„Diese kleine Sau! Fred, guck dir das mal an, die hält ganz frech ihre Titten in die Kamera!“ „Scheiße, Mann!“, Fred rollte mit seinem Stuhl direkt neben Julius an den Schreibtisch, beide blickten auf den Bildschirm. Dort stierten sie direkt auf die blanken Brüste einer etwa 25-jährigen Latina, die sich von ihrem Oberteil gerade getrennt hatte. Ihre Figur war nicht die eines hungernden Modells, zwar kurvenreich, aber kein bisschen drall. Sie schien mit ihren üppigen Brüsten, dem flachen Bauch und ihren langen Beinen von einer erotischen Aura umgeben zu sein. Ihr Blick tat sein übriges dazu. Sie legte den Kopf schief und fuhr sich mit beiden Zeigefingern über die Brustwarzen, die wie auf Kommando hart wurden. Langsam leckte sie sich mit der Zunge über ihre rot geschminkten Lippen und zog dann einen Schmollmund. Julius sog hörbar Luft ein, als ihre Hände wie in Zeitlupe tiefer wanderten.
Kim jagte durch die Gänge. Die Türen zu den Laboratorien und Büros flogen an ihm vorbei wie die Landschaft an einem Zugreisenden. Er hatte zu viel Zeit verloren. Van Halldebricks Karte zu bekommen hatte länger gedauert, als er berechnet hatte. Jetzt war das Zeitfenster noch enger geworden, er musste sich echt ranhalten wenn es alles wie geplant laufen sollte.
Er umklammerte den roten Kunststoff der Magnetkarte und legte noch einen Zahn zu. Kim rannte, ja sprang fast, um die nächste Ecke.
Er sah den Mann, der dort mit einem Stapel Aktenordner unterwegs war viel zu spät und prallte mit der Seite genau in die metallverstärkten Ecken der Ordner, geriet ins straucheln, fing sich gerade noch ab und rannte weiter den Gang hinunter, ohne sich umzublicken.
„Pass doch auf, du blödes Arschloch!“ brüllte Ralph Becker dem Penner hinterher, der ihn eben angerempelt hatte. Der Idiot war noch nicht mal stehen geblieben um ihm zu helfen. Aber Becker glaubte, den Typen zu kennen. Er kannte seinen Namen zwar nicht, aber es war einer der Assistenten aus Trakt I. Becker kochte. Nicht nur, dass er heute noch arbeiten musste, während alle anderen schon zu Hause Bier soffen oder ihre Frauen vögelten, nein, jetzt rempelte ihn dieser Arsch auch noch an und verpisste sich. Becker würde direkt am Montagmorgen zu van Halldebrick gehen und sich über diesen Typen beschweren. Was hatte dieser Knilch jetzt eigentlich noch hier verloren?
Becker packte den letzten Ordner und ging in Richtung seines Büros weiter. Was hatte der Penner da überhaupt in der Hand gehabt? Becker hatte es nur kurz aufblitzen sehen, aber es kam ihm so seltsam vertraut vor. Becker dachte nach, doch jedes Mal, wenn er glaubte, die Antwort zu haben, entschlüpfte sie ihm, bevor er sie zu fassen bekam.
Julius hatte das Gefühl, als würde ihm jemand auf den Hals drücken. Das Atmen fiel ihm schwer, ihm war heiß und er blickte wie gebannt auf den Monitor. Die Latina hatte sich breitbeinig auf den Schreibtisch gesetzt, ihr Höschen und die langen Strapse waren die einzigen Kleidungsstücke, dass sie noch trug Ihre Hand war mittlerweile in ihr Höschen gewandert und vollführte dort kleine, kreisende Bewegungen. Julius und Fred stockte der Atem, als die Unbekannte auf dem Schreibtisch die Hand aus dem Höschen nahm und langsam, ganz langsam begann, die letzte, schützende Schicht Stoff von ihrem Körper zu streifen.
Außer Atem und mit wackeligen Knien erreichte Kim die durch ein Magnetschloss gesicherte Tür am Ende des langen Flurs. Doch er gönnte sich keine Verschnaufpause. Sein Blick streifte die Aufschrift an der Tür:
FoLabIII
Zutritt nur für Befugte
Sicherheitsstufe 3
Kim lächelte. Er hatte einen Weg gefunden, sogar die höchste Sicherheitsstufe des Gebäudes zu überwinden und das sehr leicht. Wenn alles klappte. Es gab Zwei Optionen: Entweder, er würde morgen früh für den Rest seines Lebens ausgesorgt haben, oder er würde morgen früh im Knast sitzen. Wahrscheinlich auch für den Rest seines Lebens. Er bemerkte, dass seine Hände anfingen zu zittern.
„Eigentlich kein Wunder“, dachte Kim, schließlich war er dabei, das Ergebnis einer 3-jährigen und rund 800 Millionen Euro teuren Forschungsarbeit zu stehlen. Kim setzte die Magnetkarte am Lesestreifen an.
Becker hatte sein Büro erreicht. Was hatte der Wichser nur in der Hand gehalten? Plötzlich traf ihn die Erkenntnis wie ein Hammerschlag! Die Karte! Die verdammte Karte! Becker stieß die Aktenordner aus seinen Armen und rannte los.
Kim zog die Karte durch den Leseschlitz. Mit einem Piepsen sprang das Licht der LED von rot auf grün und die Tür fuhr lautlos zurück. Sobald die Öffnung breit genug war, zwängte er sich in den Raum, in dem nun automatisch die Lichter angingen und klinische Helligkeit verbreiteten.
Kim sah sich um. Das Labor erinnerte an eine verkleinerte Version einer Bahnhofshalle. Die rechteckige Grundfläche mit den hohen Wänden war überspannt von einem halbkreisförmigen Gewölbe, in dem sich neben der Passivbeleuchtung das Hochspannungsstahlnetz befand, mit dem es möglich war, elektrische Ladungen zu bündeln und in einem Lichttunnel zu kanalisieren.
Im Labor selbst standen ohne erkennbares Muster Schreibtische, Versuchsaufbauten und mannshohe Hi-Tech-Elektronik herum, die alle durch Kilometer von Kabelsträngen verbunden zu sein schienen. Auf einem erhöhten Arbeitsplatz in der Mitte, an dem links und rechts Gitterstufen hinauf führten, stand ein Torso, nicht unähnlich einer Schaufensterpuppe ohne Arme, auf einem Ständer. Darüber spannte sich ein nachtschwarzer Anzug.
Kim hielt mit einem Lächeln direkt darauf zu.
Fluchend rannte Becker den Gang herunter. Letztes Jahr hatte er der Geschäftsleitung nahe gelegt, ein Alarmsystem zu installieren, das die Ausgänge verriegelt und alle Schlösser sperrt. Er wollte Knöpfe in den Gängen, um das System auszulösen. Becker hatte Dank für seinen Vorschlag geerntet und seitdem war nichts passiert. Missbrauchsgefahr, war die kurze Erklärung gewesen. Man vertraute auf die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen und den Wachdienst, der die Eingänge zu den S3 Labors immer im Auge hatte. Und nur der Wachdienst löste Alarm aus.
Becker sah am Ende des Flures das Büro des Sicherheitsdienstes. Hatten diese unterbelichteten Deppen immer noch nicht bemerkt, dass sich ein Unbefugter mit van Halldebricks Karte Zutritt zu Gott weiß was verschaffte? Wenn der GodAccess eine Tür öffnete, hatten diese fettärschigen Donutfresser gefälligst auf den Bildschirm zu sehen!
Beckers Laune fiel ins bodenlose, er stampfte auf das Sicherheitsbüro zu.
Langsam, ganz langsam glitt der Stoff tiefer. Das Höschen hatte sich nur um Millimeter nach unten bewegt. Julius und Fred gafften mit hohlem Blick und offenen Mündern auf das Bild, das sich ihnen so unverhofft bot. Eine feurige Braut, die von ihrer eigenen Geilheit übermannt wurde und es sich direkt selbst machte. Das würde keiner glauben. Die Braut blickte direkt in die Kamera und lutschte an ihrem rechten Zeigefinger. Julius hörte das Blut in seinen Ohren rauschen.
Kim hatte die Kabel aus den Buchsen gezogen und war dabei, den Anzug anzuziehen. Hose und Stiefel trug er bereits, nun kämpfte er mit dem Oberteil. Alles musste genau sitzen, sonst würde alles keinen Sinn machen. Kim musste sich beeilen, jederzeit konnte die Tür verriegelt werden und dann saß er in einer Falle, aus der es keinen Ausweg gab, Anzug hin oder her. Das Oberteil saß. Kim zog sich die Gesichtsmaske über, griff sich die Handschuhe und spurtete die Treppen herunter in Richtung Ausgang.
Sie konnte es nicht mehr herauszögern, Julius war sich sicher, in den nächsten Sekunden musste dieses geile Stück ihr Höschen an den Knien haben und er würde freien Blick haben. Und sie wollte es, er war sich sicher. Sie wollte, dass er sie betrachtete und es machte ihr Spaß. Und ihm würde es auch Spaß machen. Er kroch fast in den Monitor und hörte Fred neben sich laut atmen.
„Ham’ die euch ins Gehirn geschissen oder was?“
Julius zuckte von dem Schrei, der hinter ihm ertönte so zusammen, dass er mit dem Kopf hart gegen die Mattscheibe des Monitors knallte. Fred musste es ähnlich ergehen, er kippte seitwärts von seinem Stuhl und landete unsanft auf dem Boden.
„Ihr Spastiker sollt hier aufpassen und keine Pornos gucken!“
Becker lief zur Hochform auf. Mit hochrotem Kopf hatte er sich in der Tür des Sicherheitsbüros aufgebaut, brüllend und außer sich vor Wut. Er hatte die beiden Hohlköpfe noch nie leiden können, aber heute Abend hatten sie ihr Grab geschaufelt.
„Seid ihr denn völlig wahnsinnig, ihr habt wohl den IQ eures eigenen Hemdes oder was? Wie kann man nur so doof sein, ihr überflüssiger Haufen primitiver Lebensform, geistlose Fleischhaufen!“
„Herr Becker“, stammelte Julius“ wir haben…“
„Iss mir scheißegal, du lochgeiler Neandertaler, der GodAccess wurde gerade benutzt und zwar nicht von Van Halldebrick, also beweg dich und lös den verdammten Alarm aus, bevor ich mich völlig vergesse!“
„Aber…wie..der GodAccess… aber wie…“ Julius blickte zum Monitor herüber. Das Protokoll für den GodAccess blinkte, der Audioalarm war sicher auch losgegangen, aber er hatte es wohl nicht gehört, seltsam…“
„Oh Mann, du hast ne Reaktion wie ’n zugekifftes Faultier, beweg dich endlich!“ Becker brüllte dass die Wände wackelten, Julius wollte sich gerade umdrehen, doch Fred hatte den Knopf schon gedrückt. Ein Signal ertönte, im ganzen Komplex sprangen die Lichter an.
„Endlich!“ stöhnte Becker. „Und jetzt kommt mit ihr Affen, der Typ ist mit Sicherheit im FoLab II, betet für euren fetten Ärsche, dass wir noch rechtzeitig kommen.
Kim hatte den Türöffner betätigt. Langsam fuhr die Tür zurück. Jetzt war kaum noch Eile angebracht, das schlimmste hatte er überstanden.
Er hörte das Signal zu spät. Die Tür surrte wieder zu, schneller, als sie aufgegangen war. Kim reagierte, er sprang, stieß mit dem Becken hart an die Tür. Blitzschnell dreht er sich und stieß sich mit den Armen von der Tür weg. Er zog das rechte Bein nach draußen, doch der linke Fuß steckte noch in der Tür. Hart knallten die beiden Seiten der Tür gegen seinen Knöchel. Der Schmerz durchzuckte ihn und ließ jedes andere Gefühl verschwinden. Kim schrie auf. Unter Aufbietung aller Kräfte versuchte er seinen Fuß frei zu bekommen, doch es gelang ihm nicht. Immer fester und fester drückte die Tür zu.
Julius und Fred hatten ihre Waffen gezogen und folgten Becker, der immer noch jeden Atemzug nutzte, um die Beiden zu beschimpfen. Julius hoffte, dass der Eindringling noch im Labor war, sonst würde Becker ihn vermutlich filetieren. Sie rannten weiter. Plötzlich hörten sie einen Schmerzensschrei, nicht weit entfernt. Der Typ war also noch da. Julius umklammerte die Waffe und sie rannten weiter.
Kim hörte den Alarm, sie würden jeden Moment hier sein, doch er steckte fest. Er stemmte sich mit dem rechten Fuß gegen die Tür und riss mit aller Kraft. Der Fuß kam frei. Kim hörte Schritte, versuchte aufzustehen. Ein gleißender Schmerz überfiel ihn, er konnte kaum auftreten und landete wieder auf dem Boden. Die Schritte kamen immer näher. Becker. Scheiße!
Kim versuchte, auf zu kommen, es gelang ihm unter unerträglichen Schmerzen. Er stand an die Wand gelehnt, als Becker mit zwei Wachleuten um die Flurecke bog.
„Da, das ist er!“ brüllte Becker. „Schießt, schießt ihm in die Beine, los, bevor es zu spät ist!“ Einer der Sicherheitsleute hob die Waffe.
Kim erstarrte. Jetzt gab es nur noch eine Möglichkeit. Er griff an die Gürtelschnalle des Anzuges und drückte. Ein leises Surren, so wie das einer anlaufenden Festplatte, ertönte und Kim spürte ein angenehmes Kribbeln.
Sie kamen um die letzte Ecke. Dort stand ein vermummter Kerl an die Wand gelehnt. Julius erinnerte der nachtschwarze Anzug des Eindringlings an einen James Bond Film.
Becker brüllte schon wieder:
„Da, das ist er, schießt, schießt ihm in die Beine!“ Julius hob zitternd seine Dienstwaffe. Der Typ mit dem schwarzen Anzug griff an seinen Gürtel. Julius zögerte einen Moment. Ein leises Surren ertönte, der Anzug schien plötzlich flüssig zu werden, er verlor an Kontur und Schärfe und eine Sekunde später glotzte Julius in einen völlig verlassenen Flur. Der Eindringling hatte sich in Luft aufgelöst!
Stefania saß auf der kalten Arbeitsplatte eines Schreibtisches und fror. Das war kein Wunder, denn sie war fast nackt. Gerade war sie dabei, ihr Höschen nach unten zu ziehen, so weit wollte sie eigentlich nicht gehen, aber die beiden Trottel sollten um jeden Preis vor ihrem Monitor kleben. Das taten sie zweifellos, Stefania war sich darüber bewusst, dass nicht wenige Ehemänner allein wegen ihrem Körper ihre Frauen verlassen würden.
Wieder blickte sie zu der kleinen Kamera hinauf, die in einer Ecke des Raumes hing und die sie selbst noch etwas mehr auf den Schreibtisch gerichtet hatte. Sie konnte sich Julius und Fred vorstellen, wie ihnen das Testosteron jetzt förmlich aus den Ohren spritzen würde.
Sie blickte direkt in die Kamera, strich ihre langen, braunen Locken zurück und zog einen Schmollmund.
An der gegenüberliegenden hing, für die Kamera nicht zu sehen, eine Uhr. Stefania blickte darauf. Noch drei Minuten, dann würde sie hier rausspazieren und wäre bald reich.
Das Schrillen, das gleichzeitig mit dem Licht ansprang, riss sie aus ihren Überlegungen.
Scheiße, das war zu früh! Etwas war schief gelaufen. Stefania zog sich schnell BH, Hose, Schuhe und den weiten Pulli wieder über und schlüpfte aus dem Büro.
„Kim!“ schoss es ihr durch den Kopf. „Hatte Kim es geschafft?“ Unschlüssig stand sie vor dem Büro. Sollte sie nach Kim sehen, oder abhauen, jetzt, wo sie noch konnte?
„Verdammter Mist!“ fluchte sie und rannte Richtung Aufzug.
Julius konnte es immer noch nicht fassen!
„Was zu Hölle…?“ brachte er hervor, während der die Waffe unmerklich sinken ließ. Er drehte sich um. Auch Fred hatte die Waffe gesenkt und sah aus, als hätte er einen Geist gesehen.
Becker erwachte zuerst aus seiner Starre:
“Los, los, ihr Armleuchter, der Typ steht immer noch da, lasst euch doch nicht blenden! Schieß endlich!“
Julius blickte Becker ins Gesicht und in dem Moment kochte es von einer Sekunde zur anderen in ihm hoch.
„Nein, Becker, sie werden mir jetzt erklären, was hier los ist, ich hab die Schnauze voll von dem Scheiß, eben stand hier einer und jetzt ist der Flur so unberührt wie die Jungfrau Maria, verdammt!“
„Du Penner, wir lassen ihn entkommen, los…!“
Becker wollte sich an Julius vorbei in den Flur drängeln, doch der packte ihn am Kragen und drückte ihn mit aller Kraft gegen die Wand. Das erste Mal an diesem Abend hörte Becker auf zu fluchen.
Fred sprang dazwischen.
„Julius, bist du verrückt, lass ihn los!“
„Mann, der Typ weiß doch was hier los ist, er soll endlich…“
„Julius, lass ihn los!“
„Aber..“
„Julius!“
Julius ließ den Kragen des Wissenschaftlers los. Becker griff sich an die Kehle, doch das erwartete Donnerwetter blieb aus. Ganz im Gegenteil, Becker war erstaunlich sanft:
„Jungs, es ist jetzt keine Zeit, wenn wir den Typen haben, werd’ ich euch alles erklären, aber jetzt dürfen wir keine Zeit verlieren! Er trägt so was wie einen Tarnanzug…“
„Einen Tarnanzug? Wollen sie mich verarschen?“
„Später, er kann noch nicht weit gekommen sein, der Flur ist da vorne zu Ende, alle Türen sind verriegelt, er muss noch im Flur sein. Wir laufen dicht nebeneinander her, strecken die Hände aus, treten gegen die Wand. Er ist noch hier, das verspreche ich euch, wir kriegen ihn! Er sitzt in der Falle! Hier kommt er nicht raus!“
Julius und Fred stellten sich an die Wände, Becker in die Mitte. Langsam setzten sie sich in Bewegung, Julius und Fred traten bei jedem Schritt mit ihren schweren Stiefeln gegen die Wand.
„Und wenn einer von uns auf Widerstand trifft“, rief Becker laut in den Flur „prügeln wir diesem Möchtegern-Spion die Scheiße raus!“
Eva musste vorsichtig sein. Wenn sie jetzt gefasst wurde, hieß das Knast für sie. Ihren Job hatte sie mit ihrer kleinen Gina Wild-Show schon an den Nagel gehängt. Jetzt konnte sie sich noch ihre Freiheit bewahren. Aber wenn Kim es nicht geschafft hatte, sah ihre Zukunft auch nicht gerade rosig aus. Ihr Plan hatte vorgesehen, dass sie es beide schafften, nicht dass einer von ihnen auf der Strecke blieb. Sie musste zu Kim! Sie musste ihm helfen! Eva rannte los.
Kim traute sich nicht zu atmen. In dem Moment, in dem er in das vollkommen perplexe Gesicht des Wachmannes sah, wusste er, das es geklappt hatte. Hinter ihm war eine Sackgasse, vor ihm Becker mit den zwei Wachtypen. Seine Chancen hatten sich nicht gerade verbessert. Der Wachmann drehte sich um und ging auf Becker los. Kim nutzte die winzige Gelegenheit. Er schlich direkt an den Wachleuten und Becker vorbei. Er spürte ihre Körperwärme, so dicht war er. Fast hätte er einen Ellenbogen abbekommen. Sein Fuß bereitete ihm bei jedem Schritt Höllenqualen, doch ein Geräusch und alles wäre vorbei gewesen. Kim quetschte sich in die Ecke, jeden Muskel zum zerreißen gespannt, unfähig, zu atmen. Die drei gruppierten sich, mit dem Rücken zu ihm.
„Und wenn einer von uns auf Widerstand trifft“, rief Becker laut in den Flur „prügeln wir diesem Möchtegern-Spion die Scheiße raus!“, sagte Becker zu den Anderen.
Kim grinste. Die Drei liefen nebeneinander, schattenboxend den Flur entlang. Kim musste über diese Szene lächeln und schlich dann in die Entgegengesetzte Richtung weiter.
Hoffentlich war Eva schon raus, dachte er.
Unter heftigen Schmerzen humpelte er weiter bis zum Aufzug. Die Kabine stand weit offen. Kim trat herein und drückte den Knopf für abwärts. Nichts passierte. Kim zog Van Halldebricks Karte, den GodAccess, hervor und zog ihn durch den Leseschlitz. Der heiße Moment, er wusste nicht, was jetzt passieren würde.
Wieder sprang die LED von rot auf grün und die Türen des Aufzuges schlossen sich. Kim spürte große Erleichterung. Er fuhr nach unten, er hatte im Parkhaus nah neben dem Eingang geparkt. Er würde den Wagen besteigen, los fahren und wäre morgen auf dem Weg nach sonst wo. Es wurde auch Zeit, in der Maskenbrille war eine kleine Anzeige angebracht. Der Akku des Anzuges in den Stiefeln war wohl nicht voll gewesen und würde es nicht mehr lange machen.
Eva rannte weiter, in dem Flur vor ihr flog eine Tür auf. Ihr Herz setzte mehrere Schläge aus, als sie die Wachleute sah, die in den Flur strömten. Der Alarm! Wenn der Alarm ausgelöst war, galt aller Schutz den Forschungsstätten, alle diensthabenden Wachleute strömten jetzt nach hier unten. Aber viel zu früh, wie waren die so schnell her gekommen? Scheiße, sie hätte abhauen sollen, dachte Eva. Zu ihrer Überraschung sah sie Van Halldebrick hinter einem der Wachleute. Die Beule, die seine Stirn zierte war beachtlich groß.
„Scheiße, ich hab nicht fest genug zugeschlagen, sonst würde der Penner noch von seiner letzten Thailand-Reise träumen!“ dachte Eva.
Die Latina legte eine Vollbremsung hin und rannte in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war.
„Das ist die kleine Fotze, los!“ Das war Van Halldebricks Stimme gewesen. Eva spürte eine Gänsehaut und rannte noch schneller.
„Halt, bleiben sie sofort stehen!“ rief eine Männerstimme hinter ihr. Eva dachte nicht daran. Sie jagte um die nächste Ecke.
Der Schuss knallte ohrenbetäubend. Aus den Augenwinkeln nahm Eva wahr, wie Teile der Flurecke wegspritzten!
„Die schießen auf mich!“ War der einzige, naive Gedanke, den sie in dem Moment denken konnte, „die können doch nicht einfach auf mich schießen!“
Julius hasste seinen Abend. Sie waren bis zum Ende des Flures gekommen und hatten nichts entdeckt. Jetzt waren sie in anderer Richtung unterwegs. Sie waren auf der Suche nach der Tittenmaus aus dem Büro. Fred hatte Becker klar machen wollen, dass sie keineswegs einen Porno gesehen hatten und ihm von ihr erzählt. Jetzt mussten sie die Tusse nur noch finden. Nackt, hoffte Julius insgeheim.
Langsam kam der Aufzug zum stehen. „Parkhaus“ leuchtete von der Anzeige über der Tür. Kim hatte gewonnen. Er lächelte. Jetzt hatte er das Schwierigste geschafft, er war zumindest raus aus der Forschungsabteilung.
Die Lifttür schwang auf. Kims Gedanken wichen sofort nackter Panik, als er in die Läufe von zwei Pistolen blickte, die genau auf ihn gerichtet waren.
Kim erstarrte. Zwei Leute der Sicherheitsfirma standen in der geöffneten Aufzugstür und hielten ihre zweifellos durchgeladenen Waffen schussbereit in die Kabine. Die Anzeige im Anzug begann in diesem Moment zu blinken, doch noch konnten die Akkus die Tarnung des Anzuges aufrechterhalten. Die Wachmänner ließen ihre Waffen sinken.
„Mmh“, sagte der eine von ihnen, „ich hätte wetten können, dass der Typ hier drin ist!“
Kim hatte sich in die Ecke der Kabine gequetscht, sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
Die Wachmänner traten ein und drehten sich mit dem Rücken zu ihm. Kim fasste einen Entschluss. Er würde alles auf eine Karte setzen, die Überraschung war auf seiner Seite.
Kim holte aus und schlug dem einen Wachmann so hart er konnte die Handkante an den Hals. Zu seiner eigenen Überraschung sank der Wachmann sofort zusammen. Sein Kollege drehte sich und schaute ungläubig auf den am Boden liegenden.
„Was machst du…alles klar… was soll…“
Weiter kam er nicht. Mit weit aufgerissenem Mund musste er zusehen, wie sich die Waffe, die auf dem Boden lag, in die Mitte des Raumes erhob und sich genau auf seinen Kopf richtete.
„Dummes Gefühl, was?“ sagte eine Stimme, die aus dem Nichts zu kommen schien. Der Wachmann wich zurück, die Waffe folgte ihm.
Eva rannte weiter. Gleich würden ihre Verfolger hinter der Ecke auftauchen und freies Schussfeld auf sie haben. Sie rannte weiter, auf den Aufzug zu. Hinter ihr ertönte höhnisches Gelächter.
„Das ist dein Ende, du Schlampe, jetzt gibt es kein Entrinnen mehr!“
Eva hatte Todesangst, sie rannte weiter. Plötzlich hörte sie den Schuss krachen!
BAMM!
Kim hatte abgedrückt. Seine Ohren klingelten, der Schuss war durch die kleine Kabine immens laut gewesen. Der Hinterkopf des Wachmannes war jetzt an der Wand verteilt. Kim nahm auch seine die Waffe an sich und das blutbespritzte Magazin aus dem Gürtel des Toten. Die Anzeige des Anzuges blinkte immer hektische, jetzt blieben ihm nur noch ein paar Minuten und er hatte noch keine Ahnung, wie er aus dieser Nummer wieder raus kommen sollte.
Der Aufzug stoppte und mit einem leisen „Bing“ öffnete sich die Tür. Kim blickte in den Gang.
Eva kam auf die Tür zu gehetzt. Die Wachmänner waren hinter ihr her, einer legte gerade auf sie an. Bevor Kim auch nur die Chance hatte, zu reagieren, explodierten mehrere Schüsse durch den Flur. Kim warf sich zu Seite, mehr aus Reflex als aus Überlegung.
Er sprang, so gut es möglich war, in Deckung. Er hatte es gerade so geschafft, als Eva in den Aufzug gestürzt kam.
Von mehreren Schüssen getroffen fiel sie, den Kopf voran, in die Kabine, rutschte noch ein Stück weiter und blieb dann regungslos liegen. Ihre weit aufgerissenen Augen blickten direkt auf Kim, er hatte das Gefühl, als würde sie ihn direkt ansehen. Zorn und Verzweiflung kochten in ihm hoch.
Ihm war alles egal. Eva war verloren. Doch er würde sie rächen. Jeder, der in diesem Gebäude auch nur einen Schuss abgegeben hatte, sollte sterben. Das war sein Feldzug, das war für Eva, er war der Racheengel, der Vollstrecker.
Kim stand auf und stellte sich breitbeinig über Evas Leiche. Langsam hob er die erbeuteten Waffen und zielte auf van Halldebrick und seine lächerliche Bande, die nur noch ein paar Meter von der Ewigkeit getrennt waren. Alle Angst, jede Form von Schwäche war aus Kim gewichen. Er war der Krieger, der Rächer, der Unerbittliche. Er atmete tief ein.
Das hektische Blinken im Display hörte auf, ein leises Surren ertönte. In der geöffneten Aufzugstür erschien aus dem Nichts ein Mann, der zu den verdutzten Männern am anderen Ende des Ganges blickte.
Kim schoss, zielte, schoss, zielte, schoss. Er spürte kein Bedauern, ganz im Gegenteil, bei jedem Gegner, der fiel, fühlte er sich ein Stück kompletter, zufriedener. Kugeln pfiffen, Waffen knallten, Glas splitterte, Menschen schrieen.
Er traf van Halldebrick in den Kopf, dieser ging zu Boden, tot. Kim ging langsam nach vorne, ruhigen Schrittes. Viele Kugeln hatte er nicht mehr, aber gleich würde er sich von den Wichsern am Boden Nachschub holen. Noch ein paar Schritte und er würde sich den Weg aus dieser verdammten Anlage frei schießen, er würde sich frei schießen.
Kim hatte den Wachmann nicht bemerkt, der hinter ihm aus einer Tür getreten war. Er hörte nur noch den Knall des Schusses als seine Lebenslinie auf null ging. Er lag auf dem Boden, seitlich, konnte in den Gang blicken, war aber unfähig, sich zu rühren. Hektische Anzeigen flimmerten über die Anzeige des Anzuges, so schnell, dass Kim sie kaum verfolgen konnte. Plötzlich kam die Anzeige zur Ruhe, die Worte wurden langsamer
NEUSTART L3.5
LADE
LADE MAP „FORSCHUNGSLABOR“
LADE
ERFOLGREICH
LADE ZWISCHENSEQUENZ
ERFOLGREICH
STARTE ZWISCHENSEQUENZ LEVEL 3.5
„Diese kleine Sau! Fred, guck dir das mal an, die hält ganz frech ihre Titten in die Kamera!“ „Scheiße, Mann!“, Fred rollte mit seinem Stuhl direkt neben Julius an den Schreibtisch, beide blickten auf den Bildschirm. Dort stierten sie direkt auf die blanken Brüste einer etwa 25-jährigen…
„Auf ein neues“, dachte Kim, „irgendwann muss ich dieses Scheißlevel doch schaffen!“
Ende

2 Kommentare
Konrad sagt:
1. Aug 2008
Aber gerne doch! Enjoy it!
Mona sagt:
1. Aug 2008
Sehr geil :) danke fuer den Text, der hat mir soeben meinen Arbeitstag gerettet…