diese Betrachtungen versunken, gelingt es mir gerade noch einen überraschenden Brechreiz zu unterdrücken, als die nächste Welle anbrandet. Jetzt hat es mein Nachbar auch gerochen und blickt verunsichert herüber. Ich schüttle leicht verächtlich den Kopf und nicke in Richtung des stoppligen Nackens. Meine Güte, der Kerl trägt ja allen Ernstes ein Mullet. Wie HeMan sieht das aus. Wette verloren vielleicht, naja. Dann hauche ich unauffällig in meine Faust und teste meinen Atem. Das Resultat ist negativ, Erleichterung durchströmt jede Faser meines Körpers. Aber was kann das bloß sein? Jedenfalls folgt es einem parabelförmigen Rhythmus, flaut kurzzeitig ab, nur um dann mit atemberaubender Penetranz zurückzukehren. Das kommt direkt aus dem Magen. Ekelhaft, so ein Schwein.</p>
<p>Verstohlener Blick auf den Chronographen: Gottogottogott. Anschließend erneut freches und unverblümtes Abschreiben vom mutmaßlich raubkopierten Schreibprogramm auf dem Bildschirm nebenan. Erste böse Blicke vom stolzen Besitzer. Mannomann, wie das hier mockert. Wieso merkt das denn niemand? Meine Empörung wächst sekündlich. Ein ausgemachter Skandal ist das! Ignorieren, einfach ignorieren. Luft anhalten, dann spontane Schnappatmung. Mein Nachbar hat derweil sein frenetisches Tippen eingestellt und surft jetzt hartnäckig im Internet, obwohl ich erst die Hälfte abgeschrieben habe. Arschloch! Der Prof. erkundigt sich, ob es zu diesem Thema noch Fragen gibt. Glasig wandert mein Blick durch den gut besetzten Hörsaal. Doch niemand hat eine Frage, noch nicht mal der eine, der immer irgendwas fragt. Plötzlich durchzuckt es mich wie ein Stromschlag. Heureka! Ruckartig und unkontrolliert schnellt mein Finger in die Höhe, der Prof. erteilt mir das Wort und ich rufe voller Inbrunst: „Ranzige Cheese-and-Onion Chips, billiges Rasierwasser und Schweißfüße!“</p>
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		<title>Ich bin die Nacht</title>
		<link>http://endkampf.de/2010/11/16/ich-bin-die-nacht/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Nov 2010 11:45:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[nacht]]></category>

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		<description><![CDATA[﻿Der Tag ist die Sonne. Der Tag ist das Fieber. Der Tag ist mein Feind. Ein Rätsel sind mir seine Kreaturen, ahnungslose Wandler. Selbstvergessen, eingebildet, voll naiver Selbstverständlichkeit an ihre Allmacht, an ihre Herrschaft glaubend. Träumer und Tröster. Narren. Buben allesamt in einem eingebildeten Spiel. Verstrickt in Nonsens und Nichtigkeit, gleich Insekten ohne Instinkt, gehen sie freiwillig ins Netz ihrer bescheidenen Tage. Eitle Züge führend auf ihrem Brett, mattgesetzt von Anfang an. Einem König glaubt ihr, der euch hasst. Zu ihm wollt ihr gehen, der euch und eure Kinder tötet,  der euch mäht wie reifes Korn, Halm um Halm, Generation um Generation. Und dabei glaubt ihr noch, ihr wäret frei. Das seid ihr, doch wer bin ich? Ich bin kein Mensch, nur ein Gesicht. Ein Mann in der Menge, die dunkelste Gasse, die Abwesenheit von Licht. Ihr seht mich, doch erkennt mich nicht. Ich habe das, was ihr gern wärt. Der Zeit entrückt, in Ewigkeit. Das tiefste Schwarz ist mir beschert. Die Wunde scheint durch Tageslicht. Ein Strahl aus Eis, Moment der Qual. Dies Haus ist alt, die Wände grün. Du gehst hinaus, du hast die Wahl. Seid ihr verwelkt, werde ich erblühn. Ich bin die Nacht. Ich wache auf, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>﻿Der Tag ist die Sonne. Der Tag ist das Fieber.<br />
Der Tag ist mein Feind. Ein Rätsel sind mir seine Kreaturen, ahnungslose Wandler. Selbstvergessen, eingebildet, voll naiver Selbstverständlichkeit an ihre Allmacht, an ihre Herrschaft glaubend. Träumer und Tröster. Narren. Buben allesamt in einem eingebildeten Spiel. Verstrickt in Nonsens und Nichtigkeit, gleich Insekten ohne Instinkt, gehen sie freiwillig ins Netz ihrer bescheidenen Tage. Eitle Züge führend auf ihrem Brett, mattgesetzt von Anfang an. Einem König glaubt ihr, der euch hasst. Zu ihm wollt ihr gehen, der euch und eure Kinder tötet,  der euch mäht wie reifes Korn, Halm um Halm, Generation um Generation. Und dabei glaubt ihr noch, ihr wäret frei.</p>
<p>Das seid ihr, doch wer bin ich? Ich bin kein Mensch, nur ein Gesicht. Ein Mann in der Menge, die dunkelste Gasse, die Abwesenheit von Licht. Ihr seht mich, doch erkennt mich nicht. Ich habe das, was ihr gern wärt. Der Zeit entrückt, in Ewigkeit. Das tiefste Schwarz ist mir beschert.</p>
<p>Die Wunde scheint durch Tageslicht. Ein Strahl aus Eis, Moment der Qual. Dies Haus ist alt, die Wände grün. Du gehst hinaus, du hast die Wahl. Seid ihr verwelkt, werde ich erblühn.</p>
<p>Ich bin die Nacht. Ich wache auf, wenn alles schläft. Schwarz ist meine Farbe, gebrochen als grau in allen Tönen der Nacht. Blut ist meine Religion, der Schrei des Raben, gehüllt in Schatten. Bis der blaue Morgen graut.<br />
Nichts Hohes ist das Leben, nichts Besseres der Mensch als leere Hülle, Wurm und Hund. Stolz, Verlangen, was ihr Liebe nennt, sind nichts als Launen der Natur, defekte Gene, Perversion. Aus dem Schlamm seid ihr gekrochen, mutiert und mutiert und mutiert. Habt euer Netz gesponnen, gewimmelt, gelärmt, verschmutzt. Ihr Virus, ihr Seuche, ihr Krankheit der Welt.</p>
<p>Doch ich bin auch hier. Zwischen euch muss ich existieren, im Lärm eurer Hybris, Gestank eurer Würde. Hinter dir werde ich stehen, ohne dass du es weißt. Die Tür zu dir öffnen, lautlos, still. Und deine Fesseln sprengen, auf dass du Erlösung empfängst. Auf dass du die Wahrheit erkennst, auf dass sie dich reinwäscht im kosmischen Licht, dem Schmerz, der Qual, ein Mensch zu sein.</p>
<p>Ich bin nur ein Bote, gefiedert in Blut. Kalt ist mein Körper und fest ist mein Schritt. Mein Lied, das sind Schreie, mein Tempel der Tod. Klaviaturen des Leides, getrommelt auf Schädeln, gerieben auf Rippen, die knöchernen Tasten, sie klingen für mich.</p>
<p>Ich bin die Wurzel, ich bin die Heilung, der ewige Saft.<br />
Ich bin das Feuer und die Welle, die dich verschlingt.<br />
Ich bin der Vogel, der nicht für dich singt.<br />
Ich bin die Blume, die nur Nachts gedeiht.<br />
Ich bin die Angst.<br />
Ich bin die Nacht.</p>
<p>Ich bin die Einsamkeit.</p>
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		<title>Interessenkonflikte</title>
		<link>http://endkampf.de/2010/01/04/interessenkonflikte/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 21:41:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konrad</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Stadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Süden der Stadt erhebt sich der Königsberg. Der Ursprung dieses Namens ist in Vergessenheit geraten. Sicher ist jedoch, dass er eine schamlose Übertreibung für den sanften Hügel ist, der sich an seiner Spitze etwa 150 Meter in die Höhe erhebt. Der Königsberg wird im Osten vom sogenannten spanischen Viertel und im Norden vom neuen Zentrum begrenzt. An seiner südwestlichen Grenze stellt er die Stadtgrenze dar, die allerdings keine Grenze im eigentlichen Sinne darstellt, da der Speckgürtel um die Metropole immer größer wird. Die Stadt wächst!Obwohl der Bezirk Königsberg die drittgrößte Fläche aller Bezirke der Stadt ausmacht, steht er an drittunterster Stelle in Bezug auf die Bevölkerungsdichte. Diese Diskrepanz lässt sich mit der Exklusivität des Königsberg-Viertels erklären. Wer hier lebt, muss zu den oberen Zehntausend gehören, um sich ein Grundstück in diesem vorzüglichen Bezirk leisten zu können. Ärzte, Richter, Filmstars und andere gut betuchte Bürger kaufen sich hier ein Stück Ungestörtheit in der der Stadt. Die Häuser liegen zumeist gut versteckt hinter Hecken und meterhohen Zäunen, nicht selten geschützt durch unsichtbare Alarme, Hunde oder breitschultrige Söldner privater Sicherheitsfirmen. All diese Umstände dürften auch für den in der Stadt sehr populären Spitznamen des Königsberges „Geldhügel“ verantwortlich sein. Georg Strahmann, Geschäftsführer der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://endkampf.de/2010/01/04/interessenkonflikte/die-stadt-cover-4/" rel="attachment wp-att-2895"><img src="http://endkampf.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/Die-Stadt-Cover-500x138.jpg" alt="" title="Die-Stadt-Cover" width="500" height="138" class="aligncenter size-medium wp-image-2895" /></a></p>
<p>Im Süden der Stadt erhebt sich der Königsberg. Der Ursprung dieses Namens ist in Vergessenheit geraten. Sicher ist jedoch, dass er eine schamlose Übertreibung für den sanften Hügel ist, der sich an seiner Spitze etwa 150 Meter in die Höhe erhebt. Der Königsberg wird im Osten vom sogenannten spanischen Viertel und im Norden vom neuen Zentrum begrenzt. An seiner südwestlichen Grenze stellt er die Stadtgrenze dar, die allerdings keine Grenze im eigentlichen Sinne darstellt, da der Speckgürtel um die Metropole immer größer wird. Die Stadt wächst!<span id="more-2894"></span>Obwohl der Bezirk Königsberg die drittgrößte Fläche aller Bezirke der Stadt ausmacht, steht er an drittunterster Stelle in Bezug auf die Bevölkerungsdichte. Diese Diskrepanz lässt sich mit der Exklusivität des Königsberg-Viertels erklären. Wer hier lebt, muss zu den oberen Zehntausend gehören, um sich ein Grundstück in diesem vorzüglichen Bezirk leisten zu können. Ärzte, Richter, Filmstars und andere gut betuchte Bürger kaufen sich hier ein Stück Ungestörtheit in der der Stadt. Die Häuser liegen zumeist gut versteckt hinter Hecken und meterhohen Zäunen, nicht selten geschützt durch unsichtbare Alarme, Hunde oder breitschultrige Söldner privater Sicherheitsfirmen. All diese Umstände dürften auch für den in der Stadt sehr populären Spitznamen des Königsberges „Geldhügel“ verantwortlich sein.</p>
<p>Georg Strahmann, Geschäftsführer der „Dica-Chemie“, eines auf Kunststoff zur Chipherstellung spezialisierten Konzernes vor den Toren der Stadt, konnte nicht schlafen. Seit er allein in dem Haus auf dem Geldhügel wohnte, wollte der Schlaf ihn nicht mehr so schnell umarmen, wie er es bisher gewohnt gewesen war. Seine Frau hatte sich vor 7 Monaten medienwirksam (und nicht ohne ein großes Loch in seine Finanzen zu reißen) von ihm scheiden lassen und Georg vermutete, dass das Miststück ihm doch mehr fehlte, als er es zugeben mochte. Georg stöhnte auf, morgen war ein wichtiges Treffen mit allen Teilhabern der Firma angesetzt. Zwar hatte er keine Angst davor, das konnte er sich in seiner Position schon lange nicht mehr leisten, aber er brauchte seinen Schlaf, wenn er morgen nicht völlig geschafft sein wollte. Er schlug die Decke seines Bettes zurück, warf sie temperamentvoll auf die andere Seite des Bettes (die Seite, die jetzt immer so kalt war) und stand auf. Nachdem er seinen Pyjama übergestreift hatte, schlurfte er in die Küche im Erdgeschoß, kramte die Milch aus dem riesigen Kühlschrank und machte sie sich in der Mikrowelle warm. Strahmann trank Alkohol nur in Maßen und zu gesellschaftlichen Anlässen. Alleine zu trinken war ihm noch nie in den Sinn gekommen und ihn schüttelte es immer wenn er hörte, wie viele seine „Kollegen“ in Führungsetagen ein Problem mit dem Alkoholgenuss hatten.<br />
Er nahm die Milch mit nach oben in sein Schlafzimmer, und trat an das riesige, Stadtamts gelegene Panoramafenster. Während er die Milch aus der großen Tasse schlürfte, blickte er über die Stadt. Es hatte in den letzten Tagen viel geschneit und auch jetzt noch nicht aufgehört. Dicke Flocken fielen träge zum Boden herab, wo sie den üppigen Schneeteppich noch höher werden ließen. Georg genoss die seltsame Stimmung, die Schneelandschaften bei Nacht verströmen und ärgerte sich nicht mehr ganz so stark, dass er keinen Schlaf gefunden hatte.<br />
Der Anblick war überwältigend. Die Bäume, die bis zum Eingangstor neben dem Weg standen, bogen sich unter der Last des Schnees. Der Weg selbst war von dem Rasen nicht mehr zu unterscheiden. Das Weiß ebnete alles ein.<br />
 Georg konnte weit blicken, ließ seinen Blick schweifen. Er konnte das neue Zentrum in fast jeder Einzelheit ausmachen. Der Glaspalast reckte sich, wie immer angestrahlt von starken Scheinwerfern, über alle Dächer hinweg. Doch auch die futuristischen Formen und Vorsprünge waren weiß und aus der Entfernung konnte man meinen, dass ihnen einen Überzug aus Watte aufgesetzt worden war. Der drohend erhobene Zeigefinger der Stadt hatte einen weißen Bart bekommen. Auch der Rest des neuen Zentrums war unter einer dicken Schicht begraben. Die Philharmonie, die Zentrumarkaden und der Hauptbahnhof hatten für einen Moment ihre charakteristische, eckige Form eingebüßt. Wo sonst Glas und neue Fassaden in den Himmel ragten, gab es jetzt nur weiß und schwarz. Strahmann ließ seinen Blick über das spanische Viertel streifen. Hier waren die Häuser niedriger und etwas verwohnter. Doch der Winter hatte auch hier ganze Arbeit geleistet. Optisch waren die Viertel nicht voneinander zu unterscheiden. Genau wie der Rest der Stadt, die sich wie ein weißer, mit Lichtern durchsetzter Teppich vor Georg ausbreitete. Aus tausenden von Schornsteinen stiegen weiße Wolken auf, verloren sich im Himmel. Der Himmel! Georg wurde sich jetzt erst bewusst, was eigentlich mit dem Himmel geschehen war: Das Firmament war gelb. Nicht schwarz, kein wolkenverhangenes grau, sondern ein dunkles gelb, das hier und da bereits zu einem Orange geworden war. Das unwirkliche gelb war sternfrei und zog sich in seiner ungewohnten Farbe so weit hin, wie das Auge ihm zu folgen vermochte.<br />
Georg war das erste Mal seit langer Zeit wieder das staunende Kind, das er schon lange nicht mehr zum Spielen heraus gelassen hatte. Er trat noch näher an die Scheibe heran, seine Nase war nur noch einen Millimeter von ihr entfernt. Die Fenster waren neu, sicher und dicht. Der Chemiechef fühlte kein bisschen Kälte an seiner Haut, obwohl er so dicht an dem dicken Glas stand.<br />
Hätte sich Georg Strahmann damals für Fenster entschieden, die nicht so hochwertig gewesen wären wie sie waren, hätte er vielleicht die Schüsse gehört, die seit einigen Minuten im spanischen Viertel fielen. Er hätte die scharfen, peitschenartigen Explosionen gehört, die die Waffen der Polizei machten. Er hätte sie sogar von den anderen Schüssen unterscheiden können, die allesamt anders klangen. Höher, tiefer, dunkler, zorniger. Wenn er sich angestrengt hätte, hätte er sogar die Schreie hören können, die von beiden Seiten hektisch in die eiskalte Nacht gebrüllt wurden. Schreie verzweifelter Männer, die mitten in der Stadt, in der sie lebten, plötzlich um ihr Leben kämpfen mussten. Ganz sicher aber hätte er das bezeichnende “ratatatatat“ der Kalaschnikow hören können, die ihre totbringende Ladung in die Nacht hinaus pustete.<br />
Doch die Fenster, die Georg in seiner Villa hatte verbauen lassen, waren ihr Geld wert gewesen, er hört rein gar nichts. Und die Häuser der Stadt sorgten dafür, dass Georg nicht einmal die Blaulichter der zahllosen Einsatzfahrzeuge sah, die zu den Kämpfenden eilten.<br />
Georg hatte genug von der verschneiten Stadt. Er trottete ins Bad und hoffte, nach dem Pinkeln wieder in Morpheus‘ Reich zu gleiten. </p>
<p>Hätte er eine Minute länger gewartet, hätte er den Feuerball der Explosion im spanischen Viertel gesehen, der die Stadt wie ein Blitz erhellte und beißenden Rauch verbreitete.<br />
Doch Georg Strahmann  legte sich ins Bett und hatte keine Ahnung von dem apokalyptischen Kampf, der nur 3 Kilometer entfernt tobte.</p>
<p><em>Ende des ersten Teils</em></p>
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		<title>Ein dunkler Ritt</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 19:16:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Stadt]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[dunkler ritt]]></category>
		<category><![CDATA[licht]]></category>
		<category><![CDATA[schatten]]></category>
		<category><![CDATA[schlüssel]]></category>
		<category><![CDATA[strassen]]></category>
		<category><![CDATA[wahrheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn das Licht sich fallenlässt, Seh ich die Straßen kotzen. Der Vorhang der Wahrheit, Verführer zwischen Schatten, Das bist du. Drum dreh die Schlüssel um, Und nimm mich noch mal mit, Auf deinem dunklen Ritt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-2823" href="http://endkampf.de/2009/12/24/weihnacht/die-stadt-cover-3/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2823" title="Die-Stadt-Cover" src="http://endkampf.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/12/Die-Stadt-Cover2-500x138.jpg" alt="" width="500" height="138" /></a></p>
<blockquote><p><em>Wenn das Licht sich fallenlässt,<br />
Seh ich die Straßen kotzen.</em></p>
<p><em>Der Vorhang der Wahrheit,<br />
Verführer zwischen Schatten,<br />
Das bist du.</em></p>
<p><em>Drum dreh die Schlüssel um,<br />
Und nimm mich noch mal mit,<br />
Auf deinem dunklen Ritt.</em></p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>Weihnacht</title>
		<link>http://endkampf.de/2009/12/24/weihnacht/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Dec 2009 20:58:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konrad</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Stadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich blicke über die Stadt und sehe nur Gräber. Ein Rest Leben tropft in klaren Pfützen von finsteren Dächern, und rinnt mit Dreck vermengt dem ewigen Dunkel entgegen. Toter Schnee legt sich wie bleierne Asche über die letzten Bewegungen. Die verbliebenen Farben ringen im Todeskampf, Ergrautes Dunkelrgrün, verwässertes braun, totgeweihte Kameraden. Nebel kriecht eisigen Fingern gleich in jede Ritze, lässt Augen gefrieren, und zuckende Hände für immer erstarren. Und alles, was mich warm hält, ist ein zerbrechlicher Gedanke]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-2823" href="http://endkampf.de/2009/12/24/weihnacht/die-stadt-cover-3/"><img class="aligncenter size-medium wp-image-2823" title="Die-Stadt-Cover" src="http://endkampf.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/12/Die-Stadt-Cover2-500x138.jpg" alt="" width="500" height="138" /></a></p>
<p>Ich blicke über die Stadt und sehe nur Gräber.<br />
Ein Rest Leben tropft in klaren Pfützen von finsteren Dächern,<br />
und rinnt mit Dreck vermengt dem ewigen Dunkel entgegen.<br />
Toter Schnee legt sich wie bleierne Asche über die letzten Bewegungen.<br />
Die verbliebenen Farben ringen im Todeskampf,<br />
Ergrautes Dunkelrgrün, verwässertes braun, totgeweihte Kameraden.<br />
Nebel kriecht eisigen Fingern gleich in jede Ritze, lässt Augen gefrieren,<br />
und zuckende Hände für immer erstarren.</p>
<p>Und alles, was mich warm hält, ist ein zerbrechlicher Gedanke</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Frost</title>
		<link>http://endkampf.de/2009/10/19/frost/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Oct 2009 08:48:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[frost]]></category>
		<category><![CDATA[gewehr]]></category>
		<category><![CDATA[hochsitz]]></category>
		<category><![CDATA[peter]]></category>
		<category><![CDATA[schnee]]></category>
		<category><![CDATA[wald]]></category>
		<category><![CDATA[wolf]]></category>

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		<description><![CDATA[Man schrieb das Jahr 1779. Die Flocken trafen sein Gesicht wie Peitschenhiebe. Dichte Schleier aus Schnee stieben zwischen den Birken hervor, die am Waldrand kauerten. Peter fror, trotz der wattierten Unterwäsche und den dicken Filzstiefeln. Es mochte an seinem Alter liegen, in dem es sich die meisten zu dieser Jahreszeit lieber vor dem Ofen bequem machten. Es war gegen Ende November, als Peter sich mit schweren, bedächtigen Schritten daran machte, die vereisten Stufen des Hochsitzes zu erklimmen, den er vor vielen Jahren selber aus dem Holz einer alten Eiche gezimmert hatte. Es war sehr hartes, kostbares Holz gewesen. Jetzt war es von Sonne und Regen, Wind und Tau, Schnee und Frost gezeichnet. Das Holz hatte vieles von seiner ursprünglichen Stärke verloren. Aber es würde ihn tragen, so wie es ihn immer getragen hatte. Er zurrte den Lederriemen seines Karabiners enger um die Schulter und blickte kurz nach oben. Seine Augen waren von einem wässrigen Blau und so trüb, als ob Nebel darin läge. Ein Arzt hatte ihm einmal erklärt, dass es eine Krankheit wäre und wollte ihn operieren. Er war nicht wieder dort hingegangen. Was er sehen musste, das sah er auch. Graue Wolken zogen tief über den kahlen Wald, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man schrieb das Jahr 1779. Die Flocken trafen sein Gesicht wie Peitschenhiebe. Dichte Schleier aus Schnee stieben zwischen den Birken hervor, die am Waldrand kauerten. Peter fror, trotz der wattierten Unterwäsche und den dicken Filzstiefeln. Es mochte an seinem Alter liegen, in dem es sich die meisten zu dieser Jahreszeit lieber vor dem Ofen bequem machten. Es war gegen Ende November, als Peter sich mit schweren, bedächtigen Schritten daran machte, die vereisten Stufen des Hochsitzes zu erklimmen, den er vor vielen Jahren selber aus dem Holz einer alten Eiche gezimmert hatte. Es war sehr hartes, kostbares Holz gewesen. Jetzt war es von Sonne und Regen, Wind und Tau, Schnee und Frost gezeichnet. Das Holz hatte vieles von seiner ursprünglichen Stärke verloren. Aber es würde ihn tragen, so wie es ihn immer getragen hatte. Er zurrte den Lederriemen seines Karabiners enger um die Schulter und blickte kurz nach oben. Seine Augen waren von einem wässrigen Blau und so trüb, als ob Nebel darin läge. Ein Arzt hatte ihm einmal erklärt, dass es eine Krankheit wäre und wollte ihn operieren. Er war nicht wieder dort hingegangen. Was er sehen musste, das sah er auch. <span id="more-2248"></span></p>
<p>Graue Wolken zogen tief über den kahlen Wald, veränderten sich ständig und spuckten unablässig Schnee. Bevor er seinen Fuß auf die erste, von Raureif bedeckte Stufe setzte, horchte er. Das Horchen war wichtig und Peter horchte stets für einige Minuten in den Wald hinein. Dabei schloss er die Augen und verlangsamte seinen Atem. Er horchte auf das Grunzen von Wildschweinen, das Rascheln eines Rehs im Unterholz oder ein leises Knirschen im Schnee, wenn ein Fuchs davonhuschte. Von den Wölfen war in letzter Zeit nichts mehr zu sehen gewesen. Entweder waren sie weitergezogen oder verhungert, dachte Peter. Vor einigen Jahren war es vorgekommen, dass er auf seinem Hochsitz einen Mann überrascht hatte. Er war bewaffnet gewesen und wilderte offensichtlich in den Wäldern. Damals war es ihm schließlich gelungen, den Wilderer mit einigen Warnschüssen einzuschüchtern und zu vertreiben. Wie eine solche Situation heute enden konnte, wusste Peter genau. Die Zeiten waren härter und entbehrungsreicher und die Wilderer verzweifelter geworden. Und er war jetzt das geworden, was man gemeinhin einen alten Mann nannte. Mit kalten, knotigen Fingern, auf denen bräunliche Altersflecke wuchsen, fuhr er sich durch seinen borstigen Bart und dachte, „mit dem Alter kommt die Schwäche und mit der Schwäche kommt die Angst. Die verdammte Angst.“ Mit einem leisen Schnauben schüttelte er den Gedanken ab und horchte wieder in die helle Fläche aus Schnee, auf denen sich Flecken von Mondlicht spiegelten, wo die Wolkendecke aufgerissen war. Aber er hörte nichts. Da war kein Laut, der nicht der reichen Stimme der Natur entsprang. Nur das Pfeifen des Windes zwischen den Bäumen und das Knarren und Knacken der Äste, die unter ihrer schweren Last ächzten. Ab und zu gab ein morscher Ast nach und brach mit Getöse herab. Dann zuckte der alte Peter zusammen und schloss die Hände fester um den Lauf seiner Büchse, die auch seinen Vater durch diese Wälder begleitet hatte. Wenn das geschah, ärgerte er sich über seine Angst und in den Ärger mischte sich Scham darüber, was aus dem jungen, furchtlosen Peter geworden war. Trotzdem ging er weiter heraus, bei jeder Witterung und jeder Temperatur, was ihm einen Teil seinen Stolzes zurückgab. Der Reif knirschte unter seinen groben, genagelten Schuhsolen, als er den Hochsitz bestieg. Das Holz der alten Eiche hielt seinen Tritten auch in dieser Nacht stand.</p>
<p>Wie Mehl staubte der Schnee zwischen den Fingern seiner wollenen Handschuhe auf, die auf der rutschigen Plattform Halt suchten. Der alte Peter breitete die Arme aus und stützte sich ab. Da spürte er plötzlich einen Widerstand. Hitze stieg durch den Körper, bis in den Kopf hinauf. Es war etwas dort oben, was nicht da sein durfte. Es hatte sich angefühlt wie ein Fell, das konnte er selbst durch die dicken Handschuhe erkennen. Unendlich langsam schob Peter den Kopf über den Rand des schmalen Ansitzes.  Dort war etwas. Im fahlen Licht des Mondes sah er es. Eine Masse aus Haaren, weiß und grau. Zwei gelbe Augen starrten ihn an. In diesem Moment wusste der alte Peter, dass die Geschichten stimmten. Es waren keine Märchen, wie die meisten dachten. Sein Vater hatte es gewusst. Sein Vater. Da fiel alle Angst, fiel alle Schwäche von ihm ab und mit seiner Rechten griff er nach dem Karabiner. Er bewegte sich sehr ruhig und bedächtig, setzte all sein Vertrauen in Gott. Als er im Begriff war, das Gewehr durchzuladen, schob sich über dem Rand der Plattform eine längliche Schnauze hervor, aus deren Lefzen dicke Fäden weißlichen Speichels triefen. Peter ließ den Ladehebel vorsichtig einrasten und verlagerte sein Gewicht nach vorne, so dass er mit dem Brustkorb an der Leiter lehnte. Unter der Belastung schrien seine Knie auf, doch er ignorierte die Schmerzen. Mit größter Vorsicht brachte er das Gewehr in Anschlag, presse den Schaft in seine Schulter. Seine Wange glitt an das Metall der Waffe, das eisig kalt war. Das rechte Auge kniff er zusammen, aus den trüben Nebeln des anderen visierte er über den Lauf der Waffe nach oben. Doch dann ging alles zu schnell für Peter. Aus dem Augenwinkel sah er von links die verschwommenen Konturen einer riesigen Klaue auf ihn zukommen. Dann, ein Brennen im Hals. Er verbrannte. Seine Stiefel rutschten auf den Eichenstufen hin und her. Er fiel. Das letzte, das der alte Peter sah, war roter Schnee, der langsam schmolz.</p>
<p>Als der Tag gegangen war, erinnerte nur eine blassrosa Kontur im Schnee an den Vorfall. Der Neuschnee breitete ein barmherziges Tuch über Peters kaltem Grab aus. Doch er schmolz in der Nacht darauf und im Mondlicht wühlte etwas am Fuße des Hochsitzes. Schatten huschten in die Wälder. Die Tiere verschwanden, flohen tiefer in den Wald. Da erhob er sich wieder. Es war der alte Peter und er brüllte aus vollen Lungen in die Nacht hinein, was als einziges in jeder Faser seines Körpers brannte. Was er als einziges begehrte, riechen, rauschen, schmecken wollte. „Blut!“, brüllte der alte Peter und rannte in zerrissenen Kleidern auf den Waldrand zu.</p>
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		<title>Peter E.</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Oct 2009 10:19:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konrad</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter E., Aktenzeichen PE23X25b, 16.07.2009, 13.22 Uhr: Ich weiß genau, wie ich es machen werde. Das Haus, sie schließt es niemals ab. Niemals, verstehen sie? Die Straße ist dunkel. Ich gehe einfach hinein. Sie rechnet nicht damit, dass ich komme. Warum sollte sie auch? Ich erwische sie, schlage sie zu Boden. Sie wird vor mir liegen, oh ja! Sie wird sich winden und betteln aber genau wissen, dass sie absolut von mir abhängig ist. Ich freue mich schon auf ihre Scheißfresse, wie sie die Augen aufreißt und merkt: Jetzt hat das Blatt sich gewendet. Oh, ich bin auf die Fresse dieser Fotze gespannt wenn sie merkt, dass das hier erst der Anfang war! Zum ersten Mal wird diese Schlampe wirklich wissen, was Angst ist. Sie wird es erkennen und sie wird sich einpissen, so sehr wird sie an ihrem beschissenen, kleinen Leben hängen. Dann, erst dann hole ich das Messer raus. Es ist ein gutes Messer, groß, ich habe die Klinge gewetzt und poliert, ja, ewig nicht geschlafen, Doktor, um sie schön scharf zu kriegen. Ich zeige sie ihr, halte sie dicht vor ihre Fresse. Dann steche ich zu. Was ich treffe, ist mir völlig egal, vielleicht ein Auge, oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Peter E., Aktenzeichen PE23X25b, 16.07.2009, 13.22 Uhr:</strong></p>
<p><em>Ich weiß genau, wie ich es machen werde. Das Haus, sie schließt es niemals ab. Niemals, verstehen sie? Die Straße ist dunkel. Ich gehe einfach hinein. Sie rechnet nicht damit, dass ich komme. Warum sollte sie auch? Ich erwische sie, schlage sie zu Boden. Sie wird vor mir liegen, oh ja! Sie wird sich winden und betteln aber genau wissen, dass sie absolut von mir abhängig ist. <span id="more-2180"></span>Ich freue mich schon auf ihre Scheißfresse, wie sie die Augen aufreißt und merkt: Jetzt hat das Blatt sich gewendet. Oh, ich bin auf die Fresse dieser Fotze gespannt wenn sie merkt, dass das hier erst der Anfang war! Zum ersten Mal wird diese Schlampe wirklich wissen, was Angst ist. Sie wird es erkennen und sie wird sich einpissen, so sehr wird sie an ihrem beschissenen, kleinen Leben hängen.<br />
Dann, erst dann hole ich das Messer raus. Es ist ein gutes Messer, groß, ich habe die Klinge gewetzt und poliert, ja, ewig nicht geschlafen, Doktor, um sie schön scharf zu kriegen. Ich zeige sie ihr, halte sie dicht vor ihre Fresse. Dann steche ich zu. Was ich treffe, ist mir völlig egal, vielleicht ein Auge, oder den Mund. Vielleicht bohrt sich das Messer direkt in ihre Nase, sticht ihr mitten ins Nasenloch, rein in den Schädel. Ich werde ihr das Gesicht zerschneiden! Das Blut wird spritzen. Oh ja, es wird aus der Schlampe herausschießen wie ein verschissener Wasserfall. Ich werde sie aufschlitzen, von der Fotze bis zu den Titten. Ich werde immer wieder zustechen, den Stahl so oft und so heftig in sie rein rammen, wie ich kann! Sie wird schreien wie noch nie ein Mensch geschrien hat. Und ich werde lachen. Nur noch lachen! Ich werde der erleichtertste Mann der Welt sein, wenn ich so lange auf ihr Gesicht eintrete, Bis es nicht mehr zu erkennen ist und ich endlich ihr schwarz verpestetes Gehirn sehe. Sie wird bluten und sterben, bluten und sterben, BLUTEN UND STERBEN, BLUTEN, BLUTEN, BLUTEN…</em></p>
<p>Ich habe es jetzt einigermaßen unter Kontrolle. Die Therapie hat mir sehr gut getan, die Medikamente zeigen ihren Effekt. Im Moment kann ich leben, ohne dass die dunklen Gedanken stündlich bei mir an der Tür klopfen. Ich habe sogar wieder angefangen zu arbeiten, nicht in der gleichen Firma wie früher (vor allem die Kolleginnen fürchteten sich gegen Ende vor mir) und nur für ein paar Stunden am Tag, aber hey, es geht mir ganz gut.<br />
Das ist die Oberfläche, aber mein zweites, schwarzes Herz unter dem Brustbein pulsiert wieder. Es pulsiert immer in mir. Es macht mich konzentriert. Es macht mir Gedanken. Gedanken von Blut und Fleisch, zerschnittenen Backen und scharfen Messern. Die Todesorgie des Pulsschlages. Zu lange haben sich die Schläge schon aufgestaut. Zu lange war ich zu stark.  Der nächste Schlag wird mich vom Thron meines Lebens stoßen, mir die Zügel aus der Hand nehmen. Meine Welt wird dunkelrot werden…<br />
Vielleicht bleibt mir ja noch der Sommer!<!--more--></p>
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		<title>Moonshine</title>
		<link>http://endkampf.de/2009/10/05/moonshine/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 12:51:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[bad]]></category>
		<category><![CDATA[dusche]]></category>
		<category><![CDATA[moonshine]]></category>
		<category><![CDATA[wohnung]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Radio dröhnte Grönemeyer, als er im Werkzeugkasten nach etwas griff. „Wo hattest du denn die Lampe?“ rief er laut ins Nachbarzimmer hinein. Doch sie kam schon damit herein, bevor er den Satz beendet hatte. Beide lächelten sich an. Nicht gezwungen, nicht nervös und nicht gequält. Es war dieses andere, seltenere Lächeln, aus tiefstem, ehrlichstem Herzen. Sie wussten, dass sie es fast geschafft hatten, dass der Umzug bald erledigt war und das Leben weitergehen konnte. Die neue Stadt gemeinsam zu entdecken und zu erobern, darauf freuten sie sich mindestens genauso sehr wie auf die erste Nacht in ihrem neuen Bett, dass sie gemeinsam zusammengeschraubt hatten. Genau wie an den Abenden zuvor setzte die Müdigkeit früh ein. Bei Pizza und Kerzenschein saßen sie sich in der Küche gegenüber, zu ihren Füßen Kisten mit Geschirr, in Zeitungen eingeschlagen. Hinter der Küche, in dem kleinen Innenhof war etwas. Flatternde Geräusche und manchmal ein heißeres Krächzen. Wie von einem Vogel, der stirbt, dachte er und biss in die Pizza, die plötzlich nach nichts mehr schmeckte. Nichts war da gewesen, nichts. Kein sterbender Vogel, kein dunkler Innenhof. Keine fremde Stadt, in der Schatten wuchsen. Schatten, von denen er nichts wusste, bloß ahnte. Dann das erste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Radio dröhnte Grönemeyer, als er im Werkzeugkasten nach etwas griff. „Wo hattest du denn die Lampe?“ rief er laut ins Nachbarzimmer hinein. Doch sie kam schon damit herein, bevor er den Satz beendet hatte. Beide lächelten sich an. Nicht gezwungen, nicht nervös und nicht gequält. Es war dieses andere, seltenere Lächeln, aus tiefstem, ehrlichstem Herzen. Sie wussten, dass sie es fast geschafft hatten, dass der Umzug bald erledigt war und das Leben weitergehen konnte. Die neue Stadt gemeinsam zu entdecken und zu erobern, darauf freuten sie sich mindestens genauso sehr wie auf die erste Nacht in ihrem neuen Bett, dass sie gemeinsam zusammengeschraubt hatten.</p>
<p>Genau wie an den Abenden zuvor setzte die Müdigkeit früh ein. Bei Pizza und Kerzenschein saßen sie sich in der Küche gegenüber, zu ihren Füßen Kisten mit Geschirr, in Zeitungen eingeschlagen. Hinter der Küche, in dem kleinen Innenhof war etwas. Flatternde Geräusche und manchmal ein heißeres Krächzen. Wie von einem Vogel, der stirbt, dachte er und biss in die Pizza, die plötzlich nach nichts mehr schmeckte. Nichts war da gewesen, nichts. Kein sterbender Vogel, kein dunkler Innenhof. Keine fremde Stadt, in der Schatten wuchsen. Schatten, von denen er nichts wusste, bloß ahnte. <span id="more-2166"></span></p>
<p>Dann das erste Mal im gemeinsamen Bett, schwitzend und dumpf. Gier nach Leben und Freiheit war in seinen Augen. Dahinter lag die Angst. Wie ein kleiner Vogel mit gebrochenem Flügel, piepsend in Todesangst.</p>
<p>Ein dumpfes Geräusch wie von einem Hammer weckte ihn spät in der Nacht. Trübes Mondlicht drang grau durch die Fenster in das Schlafzimmer. Mit einem unterdrückten Gähnen erhob er sich aus dem Bett, von dem eine wohlige Wärme ausging. Seine Hand fuhr zu einer Stelle an seinem Hals, die ihm seit einigen Tagen zu schaffen machte. Eine Art von Ausschlag hatte sich dort gebildet, der manchmal  unheimlich juckte. Irgendetwas in der neuen Wohnung, vielleicht das Wasser, vertrug er nicht. Nachdem er sich gekratzt hatte schweiften seine Gedanken zu den zahlreichen Arbeiten an der Wohnung, Fahrten und Erledigungen, die noch zu erledigen waren. Morgen würde wieder ein anstrengender Tag werden. Im Bad zog er sich aus und wollte gerade in die Duschkabine schlüpfen, als er beinahe in einen Haufen Besteck trat, das dort noch zum Trocknen stand, weil die Küche noch nicht fertig war. Beim Wegräumen der Gabeln und Messer zeichneten seine Gedanken ein Bild davon, wie das kleine Badezimmer einmal aussehen sollte. Als er zuletzt noch einen Stapel Teller aus der feuchten Zelle hob, stutzte er plötzlich. In einer Wasserpfütze lag ein kleiner, ausgerissener Zettel. Vorsichtig griff er danach. Da stand etwas geschrieben, doch das Papier war bereits so aufgeweicht, dass die Buchstaben ineinander verlaufen waren. Er rieb sich die müden Augen und blinzelte, um schärfer sehen zu können. Da wurde ihm klar, dass die Worte auf dem Zettel er selbst geschrieben hatte, dass es seine eigene Handschrift war. Mit einem Mal erkannte er die Worte und konnte lesen, was auf dem eingeweichten Stück Papier mit hastiger Hand von ihm selbst geschrieben worden war. Er fing an zu frieren und ein eiskalter Schauer packte ihn im Genick wie der Biss eines Raubtieres. Aus dem Schlafzimmer drang kein Geräusch. Nur ein blasser Lichtschein kroch durch den Spalt unter der Türe herein. Langsam setzte er sich auf den Toilettendeckel und sah noch einmal auf die verschwommenen Buchstaben mit den ausgefranzten Rändern herab.</p>
<p><em>„Sie ist eine andere geworden &#8211; Immer wenn der Mond scheint.“</em></p>
<p>Verwirrt und unbewusst fuhren seine Finger nach oben und kratzen über die gerötete, schrundige Stelle am Hals. Ein schlechtes Gefühl griff sich Raum, breitete sich in seiner Brust aus. Heiße, unheilschwangere Wellen aus Unbehagen und aufkeimender Angst liefen durch Venen, schwappten gegen die Stirn. <em>„Wenn der Mond kommt“</em>, formte er die Worte mit den Lippen. Und während sein Verstand noch in tiefer Verwirrung über den Sinn des Zettels begriffen war, spürte er etwas anderes. Seinen Instinkt. Fast unmerklich übernahm dieser jetzt die Kontrolle. Er war wie eine leise Stimme, eine Ahnung, ein Gefühl in seinem Bauch. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte er, die Zukunft tatsächlich spüren zu können. Graue, verschwommene Ecken wuchsen in den äußeren Rändern seiner Augen und schränkten sein Blickfeld ein. Wie durch einen langen Tunnel sah er die Zeit ablaufen. Dann zuckte er zusammen und starrte gegen die geschlossene Tür. Sein Atem ging flach, als er zum Schlafzimmer herüber horchte.</p>
<p><em>„Sie ist eine andere geworden.“</em></p>
<p>Er hörte das leise Rascheln der Bettdecke, dann das Knarzen des Bettgestells, das ihm ungewöhnlich laut vorkam. Er wollte herübergehen und ihr einen guten Morgen wünschen. Aber sein Körper schien seine Anweisungen zu ignorieren. Zitternd saß er auf dem gepolsterten Klodeckel und wagte nicht sich zu rühren. Seine Hände kneteten den Zettel, falteten ihn und lösten kleine Stücke von dem feuchten Papier. Gedämpfte Schritte waren zu hören, dann wurde die Schlafzimmertür vorsichtig geöffnet. Jeder Muskel, jede Faser und jedes Organ in seinem Körper zog sich zusammen und schien hart zu werden, als zwei dunkle Schatten unter dem Spalt der Tür erschienen. Sie wirkten seltsam groß und gespreizt. Gelähmt und starr klebte sein Blick auf den zwei Schatten der Füße, die das weißliche Licht des Raumes durchbrachen. Von draußen hörte er Atemzüge, die zu dumpf, zu kehlig klangen. Instinktiv ballte er die Fäuste, sein Blick suchte den Raum nach Verstecken ab und er fasste seinen Entschluss. Langsam, ganz langsam erhob er sich und bewegte sich auf die Duschkabine zu. Als er wie  in Zeitlupe den Vorhang zur Seite schob und die Dusche betrat, stieß sein Fuß gegen den Stapel mit Tellern, der mit lautem Scheppern auf den Keramikboden krachte. Blitzschnell fuhr er herum und sah nur noch, dass die Tür schief in den Angeln hing. Dann erst sah er sie. Und in diesem letzten Moment, diesen letzten Sekunden seines Denkens, sah er lange Haare und gelbe Augen, in denen nur Böses war. Er sah einen großgewachsenen, behaarten Körper mit einem braunen Schädel, der sich dicht unter der Decke duckte. Und dann sah er die Zähne.</p>
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