Aus der Traum

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“Sicher nicht, oder willst du, dass hier alles vor die Hunde geht?”.
Und da wusste ich’s. Es war vorbei und nichts mehr zu retten. Aus der Traum. Wie immer stritten mein Gefühl und mein Verstand noch um das, was von ihr noch in mir übrig geblieben war. Weil es auch nichts mehr zu sagen gab, packte ich meine paar Sachen, die noch auf einigen Stühlen und neben dem Bett verteilt lagen und steckte sie in eine von diesen bunten Plastiktüten von Aldi oder Karstadt oder so. Sie hatte sich an den kleinen Ecktisch in der Küche verzogen und tat so als ob sie las während ihr Kaffee kalt wurde.

Wie ist das passiert, frage ich mich. Naja, besser erst mal keine Gedanken machen, das kommt später. Ich geh’ dann noch mal in ihr Bad und steck die zerfranste Zahnbürste in die Arschtasche von meiner Jeans. Jetzt steh’ ich also hier und denke nach was ich noch alles mitnehmen soll. Ich hab’ einfach keinen Platz mehr in der Tüte für das ganze viele Zeug. Ach, ich lasse es einfach hier und komm in paar Wochen noch mal vorbei. Dann kann ich gleich abchecken ob sie nicht doch die ganze Zeit einen andern hatte. Das würd ich gern wissen, aber jetzt ist nicht der beste Zeitpunkt hab ich so im Gefühl. Jetzt steh’ ich hier im Flur und denke, dass es doch ein saublöder Streit war. Aber ich zieh das jetzt durch. Knallhart. So wie ich mich mag. Am besten keine Schwäche zeigen, das bringt nichts. So nen Gefühlsquatsch brauch ich jetzt echt nicht. Darüber sollen sich die Frauen Sorgen machen. Den Flur haben wir damals zusammen neu gestrichen. Nur nicht dran denken. Die Farbe hat mir eh noch nie gefallen. Sie sitzt mit dem Rücken zu mir. Ich glaube sie hat den Kaffee weggeschüttet. Es ist so still wie lange nicht mehr hier. Ich beobachte sie. Ob sie weint? Ich will, dass sie weint aber daraus wird nichts. Nicht mal das kann sie mir noch gönnen. Ich frage mich, was ich noch sagen soll. Am besten ohne mich zu sehr zum Idioten zu machen.

“Tschüss” sage ich.
“Ciao, hast du alles?”
“Ne, ich komm dann noch mal vorbei und hol’ den Rest.”
“Kannst du das nicht schon nachher machen?”
“Nein, keine Zeit, Ciao.”

Hätte sie wohl gerne. Ich bin mir jetzt auf einmal fast ganz sicher, dass sie noch was mit nem anderen hat. Bestimmt die ganze Zeit. Ich komm dir schon noch drauf. Naja, auch egal jetzt. Aber trotzdem. Nicht mit mir, mit mir kann sie das nicht machen. Das hat sie jetzt davon. Soll sie mit meinen Sachen glücklich werden. Erst mal schön was essen.
In dem Asia-Laden läuft die ganze volle Zeit diese blöde Platte von dem Robbie Williams, das nervt gewaltig! Da geh’ ich nie wieder hin. Naja, besser als selber irgendein Rotz kochen, ich kann das einfach nicht und die Rühreier kommen mir schon aus den Ohren raus.
Jetzt krieg ich ne SMS, könnte wetten das ist sie. Und Bingo, ich soll meine Sachen jetzt sofort holen, sonst schmeisst sie alles in den Müll. Ich schreib zurück, dass sie ne Schlampe ist und sich ficken soll. Aber dann lösch’ ich doch alles wieder. Einfach ignorieren. Vielleicht geh’ ich gleich rüber zu Anne, bisschen quatschen und naja. Ne, ich riech mal an meiner Jacke und am T-Shirt und merke, dass alles total nach dem Asia-Fraß stinkt. Erst mal duschen und umziehn also. Vor der Tür liegt ein Brief und ich krieg’ voll den Schreck, aber ich hab nur mal wieder zehntausend Euro gewonnen, wenn ich die liebevoll handbestickten Pferdefellheizdecken innerhalb von zwei Wochen bestelle. Ich werd’s mir überlegen. Oder genau, ich bestell’ die Decke einfach mal auf ihren Namen. Die ist doch eh frigide, da kann sie sowas doch bestimmt gebrauchen.

Unter der Dusche erwische ich mich dabei, wie ich dieses blöde Lied von Robbie Williams singe. Ich kann den einfach nicht leiden. Und genau das sag’ ich diesem Asia-Typen, bevor ich da je wieder hingehe. Der steht da wohl irgendwie drauf. Und dass ich immer stinke wenn ich da gegessen habe sag’ ich ihm auch. Kann doch echt nicht sein, oder?

Das Wasser ist schön warm und ich fühle mich langsam besser. Als ich mir einen runterholen will, klappt das nicht. Ich krieg ihn nicht richtig hoch, weil ich ständig an den Macker von meiner Ex denken muss. Wenn ich den erwische dann klatscht es. Aber keinen Beifall! Mist, ich hab wieder keine Hose gewaschen. Ich ziehe einfach die alte noch mal an und sprüh sie so gründlich mit Deo ein, dass ich fast ersticke. Kappe auf und jetzt aber ab zur Anne.

Da macht keiner auf, also ruf’ ich sie auf ihrem Handy an. Sie sagt mir, dass sie bei meiner Ex ist und mir meine restlichen Sachen mitbringt.
“Vielen Dank, wir sehn uns in der ‘Station’ heute Abend” sage ich und sie legt einfach auf.
Damit ist mein schöner Plan zur Feststellung der eventuellen Identität des Mackers gescheitert. Das finde ich trotzdem noch raus! Dann nochmal nach Hause, dann in die ‘Station’ und Anne auf den Zahn fühlen und was trinken auf den ganzen verfluchten Tag.

Irgendwas klingelt und ich fall’ fast von der Couch runter. Anne ist dran und fragt, wo ich bleibe, und dass sie seit einer Stunde wartet und was eigentlich mit mir los und wie ich meine Ex behandle und blablabla.
“Ich bin eingeschlafen, gut dass du mich weckst, weiss auch net wie das passieren konnte.”
“Kommst du noch oder hab ich jetzt umsonst gewartet.”
“Ne, klar, sicher, ich bin gleich da. Bis gleich!”
Meine Frisur ist im Eimer, also wieder Einsatz für die treue Kappe.

In der ‘Station’ ist ja wohl mal gar nichts los und ich seh Anne mit einem Bier und ein paar Typen, die ich vom Sehen her kenne an der Theke sitzen. Sie bemerkt mich nicht und redet mit denen und neben ihr ist deswegen kein Platz frei. Ich schnappe mir also einen Hocker, platzier’ mich schön indiskret hinter ihr und greif ihr von hinten an ihre kleinen Möpse. Sie zuckt voll zusammen und zappelt rum und labert irgendwas von “Spinnst du, du Arschloch!” und “Du hast ja wohl echt ne Macke” und so weiter. Die Typen gucken mich auch schon blöd an. Idioten, euch kann ich auch nicht leiden, ihr habt doch keine Ahnung. Dann mach ich nen Rückzieher und entschuldige mich erst mal und mach’ auf charmant. Ich sitz hier echt blöd und guck ihr die ganze Zeit auf den Arsch.

“Wollen wir uns nicht besser da hinten hinsetzten?”
“Warum, ich find’s ganz schön hier vorne.”
“Aber ich sitz hier so schlecht! Außerdem muss ich dir noch was wichtiges sagen und da will ich dir in die Augen sehn dabei.”

Ist zwar gelogen, aber irgendwas wichtiges fällt mir bestimmt noch ein.
“Na gut, geh vor ich muss nochmal auf Klo.”
“Ich bestell uns schon mal was.”

Als sie zurückkommt ist mir immer noch nichts guten eingefallen. Ich überlege ob ich sagen soll, dass ich sie liebe. Naja, irgendwie lieb’ ich sie ja auch. Erstmal was trinken, dann geht das besser mit dem erzählen. Die Bedienung ist klein mit dicken Titten und gestreiftem Topp, das zu eng ist. Sie stellt die zwei Bier und zwei Tequila ungeschickt auf den winzigen zerkratzten Tisch zwischen uns.

“Ich trink doch keinen Schnaps, weiß du doch.”
Klar weiss ich’s.
“Zehn Euro.”
“Hier sind zehn. Stimmt so.”
“Du Arsch. Den Schnaps kannste selber trinken.”
“Der ist dir, der war teuer und den trinkste jetzt auch, sonst kriegste nichts mehr von mir ausgegeben. Mit der Zitrone ist das doch auch gar nicht mehr so schlimm.”
“Nö, vergiss es, den trink ich nicht.”
Dann nicht.
“Prost!” Ich trink’ beide und esse beide Zitronen.
“Du spinnst doch echt!”
Jetzt fühl ich mich schon besser.
“Deine Sachen hab ich übrigens zu Hause. Die kannste nachher gleich mitnehmen. Ich hab nämlich echt keinen Bock auf deine Stinksocken!”
“Kannst du die nicht waschen, meine Maschine macht immer so Rostflecken.”
“Du hast echt ne Meise!”
Dann lass ich sie eben so lange bei ihr stehn bis sie es nicht mehr aushält. Hat bei meiner Ex auch immer geklappt. Frauen sind halt alle gleich. Haben alle den gleichen Waschtick. Ich wette, das klappt bei ihr auch.
Ich trinke mein Bier schnell aus und sie nippt nur wiederwillig an ihrem.
“Was hat denn meine Ex so erzählt.”
“Sie hat sich bei mir über dich ausgeheult.”
“Richtig geheult oder wie?”
“Ja, wenn du’s wissen willst, sie hat richtig geweint.”
Wenigstens etwas.
“Und was hat sie so gesagt?”
“Dass du ein riesigen Arschloch bist!”
“Das hat sie aber schon vorher gewusst.”
“Du bist echt’n Arschloch, Mann!”
“Tut mir leid, ist halt schlecht gelaufen. Gott hat’s gegeben, Gott hat’s genommen.”
“Du hast echt kein Schuldgefühle oder? Und deine beknackten Sprüche nerven auch langsam!”
“Spass kostet halt.”

Sie wird einfach nicht fertig mit ihrem Bier.
“Ich geh’ jetzt heim, bin echt müde.”

“Du, Anne?”
“Was denn?”
“Ich liebe dich.”

Aufgewacht. Keine Anne, keine Ex neben mir. Aufgestanden, immer schön mit dem rechten Fuss zuerst, und in ein feuchtes Kondom reingetreten. Schleimig, schwarz und nass. Was macht das hier neben meinem Bett? Erstmal dran gerochen, dann an die Pinnwand. Mal Anne fragen was das soll. Auf dem Weg zum Klo Zettel am Fernseher gefunden.
“Ich muss arbeiten, war schön gestern Abend. Das Ding musst Du aber wegmachen ;o) Küsschen, Anne.”
Gut, das wär damit auch geklärt, das “Ding” kann von der Pinnwand und ab in die Tonne. Vorher nochmal dran gerochen und versucht, Annes Muschi rauszuriechen. Geht nicht, riecht nur nach Gummi und nicht nach Anne. Ist das nicht ein bisschen pervers, an den Dingern zu riechen? Egal, erstmal duschen. Immer noch keine frische Hose da, langsam vermiss’ ich meine Ex. Nochmal an der Hose gerochen, geht schon noch einen Tag. Zwei Hosen in die Maschine gesteckt. Wie war das nochmal mit den Rostflecken?

Dann klingelt jemand unten Sturm, irgendwie denk’ ich dass es meine Eltern sind und krieg’ voll den Schreck. Gegensprechanlage.
“Alter!”
“Hä?”
“Ich bin’s du Penner!”
“Ach so, komm hoch.”

Ist zum Glück nur der Micha. Erst mal einen Kaffee machen.
“Wie siehst du denn aus?”
“Sag’s mir.”
“Hast du mal auf die Uhr geguckt?”
Schon wieder halb sieben, verdammt. Auch egal.
“Willst du Kaffee?”
“Um die Uhrzeit?”
“Du stellst dich an. Was hast du gemacht heute?”
“Arbeiten, wie jeder anständige Mensch!”
“Außer mir oder was?”
“Genau!”
“Ich hol’ dir mal deinen Kaffee.”
“Ich trink’ aber keinen. Hast du nicht en Bier oder so was?”
“Muss ich gucken.”

Ich finde nur uralten Sekt und Rotwein von der Ex. Frauengesöff. Wird Zeit, dass ich mal einkaufen geh’. Morgen dann mal früher aufstehen, am besten gleich den Wecker auf zehn stellen.
“Hier, dein Kaffee.”
“Alter, den kannste jetzt aber selber trinken.”
“Den trinkste jetzt, sonst kriegste nie wieder was von mir.”
“Bist ein Arschloch.”
“Weiss ich doch.”
“Was war eigentlich los gestern, deine Ex hat mich schon zweimal angerufen.”
“Was will sie denn von dir?”
“Wissen, wo du bist.”
“Wo soll ich sein? Die weiss doch wo ich wohne!”
“Wollte wissen, was da los war gestern Abend.”
“Woher weiss die das schon wieder? Kann doch gar net sein!”
“Die Kerstin hats ihr erzählt.”
“Wer ist das denn schon wieder?”
“Die bedient da, weisst schon, die Kleine mit den dicken Titten.”

Genau, die mit dem vielen Trinkgeld. Nächstes mal merk’ ich mir die Freundinnen besser, scheiss Spionage immer.
“Und? War sie jetzt sauer oder was?”
“Ziemlich” sagt er und lacht sich den Ast ab. Solche Freunde braucht echt keiner.
“Ich ruf’ sie gleich mal an, dass sie’s endlich kapiert.”
“Mach das. Ich muss eh weg.”
“Was machsten heut Abend noch?”
“Ins ‘Joy’, bisschen Ladies gucken…”
“Scheissladen, da geh ich nie mehr hin.”
“Wie auch immer, man sieht sich dann.”

Den Kaffee kann ich wegkippen. Was mach ich jetzt, anzurufen traue ich mich doch nicht, das gibt sonst ein schlechtes Gewissen und das belastet einen. Also Anne besuchen.

Fortsetzung folgt …

~ Ende Beitrag und Beginn Konversation ~

 

 

 

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