Ein dunkler Ritt

Wenn das Licht sich fallenlässt,
Seh ich die Straßen kotzen.

Der Vorhang der Wahrheit,
Verführer zwischen Schatten,
Das bist du.

Drum dreh die Schlüssel um,
Und nimm mich noch mal mit,
Auf deinem dunklen Ritt.

SW

Weihnacht

Ich blicke über die Stadt und sehe nur Gräber.
Ein Rest Leben tropft in klaren Pfützen von finsteren Dächern,
und rinnt mit Dreck vermengt dem ewigen Dunkel entgegen.
Toter Schnee legt sich wie bleierne Asche über die letzten Bewegungen.
Die verbliebenen Farben ringen im Todeskampf,
Ergrautes Dunkelrgrün, verwässertes braun, totgeweihte Kameraden.
Nebel kriecht eisigen Fingern gleich in jede Ritze, lässt Augen gefrieren,
und zuckende Hände für immer erstarren.

Und alles, was mich warm hält, ist ein zerbrechlicher Gedanke.

KN

Interessenkonflikte

Im Süden der Stadt erhebt sich der Königsberg. Der Ursprung dieses Namens ist in Vergessenheit geraten. Sicher ist jedoch, dass er eine schamlose Übertreibung für den sanften Hügel ist, der sich an seiner Spitze etwa 150 Meter in die Höhe erhebt. Der Königsberg wird im Osten vom sogenannten spanischen Viertel und im Norden vom neuen Zentrum begrenzt. An seiner südwestlichen Grenze stellt er die Stadtgrenze dar, die allerdings keine Grenze im eigentlichen Sinne darstellt, da der Speckgürtel um die Metropole immer größer wird. Die Stadt wächst!Obwohl der Bezirk Königsberg die drittgrößte Fläche aller Bezirke der Stadt ausmacht, steht er an drittunterster Stelle in Bezug auf die Bevölkerungsdichte. Diese Diskrepanz lässt sich mit der Exklusivität des Königsberg-Viertels erklären. Wer hier lebt, muss zu den oberen Zehntausend gehören, um sich ein Grundstück in diesem vorzüglichen Bezirk leisten zu können. Ärzte, Richter, Filmstars und andere gut betuchte Bürger kaufen sich hier ein Stück Ungestörtheit in der der Stadt. Die Häuser liegen zumeist gut versteckt hinter Hecken und meterhohen Zäunen, nicht selten geschützt durch unsichtbare Alarme, Hunde oder breitschultrige Söldner privater Sicherheitsfirmen. All diese Umstände dürften auch für den in der Stadt sehr populären Spitznamen des Königsberges „Geldhügel“ verantwortlich sein.

Georg Strahmann, Geschäftsführer der „Dica-Chemie“, eines auf Kunststoff zur Chipherstellung spezialisierten Konzernes vor den Toren der Stadt, konnte nicht schlafen. Seit er allein in dem Haus auf dem Geldhügel wohnte, wollte der Schlaf ihn nicht mehr so schnell umarmen, wie er es bisher gewohnt gewesen war. Seine Frau hatte sich vor 7 Monaten medienwirksam (und nicht ohne ein großes Loch in seine Finanzen zu reißen) von ihm scheiden lassen und Georg vermutete, dass das Miststück ihm doch mehr fehlte, als er es zugeben mochte. Georg stöhnte auf, morgen war ein wichtiges Treffen mit allen Teilhabern der Firma angesetzt. Zwar hatte er keine Angst davor, das konnte er sich in seiner Position schon lange nicht mehr leisten, aber er brauchte seinen Schlaf, wenn er morgen nicht völlig geschafft sein wollte. Er schlug die Decke seines Bettes zurück, warf sie temperamentvoll auf die andere Seite des Bettes (die Seite, die jetzt immer so kalt war) und stand auf. Nachdem er seinen Pyjama übergestreift hatte, schlurfte er in die Küche im Erdgeschoß, kramte die Milch aus dem riesigen Kühlschrank und machte sie sich in der Mikrowelle warm. Strahmann trank Alkohol nur in Maßen und zu gesellschaftlichen Anlässen. Alleine zu trinken war ihm noch nie in den Sinn gekommen und ihn schüttelte es immer wenn er hörte, wie viele seine „Kollegen“ in Führungsetagen ein Problem mit dem Alkoholgenuss hatten.
Er nahm die Milch mit nach oben in sein Schlafzimmer, und trat an das riesige, Stadtamts gelegene Panoramafenster. Während er die Milch aus der großen Tasse schlürfte, blickte er über die Stadt. Es hatte in den letzten Tagen viel geschneit und auch jetzt noch nicht aufgehört. Dicke Flocken fielen träge zum Boden herab, wo sie den üppigen Schneeteppich noch höher werden ließen. Georg genoss die seltsame Stimmung, die Schneelandschaften bei Nacht verströmen und ärgerte sich nicht mehr ganz so stark, dass er keinen Schlaf gefunden hatte.
Der Anblick war überwältigend. Die Bäume, die bis zum Eingangstor neben dem Weg standen, bogen sich unter der Last des Schnees. Der Weg selbst war von dem Rasen nicht mehr zu unterscheiden. Das Weiß ebnete alles ein.
Georg konnte weit blicken, ließ seinen Blick schweifen. Er konnte das neue Zentrum in fast jeder Einzelheit ausmachen. Der Glaspalast reckte sich, wie immer angestrahlt von starken Scheinwerfern, über alle Dächer hinweg. Doch auch die futuristischen Formen und Vorsprünge waren weiß und aus der Entfernung konnte man meinen, dass ihnen einen Überzug aus Watte aufgesetzt worden war. Der drohend erhobene Zeigefinger der Stadt hatte einen weißen Bart bekommen. Auch der Rest des neuen Zentrums war unter einer dicken Schicht begraben. Die Philharmonie, die Zentrumarkaden und der Hauptbahnhof hatten für einen Moment ihre charakteristische, eckige Form eingebüßt. Wo sonst Glas und neue Fassaden in den Himmel ragten, gab es jetzt nur weiß und schwarz. Strahmann ließ seinen Blick über das spanische Viertel streifen. Hier waren die Häuser niedriger und etwas verwohnter. Doch der Winter hatte auch hier ganze Arbeit geleistet. Optisch waren die Viertel nicht voneinander zu unterscheiden. Genau wie der Rest der Stadt, die sich wie ein weißer, mit Lichtern durchsetzter Teppich vor Georg ausbreitete. Aus tausenden von Schornsteinen stiegen weiße Wolken auf, verloren sich im Himmel. Der Himmel! Georg wurde sich jetzt erst bewusst, was eigentlich mit dem Himmel geschehen war: Das Firmament war gelb. Nicht schwarz, kein wolkenverhangenes grau, sondern ein dunkles gelb, das hier und da bereits zu einem Orange geworden war. Das unwirkliche gelb war sternfrei und zog sich in seiner ungewohnten Farbe so weit hin, wie das Auge ihm zu folgen vermochte.
Georg war das erste Mal seit langer Zeit wieder das staunende Kind, das er schon lange nicht mehr zum Spielen heraus gelassen hatte. Er trat noch näher an die Scheibe heran, seine Nase war nur noch einen Millimeter von ihr entfernt. Die Fenster waren neu, sicher und dicht. Der Chemiechef fühlte kein bisschen Kälte an seiner Haut, obwohl er so dicht an dem dicken Glas stand.
Hätte sich Georg Strahmann damals für Fenster entschieden, die nicht so hochwertig gewesen wären wie sie waren, hätte er vielleicht die Schüsse gehört, die seit einigen Minuten im spanischen Viertel fielen. Er hätte die scharfen, peitschenartigen Explosionen gehört, die die Waffen der Polizei machten. Er hätte sie sogar von den anderen Schüssen unterscheiden können, die allesamt anders klangen. Höher, tiefer, dunkler, zorniger. Wenn er sich angestrengt hätte, hätte er sogar die Schreie hören können, die von beiden Seiten hektisch in die eiskalte Nacht gebrüllt wurden. Schreie verzweifelter Männer, die mitten in der Stadt, in der sie lebten, plötzlich um ihr Leben kämpfen mussten. Ganz sicher aber hätte er das bezeichnende “ratatatatat“ der Kalaschnikow hören können, die ihre totbringende Ladung in die Nacht hinaus pustete.
Doch die Fenster, die Georg in seiner Villa hatte verbauen lassen, waren ihr Geld wert gewesen, er hört rein gar nichts. Und die Häuser der Stadt sorgten dafür, dass Georg nicht einmal die Blaulichter der zahllosen Einsatzfahrzeuge sah, die zu den Kämpfenden eilten.
Georg hatte genug von der verschneiten Stadt. Er trottete ins Bad und hoffte, nach dem Pinkeln wieder in Morpheus‘ Reich zu gleiten.

Hätte er eine Minute länger gewartet, hätte er den Feuerball der Explosion im spanischen Viertel gesehen, der die Stadt wie ein Blitz erhellte und beißenden Rauch verbreitete.
Doch Georg Strahmann legte sich ins Bett und hatte keine Ahnung von dem apokalyptischen Kampf, der nur 3 Kilometer entfernt tobte.

Ende des ersten Teils

KN

Interessenkonflikte (2)

Jones fühlte sich blendend. In der Tat hatte er schon lange nicht mehr so gute Laune, solch ein Hochgefühl wie heute erlebt. Hätte er gewusst, dass dieser Tag der letzte in seinem Leben werden sollte, wäre das sicherlich anders gewesen. Doch in dieser Beziehung unterschied Jones nichts vom Großen Rest der Menschheit: Über den Zeitpunkt seines (gewaltsamen) Todes wusste er rein gar nichts.
Ganz im Gegenteil, er hatte soeben den Immobilienteil der Zeitung ausgelesen und trug sich mit dem Gedanken, im Sommer in ein besseres Viertel der Stadt zu ziehen. Der Stadtteil Weißenweide, in dem er nun bereits seit fast zehn Jahren wohnte, gefiel ihm zwar immer noch recht gut, doch gab es andere Bezirke, die ihn mehr lockten. Wie der Großteil der Stadtbewohner träumte er natürlich davon, eines Tages ein Grundstück auf dem Geldhügel zu besitzen, doch war er realistisch genug um zu wissen, dass ihm das nicht vergönnt sein würde. Nicht einmal, wenn er steile Karriere machte und sich zum Polizeichef hochdienen würde, läge sein Gehalt annähernd an der Summe die man auf dem Königsberg allein an Miete zu zahlen hatte. Außerdem wollte Jones im Zentrum der Stadt bleiben. Er liebte ihr Pulsieren, ihr Leben und dass die Metropole niemals zu schlafen schien.
Jones beendete sein Frühstück (mittlerweile war es draußen dunkel geworden) und tänzelte, beschwingt von Lady Gagas Pokerface ins Bad. Er hatte lange geschlafen und fühlte sich wie neugeboren. Schon als er die Augen aufgeschlagen hatte wusste er, dass es heute sein Tag werden würde. Er fühlte sich kein bisschen müde, war fröhlich und mit der ganzen Welt versöhnt. Heute würde ihm die sonst eher verhasste Nachtschicht nichts anhaben können, das spürte er. Er war der Fels in der Brandung, und, verdammt, er war heute der unerschütterlichste Felsen, den die Erde jemals ausgespuckt hatte. Jones schaute auf die Uhr über dem Spiegel. Kurz nach 18 Uhr. Er würde sich also heute im Bad extrem viel Zeit lassen können. Dieser Umstand hob seine Laune noch einmal um ein paar Zentimeter mehr nach oben. Jones setzte ausgedehntes Duschen fast mit einem freien Tag gleich. Er betrachtete sich im Spiegel. Sein schwarzes, raspel kurz geschnittenes Haar sah aus wie immer (einer der Hauptgründe, warum er diese Frisur trug), obwohl Jones vor einigen Wochen bemerkt hatte, dass die Geheimratsecken sich immer mehr Land seines Kopfes erkämpften. Jones nahm freudig wahr, dass der Pickel, der sich in den letzten Tagen an seiner Lippe gebildet hatte, fast verschwunden war. Sein kantiges Kinn und der Hals waren von schwarzen Bartstoppeln bedeckt. Seine stahlblauen Augen blickten ihn ruhig und ohne irgendwelche hässlichen Ränder aus dem Spiegel heraus an.
„Na, du geiles Stück, bereit für einen Hammertag?“ fragte er das Spiegelbild, das ihm natürlich nicht antwortete. Mit einem Knopfdruck schaltete er das Radio im Bad ein und hörte noch die letzten Takte von Pokerface. Jones seifte sich ein, ließ den Schaum einwirken während er sich gründlich die Zähne putzte. Dann rasierte er sich gründlich, bedacht darauf, sich nicht zu schneiden aber auch keine Stelle auszulassen. Bartstoppeln an einer Stelle im Gesicht sahen aus, als ob man sich erst seit gestern rasieren müsste, fand Jones. Das Radio verkündete soeben, dass in der Nacht mit weiteren Schneefällen in der Stadt gerechnet werden müsse, die Temperaturen könnten dabei die -10°-Marke knacken. Jones war froh, für die heutige Nacht die schweren Stiefel zu haben. Es konnte empfindlich kalt und zugig werden, wenn man sich für das falsche Schuhwerk entschied.
Jones ließ die Boxershorts zu Boden fallen, zog sich das T-Shirt über den Kopf und betrat die Dusche. Die Gottwerdungsprozedur begann.
Zuerst wusch er sich die Haare. Er massierte das Shampoo über die Haare und die Kopfhaut und seifte bei dieser Gelegenheit auch gleich das Gesicht und die Achseln ein. Die Achseln wusch er sich immer besonders gründlich. Jones hasste Schweißgeruch. Er wusch sich den Schaum des Haarwaschmittels (Schauma, wie schon seit Jahren) aus, beobachtete, wie dicke, weißblasige Flüsse an seinem muskulösen Bauch herunter rannen und griff sofort wieder nach der dunkelblauen Flasche. Jones seifte sich erneut den Kopf ein, ließ Gesicht und Achseln aber diese mal aus. Das war ein Fall für „Axe fresh regeneration“, wonach er jetzt griff. Jones verwendete viel Zeit für das Einseifen des Gesichtes und der Arme, kümmerte sich dann um Rücken, Schultern und den Bauch. Nachdem er mehrmals durch seine Pofalte (da, wo die Sonne niemals scheint, dachte er) gefahren war, bedeckte er seinen Hodensack und seinen Penis unter einer dicken Schaumschicht, bevor er auch den Beinen die gleiche Behandlung angedeihen ließ. Jones griff nach dem Gilette, der in der Dusche bereit lag und rasierte sich die Geschlechtsteile. Zwar hatte er im Moment keine Partnerin, man konnte aber nie wissen, fand er.
Nachdem der Schaumberg, der einmal ein Mann gewesen war, seine Rasur beendet hatte wusch er sich lange ab, bis er sicher war, das kein Rest Seife an seinem Körper verblieben war. Er legte die Hände in den Nacken (normalerweise bat er immer die Anderen, das zu tun. Nicht selten mit einer Waffe in der Hand) und ließ sich die warmen Wasserstrahlen ins Gesicht brausen. Dann stellte er die Dusche schlagartig auf kalt. Als sich die letzte Wärme aus dem Duschwasser verflüchtigt hatte (noch zwei Grad kälter und es wären sicher Eisspitzen aus dem Duschkopf geschossen), zählte er bis zwanzig, drehte die Dusche dann aus und trat aus der Kabine heraus ins Bad, in dem es mittlerweile neblig geworden war.
„Hier schreitet der Gott der absoluten Frische!“ rief er in den leeren Raum.
Er trocknete sich ab, schlang sich das Handtuch anschließend um die Hüften und blickte wieder in den Spiegel. Das Gesicht war immer noch das Selbe wie zuvor. Nur rasiert und etwas geröteter. Jones cremte sich ein, schnitt sich die Fuß- und Fingernägel, deorierte sich großzügig ein und beseitigte das in den Ohren verbliebene Wasser mit Wattestäbchen. Anschließend zog er sich eine frisch Shorts und ein weißes, sauberes Shirt an.
Schließlich ging er zurück ins Schlafzimmer. Dort öffnete er die rechte (die dienstliche) Tür des Kleiderschranks, in dem fünf identische, penibel gebügelte Uniformen an der Stange hingen.
„Was nehm ich denn nur, was nehm ich denn nur?“ fragte er seinen Schrank, grinste und griff dann die ganz links Hängende.
Jones zog sich den dicken, dunkelblauen Pullover mit Rollkragen über, schlüpfte in die dicke Hose mit den seitlich aufgenähten Taschen, entschied sich für gestrickte Socken und zog den breiten Gürtel durch die Schlaufen der Hose. Schließlich schlüpfte er in die Stiefel, die er gestern neben die Heizung gestellt hatte, schnürte sie fest (aber nicht zu fest, das staute das Blut, ließ die Füße eiskalt und taub werden und schmerzte) und schlug dann die Hose um, so dass sie genau über den Stiefeln eine Falte bildeten.
Er öffnete eine kleine Schublade und holte das Abzeichen hervor. Das etwa brieftaschengroße, auf Leder befestigte goldene Emblem, das entfernt an eine Schild erinnerte, war eine Besonderheit der Polizei der Stadt und wurde nur hier getragen. Im ganzen Land wurden diese Marken unweigerlich mit Polizei, mit Uniform und Gerechtigkeit in Verbindung gebracht, obwohl sie nur die Polizisten hier in der Stadt tragen durften. Drei Worte standen im Zentrum der Marke: Ius, Ordinatio, Securitas. Recht, Ordnung und Sicherheit. Am unteren, spitz zulaufenden Rand prangte eine goldene 54, Zeichen des 54. Polizeibezirkes, dem Jones zurzeit angehörte. Er schnallte die Marke an den extra dafür im Gürtel befindlichen Clip, wo sie ihn den ganzen Tag über als Angehörigen der Polizei der Stadt ausweisen würde. Jones trug dieses Zeichen sehr gerne und immer mit Stolz und einem Anflug von Ehrerbietigkeit. Das Emblem schien ihm zu sagen:“ Du bist Polizist in der Stadt. Es gibt bessere und einfachere Jobs, aber das hier ist kein Job sondern dein Leben!“
Nachdem er seine Sachen für die Schicht gepackt hatte, Radio und Heizung ausgedreht und sich die dicke, sowohl kugelsichere als auch gegen Messerstiche schützende Einsatzjacke übergestreift hatte, verließ er das Haus und machte sich auf den Weg zur U-Bahn. Hoch erhobenen Hauptes schritt er (der Gott der absoluten Frische), durchströmt von guter Laune, durch die verschneiten Straßen von Weißenweide, deren Stadtreinigung wohl dem Schnee nicht mehr Herr wurde.

Er bemerkte die beiden Lieferwagen mit polnischem Kennzeichen nicht, die sich, beladen bis unter das Dach, neben ihm durch den Schneematsch der Straße quälten. Die Insassen hatten den Bullen allerdings schon von weitem bemerkt. Die Hand des Beifahrers des hinteren Wagens ruhte auf einer entsicherten Sig Sauer P22. Doch da sich der Bulle einen Scheiß um sie kümmerte (wahrscheinlich war er auf dem Heimweg und knallte in Gedanken schon sein hässliches Bullenweib) fuhren die beiden Wagen mit unvermindertem Tempo weiter. Die Hand löste sich von den Plastikhartschalen des Pistolengriffes und hinterließ eine Spur aus kaltem Schweiß, die sich aber schnell auflöste.

Um 20.30 Uhr stieg der 36 jährige Kommissar Hendrik Jonas, genannt Jones, zu seiner letzten Fahrt in die U8 Richtung Hermsdorfer Allee.

Ende des zweiten Teils

KN