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	<title>endkampf &#187; Geschichten</title>
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		<title>Das Fossil &#8211; Teil 3</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 22:12:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[fossil]]></category>
		<category><![CDATA[herr denker]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; „Dina&#8221; &#160; Am nächsten Tag, 16.41 Uhr Als Herr Denker aufwachte, wusste er zuerst nicht wo er war. Doch er lag in seinem eigenen Bett. Von draußen fiel schummriges Licht in das Schlafzimmer. Es dämmerte schon. Oder gerade &#8211; er war sich nicht sicher. Vorsichtig richtete er sich auf, um auf die Uhr zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-1587" title="Das Fossil / Teil 3" src="http://endkampf.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/01/fossil_teil3.jpg" alt="Das Fossil / Teil 3" width="487" height="399" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h1>„Dina&#8221;</h1>
<p>&nbsp;</p>
<p><em></em><em></em><em>Am nächsten Tag, 16.41 Uhr</em></p>
<p>Als Herr Denker aufwachte, wusste er zuerst nicht wo er war. Doch er lag in seinem eigenen Bett. Von draußen fiel schummriges Licht in das Schlafzimmer. Es dämmerte schon. Oder gerade &#8211; er war sich nicht sicher. Vorsichtig richtete er sich auf, um auf die Uhr zu sehen. Dabei spürte er plötzlich Übelkeit in sich aufsteigen. Auch sein Kopf begann zu rasen. Die Schmerzen kamen so heftig und überraschend, dass Denker sich in seiner Haltung völlig verkrampfte. Grelle Lichtblitze explodierten in seinem Kopf und alles um ihn herum wurde in ein schmerzhaftes, gleißendes Weiß getaucht. Eine Form schien sich aus der unendlich hellen Masse zu lösen. Dunkle Flecken entstanden und verschmolzen langsam miteinander, bis sie eine träge, schwarz-schimmernde Masse bildeten. Denker versuchte seine Augen zu öffnen und die nächste Welle aus Schmerzen strömte durch sein Gehirn. Die Intensität des Weiß&#8217; verdoppelte sich und wurde unerträglich. Er schrie seine Schmerzen heraus, aus voller Seele und Leibeskraft. Die nächste Welle schmerzender Helligkeit schoss heran und riss Stücke aus dem dunklen Fleck. Was übrig blieb, sah aus wie ein Gesicht. Doch nicht das eines Menschen, sondern völlig entstellt, mit tiefen Wunden und den Augen eines Tieres. Denker konnte jetzt keinen klaren Gedanken mehr fassen. Todesangst stieg in ihm auf. Eine kleine, eiskalte Hand berührte seine Schulter und er schrie auf. Etwas rüttelte an ihm. Vor Panik bebend riss er die Augen auf und sah das Gesicht seiner Frau vor sich. Fast sofort ließen die Schmerzen nach und Denker atmete auf vor Erleichterung. „Schatz? Was ist denn?&#8221;, begann sie mit sanfter Stimme zu sprechen, in der ein Unterton von Besorgnis lag. Sie rüttelte ihn noch einmal an der Schulter. „Ich bin es, Dina. Du hast im Schlaf geschrien.&#8221; Denker, der mittlerweile halbwegs zu sich gekommen war, schloss seine Frau in die Arme und drückte sie fest an sich. Überrascht erwiderte Dina die Zärtlichkeit und flüsterte „was in aller Welt hast du geträumt, Viktor?&#8221;</p>
<p><span id="more-1586"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>18.05 Uhr</em></p>
<p>Viktor Denker blickte auf die Tasse Kamillentee, die ihm seine Frau hingestellt hatte, ohne ihn zu fragen, ob er welchen wollte. Dina war eigentlich nicht der Typ Frau, die sich ständig um das Wohl ihres Mannes sorgte und ihn besonders verwöhnte. Sie war wie Denker berufstätig und verdiente mit ihrer Arbeit als leitende Angestellte eines Chemiekonzerns sogar mehr Geld als Viktor. Doch jetzt zeigten sich einige Sorgenfalten in ihrem makellosen, von schulterlangem schwarzem Haar umrahmten Gesicht. Denker nippte an seinem Tee.</p>
<p>„Und du bist sicher, dass ich gestern Abend einfach eingeschlafen bin?&#8221;, fragte er und versuchte die Verunsicherung in seiner Stimme so gut wie möglich zu verbergen. Dina, die am Fenster stand, drehte sich zu ihrem Mann. „Ja, du hast geschlafen. Wie ein Baby. Und zwar auf dem Boden, direkt an der Heizung, unter der Fensterbank.&#8221; Denker setzte die Tasse wieder ab. Der Tee war noch zu heiß zum Trinken. „Wahrscheinlich hat mich der Stress einfach umgehauen. Die letzten Wochen waren doch ziemlich stressig, für uns beide.&#8221; Doch er wusste, dass das nicht stimmte. Während er da saß und das dunkle Holz des alten Esstisches anstarrte, hatte er Angst. Angst davor, seine Augen zu schließen und das Gesicht wieder zu sehen. Ein tiefes Verlangen, seiner Frau von seinen schrecklichen Erlebnissen zu berichten, regte sich in ihm. Die Worte drehten sich in seinem Kopf und wollten heraus. Aber er konnte es nicht. Dina würde ihm nicht glauben. Es war einfach zu verrückt. Er selbst hätte es ja nicht geglaubt, wenn es ihm jemand erzählt hätte. Und selbst wenn seine Frau ihm glaubte, was wäre das Ergebnis? Sie würde an seinem Verstand zweifeln oder ihn für verrückt halten. Nein, er musste es verschweigen, unter allen Umständen. „Da ist noch etwas, Schatz&#8221;, begann Dina.</p>
<p>Denker erwachte aus seiner Lethargie und sah fragend zu ihr auf. „Warum hast du dich eigentlich im Schlafzimmer eingeschlossen?&#8221; Denker stutzte. Er hatte sich nicht eingeschlossen. Jedenfalls wusste er davon nichts mehr. Seltsam, denn an den Rest des Abends, seine schlechte Laune und das anschließende Grauen konnte er sich schmerzhaft genau erinnern. Warum hätte er abschließen sollen? Aber wenigstens erklärte das, warum es an der Tür geklopft hatte. „Ach, der Türschnapper ist ausgeleiert und die Katze kam dauernd rein. Da habe ich eben abschlossen&#8221;, log er. „Du bist einfach etwas überspannt. Am besten nimmst du dir ein paar Tage frei&#8221; meinte Dina und widmete sich wieder der bilderlosen Fachzeitschrift, die aufgeschlagen vor ihr auf dem Tisch lag. „Ich komme schon klar&#8221; wollte Denker antworten, als ihm etwas auffiel. Etwas seltsames, das er sich nicht sofort erklären konnte.</p>
<p>Er sah seine Frau an, die in der Zeitschrift blätterte. Irgendetwas stimmte hier nicht. Angenommen, er hatte sich tatsächlich eingeschlossen, ohne sich daran zu erinnern. Es war zwar ungewöhnlich, in Anbetracht seines Zustandes zu der Zeit aber durchaus möglich. Doch wie hatte Dina die Tür dann von außen aufschließen können? Das hätte sie nur gekonnt, wenn er den Schlüssel auf seiner Seite der Tür abgezogen hätte. Aber das ergab keinen Sinn. Er schloss sich niemals ein, nicht einmal auf der Toilette. Und selbst wenn er es dieses Mal im Wahn getan hatte, war er sich sicher, dass er den Schlüssel niemals aus dem Schloss gezogen und weggelegt hätte. Warum auch? Er richtete seinen Blick wieder auf das gegenüberliegende Ende des Tisches und betrachtete seine Frau. Sie sah gut aus, wie immer. Nichts an ihr erschien ihm ungewöhnlich oder anders. Dennoch hatte sie etwas an sich, das ihn zutiefst beunruhigte. Ein vages Gefühl beschlich ihn und etwas begann unter seiner Haut zu jucken. Er schob es auf seine Verwirrung und die schrecklichen Visionen, die er im Schlaf gehabt hatte und die sein Denkvermögen offenbar immer noch beeinträchtigten. Er sah auf den Kalender an der Küchenwand. Es war Sonntag. Denker nahm sich vor, den nächsten Tag freizunehmen und zum Arzt zu gehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>22.21 Uhr</em></p>
<p>Den Rest des Abends hatte Denker damit verbracht, alleine vor dem Fernseher zu sitzen. Tief in die Kissen gesunken saß er einfach nur da, die Katze schnurrte neben ihm. Als er sich aus dem Sofa erhob, hatte er bereits vergessen, was er sich angesehen hatte. Gänzlich unbewusst hatte er währenddessen damit begonnen, die Schrecken zu relativieren und zu verdrängen, die ihm widerfahren waren. Jetzt fühlte er sich nur noch leer und verbraucht. Dina schlief bereits und er beschloss sich noch zu duschen, bevor auch er zu Bett ging. Müde schlurfte er in das blau gekachelte Badezimmer und drehte das heiße Wasser auf. Denkers Augen starrten ins Nichts und sein Körper entspannte sich, als das Wasser warm und wohltuend über seinen Körper strömte. Vor dem großen Spiegel trocknete er sich ab. „Wie neu geboren&#8221;, sagte er zufrieden zu seinem Spiegelbild und wandte sich zur Tür.</p>
<p>Da sah er etwas Seltsames im Augenwinkel. Denker stutzte und ging noch einmal zu dem  Spiegel zurück. Irgendetwas stimmte nicht mit seinem Rücken. Er verdrehte seinen Körper, um besser sehen zu können. Er sah eine kleine gerötete Stelle, die sich ungefähr in der Höhe seiner rechten Schulter, direkt neben der Wirbelsäule befand. Weißes Narbengewebe hatte sich darauf gebildet. Denker langte mit dem linken Arm danach, um die Stelle zu berühren, als sie unvermittelt und heftig zu jucken begann. Instinktiv kratzte er darüber und da spürte er es. Etwas erwiderte seinen Druck. Denker schwanden die Sinne und eine rote Welle aus grauenhafter Panik lief über ihn hinweg. Was da von innen gegen seine Haut drückte waren die Fingernägel einer winzigen Hand.</p>
<p><span style="color: #ff0000;"><em>Fortsetzung folgt &#8230;</em></span></p>
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		<title>Das Fossil &#8211; Teil 2</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jan 2009 19:43:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[fossil]]></category>
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		<description><![CDATA[„Der Mund&#8221; 29. November, 19.59 Uhr „Schatz, wo bleibst du denn? Komm schon, wir sind spät dran!&#8221; klang die Stimme seiner Frau dumpf von unten. „Verdammt&#8221;, murmelte Denker. Er drehte sich vom Fenster weg und sah auf seine Armbanduhr. „Seltsam&#8221;, dachte er. Er hätte schwören können, nur einige Sekunden hier gestanden zu haben, doch die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-1540" title="Das Fossil / Teil 2" src="http://endkampf.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/01/fossil_teil2.jpg" alt="Das Fossil / Teil 2" width="487" height="399" /></p>
<h1>„Der Mund&#8221;</h1>
<p><em></em></p>
<p style="text-align: left;"><em></em><em></em><em>29. November, 19.59 Uhr</em></p>
<p style="text-align: left;">„Schatz, wo bleibst du denn? Komm schon, wir sind spät dran!&#8221; klang die Stimme seiner Frau dumpf von unten. „Verdammt&#8221;, murmelte Denker. Er drehte sich vom Fenster weg und sah auf seine Armbanduhr. „Seltsam&#8221;, dachte er. Er hätte schwören können, nur einige Sekunden hier gestanden zu haben, doch die Uhr zeigte bereits eine Minute vor acht. Hatte er wirklich fast eine halbe Stunde hier gestanden und in die Dunkelheit gestarrt? „Unsinn&#8221;, sagte er zu sich selbst. Er musste nachgedacht haben. Das alles wurde langsam so viel, dass man schon mal die Zeit vergessen konnte.  Dennoch fand er es merkwürdig, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, worüber er so lange nachgedacht haben könnte. Er sah noch einmal in die kalte, schwarze Nacht hinaus. Die fahlen Nebelschwaden schlangen sich um die Stämme der Kastanien, krochen an ihnen nach oben. Es gab keinen Mond und keine Sterne. Dann wusste er es. Zwar erinnerte er sich immer noch an nichts, doch mit jeder Sekunde, die er in&#8217;s Dunkel sah, wuchs seine Gewissheit. Und sie machte ihm Angst. Schreckliche Angst. Kalte Schauer überliefen ihn, als er sich die Wahrheit eingestand: Er hatte in dieser halben Stunde vor dem kohleschwarzen Fenster gestanden und beschlossen, zu sterben.</p>
<p><span id="more-1539"></span></p>
<p>Doch es war nicht sein Verstand gewesen, der diese Entscheidung getroffen hatte. Nur so machte es Sinn. Nein, etwas anderes in ihm musste es gewesen sein. War es womöglich seine Seele selbst, deren Qualen er über so viele Jahre ignoriert und verdrängt hatte und die sich jetzt selbst dem Tod anbot, der hinter dem Fenster in der Dunkelheit lauerte? Immer noch stand er vor dem Fenster, starrte in die Finsternis, ohne etwas zu fokussieren. Er fühlte sich unglaublich leicht und hatte immer noch eine Gänsehaut. Alles fühlte sich taub an, als wäre er fremd in seinem eigenen Körper. Oder, sagte sich Denker, ist mir nicht mein Körper fremd geworden, sondern etwas ist darin hinzugekommen. Etwas, das mir fremd ist und mich wie bewusstlos vor mich hinstarren lässt. Etwas, das mich umbringen will.</p>
<p>Als er bemerkte, dass er angefangen hatte zu schwitzen, fuhr Denker sich über die Stirn. Der Schweiß war klebrig und kalt. „Verdammt&#8221;, sagte er mit rauer, krächzender Stimme zu seinem blassen Spiegelbild. „Krieg dich wieder ein!&#8221; Plötzlich hörte er Geräusche vor der Tür und sein Körper versteifte sich. Frischer Schweiß trat aus allen Poren, rann unter seinen Armen herab und verfärbte seinen Hemdkragen dunkelblau. Jetzt sah er den Schatten unter dem Türspalt und nie geahnte Panik ergriff Besitz von seinem Körper. Mit aller Kraft löste er die Verkrampfung seiner Hände, stürzte nach vorn und rüttelte mit zitternden Händen am Griff des Fensters. Bevor es aufsprang sah er für den Bruchteil einer Sekunde sein Spiegelbild. Doch es war nicht sein Gesicht. Etwas anderes starrte ihn an, durch die dunkle Scheibe. Denkers Gedanken rasten jetzt wie wild, er hatte jede Kontrolle verloren. „Nein!&#8221; hörte er sich selbst schreien und alles in ihm sträubte sich mit Gewalt gegen das, was er dort sah. Ein unglaublich starker Fluchtreflex bemächtigte sich seiner Gedanken, doch er konnte seinen Blick nicht lösen.</p>
<p>Es waren die Augen eines Tieres, gelb und lauernd. Reglos lagen sie in ihren Höhlen, die länglichen Pupillen starr auf ihn gerichtet. Die Wangen waren eingefallen, das blasse Gesicht ausgezehrt und übersät mit offenen Stellen, an denen rotes Fleisch frei lag. Die Kopfhaut war voller kahler Stellen, die verbliebenen Haare klebten in der Stirn, gebündelt zu filzigen Strähnen. Denker spürte förmlich, wie der Wahnsinn seine Hände nach ihm ausstreckte, als er den Mund des Wesens erblickte. Die Lippen waren völlig deformiert und nur noch Wülste aus verfaultem Fleisch. Durch sie waren, offenbar mit Gewalt, dicke Fäden gezogen worden, auf denen Eiter und Blut glänzte. Während er vor dem Fenster stand, erstarrt und nicht in der Lage, sich zu bewegen, schoss ihm jetzt ein Gedanke durch den Kopf. Ein Gedanke von solch ungetrübter Klarheit, dass er seine Verwirrung für einen kurzen Moment durchbrechen konnte: „Ich bin verrückt geworden&#8221; sagte er und hörte seine Stimme wie von einem weit entfernten, fremden Ort.</p>
<p>Eine Hand drückte der Türgriff von außen herunter und eine neue Welle der Panik schlug über Denker zusammen. Plötzlich hatte er wieder ein Gefühl für seinen Körper und machte einen Schritt auf das offene Fenster zu. Wieder rüttelte die Hand am Türgriff, diesmal fester. Dann ein lautes Klopfen und eine Stimme, die er nicht zuordnen konnte. Sie klang tief und gewalttätig. Er machte sich bereit, zu springen. Für einen kurzen Moment blitzte das Bild der roten Backsteine in seinem Kopf auf, mit denen er die Einfahrt letzten Sommer gepflastert hatte. Im Augenwinkel nahm er eine Bewegung wahr. Er wollte es nicht, doch sein Blick wurde wieder auf das grässliche Gesicht im Fenster gelenkt, das eigentlich sein Spiegelbild sein musste. Es bewegte sich. Wand sich hin und her, die Augen rollten in ihren Höhlen, schmerzverzerrt. Dann ein leiser Knall, als der erste Faden zerriss. Die Lippen platzten auf und Rinnsale aus dickflüssigem Blut ergossen sich über das Kinn, als auch die übrigen Fäden nachgaben und aufrissen. Das Wesen hatte seine Augen jetzt wieder auf Denker gerichtet, der mit Grauen ansah, wie sich die Kiefer langsam öffneten und den Blick auf zwei weiße Reihen langer, nadelspitzer Zähne freigaben. Aus weiter Ferne hörte er, wie ein Schlüssel einrastete und umgedreht wurde. Das Wesen sprach mit leiser, zischender Stimme, in der Heimtücke lag: „Das, mein Freund, ist erst der Anfang.&#8221; Dann öffnete sich die Tür und Denker verlor das Bewusstsein.</p>
<p><span style="color: #ff0000;"><em>Fortsetzung folgt &#8230;</em></span></p>
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		<title>Das Fossil</title>
		<link>http://endkampf.de/2009/01/19/das-fossil/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Jan 2009 14:43:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[fossil]]></category>
		<category><![CDATA[herr denker]]></category>

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		<description><![CDATA[Die folgenden Vorkommnisse ereignen sich in einer mittelgroßen Stadt: Eine lange Einbahnstraße, auf einer Seite Einfamilienhäuser, großzügig geschnitten, jedes mit Garten. Die andere Seite der Straße säumen Kastanienbäume, alt und gut gepflegt. Es ist Ende November und die Sonne bereits hinter den schwarz geschindelten Dächern verschwunden. Das Astwerk der Kastanien ist blattlos und kahl, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-1504 alignnone" title="Das Fossil" src="http://endkampf.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/01/fossil2.jpg" alt="Das Fossil" width="487" height="399" /></p>
<p><em><br />
</em><em>Die folgenden Vorkommnisse ereignen sich in einer mittelgroßen Stadt: Eine lange Einbahnstraße, auf einer Seite Einfamilienhäuser, großzügig geschnitten, jedes mit Garten. Die andere Seite der Straße säumen Kastanienbäume, alt und gut gepflegt. Es ist Ende November und die Sonne bereits hinter den schwarz geschindelten Dächern verschwunden. Das Astwerk der Kastanien ist blattlos und kahl, das Wasser in ihren Adern gefroren. Feuchter Nebel steigt langsam aus den Niederungen einer nahen Parkanlage auf und kriecht zwischen den Kastanien hervor.</em></p>
<p><em></em><em><br />
</em></p>
<p><em><strong> </strong></em></p>
<h1>„Der rote Knoten&#8221;</h1>
<p><em></em></p>
<p style="text-align: left;"><em></em><em></em><em>29. November, 19.25 Uhr</em></p>
<p><em></em></p>
<p>Herr Denker hatte genug. Und das lag nicht nur daran, dass er wieder einmal völlig gestresst war. Konnte er nicht einmal von der Arbeit nach Hause kommen und einfach nur seine Ruhe haben? War das denn wirklich zu viel verlangt? Er war jetzt vierunddreißig Jahre alt und die Tage kotzten ihn an.</p>
<p>Mit siebzehn hatte er sein Abitur geschrieben, danach in aller Eile ein Studium durchgezogen. Damals war er von dem starken Wunsch beseelt gewesen, endlich Geld zu verdienen. Auto, Haus mit allem, was dazu gehörte. Wie zum Beispiel der Gründung einer Familie. Jetzt, da er all das hatte, bereute er es manchmal. Es lag nicht einmal daran, dass er seine Frau und seine Tochter nicht liebte. Auch seinen Job, der ihn den ganzen Tag in einem Ingenieurbüro gefangen nahm, fand er immer noch spannend und wichtig.</p>
<p>„Nein&#8221;, dachte Herr Denker, als er sich vor dem Spiegel seiner verschwitzten Krawatte entledigte, „daran liegt es nicht&#8221;. Er öffnete die Hälfte des Kleiderschrankes, die seine Kleidungsstücke enthielt und zog einen frischen Binder heraus. Er hatte sich von Mammon blenden lassen, soviel war inzwischen klar. Er hatte immer sein Bestes gegeben und stets auf eine blühende Zukunft hingearbeitet. Doch genau das war ein Fehler gewesen. Diese Erkenntnis war ihm nicht einfach so gekommen. Es gab kein Schlüsselerlebnis, wie im Film. Sie war im Laufe langer Arbeitsjahre ganz langsam in Denkers Gedächtnis gesickert. Wurde von Arbeit erstickt, verdrängt und immer wieder  zur Seite geschoben. Und doch tauchte der Gedanke immer wieder an der Oberfläche seines Bewusstseins auf, wie ein Korken im Wasser. Er hatte sein Leben verschwendet. Nur geackert und gegrübelt. Für etwas gelebt, das er, wie er jetzt mit Bitterkeit feststellen musste, gar nicht wollte. Niemals hatte er sich Zeit für Freunde genommen, nicht einmal für sich selbst. Natürlich war er im Urlaub gewesen, die paar Mal. Doch aus diesen wenigen Wochen erinnerte er sich am deutlichsten an sein schlechtes Gewissen, dass er nichts für die Uni tat. Nichts hatte er erlebt in seiner Jugend. Verlegen blickte Denker nach unten oder lenkte vom Thema ab, wenn ein Arbeitskollege eine verrückte Episode aus seiner Jugend zum Besten gab.</p>
<p><span id="more-1499"></span></p>
<p>„Schatz, bist du dann soweit?&#8221;, schallte die Stimme seiner Frau von unten. „Eine Minute, Schätzchen&#8221; rief er zurück und ballte die Hände zu Fäusten. Er hatte nicht die geringste Lust auf diese Feier mitzukommen. Verdammt, er war noch nicht einmal eingeladen, sondern kam nur seiner Frau zuliebe mit, die ihn ihren neuen Freunden vorstellen wollte. Doch Denker kam mit, er kam immer mit. Wieder tat er etwas, was er nicht wollte. „Du kannst nicht nein sagen&#8221;, dachte er und gestand sich ein, dass er einfach keine Eier hatte. Aber auch sich selbst zu beleidigen konnte ihn nicht motivieren, seiner Frau ein „Nein!&#8221; entgegenzuschleudern. Er wusste was ihm fehlte und tat nichts dagegen. Er brauchte Zeit für sich, doch konnte nichts tun. Es war ein seelischer Makel, eine moralische Schwäche. Der Gedanke ließ ein Gefühl in ihm aufsteigen. Es war ein Gefühl, das er mittlerweile gut kannte: Dumpfe Wut. Ich bin einfach ein Feigling&#8221;, attestierte sich Denker und band einen lieblosen Knoten, als ihn ein leises Knarzen hinter ihm aufschrecken ließ.</p>
<p>„Ach du bist&#8217;s nur, Agatha&#8221; sagte Denker mit wenig Begeisterung zu der schwarzen Katze, die sich elegant durch die Tür schlängelte. Zufrieden schnurrte sie, die tiefgrünen Augen zu Schlitzen verengt und schmiegte sich fest an Denkers dunkelblaue Anzughose. „Scheiße&#8221; rief der und hatte jetzt endgültig genug. Mit aller Kraft trat er nach dem Tier, das eigentlich seiner Tochter gehörte. Doch die hatte ihr Interesse an Agatha längst verloren, so dass er jetzt diese Belastung auch noch hatte. Behände wich die Katze nach hinten aus und floh blitzschnell aus dem Schlafzimmer. Denkers Tritt ging in&#8217;s Leere, woraufhin er fast das Gleichgewicht verlor und sich auf der Kommode abstützen musste. Fluchend holte er die Fusselbürste aus einer Schublade und begann, die Katzenhaare von seinem Hosenbein zu entfernen. Schon meldete sich sein Gewissen, das er ebenfalls hasste, aber nicht abstellen konnte. Er hatte seine Wut noch nie an dem Tier ausgelassen, geschweige denn an irgend jemand anders. Nein, er hatte noch nicht einmal den Mumm, sich an Gegenständen abzureagieren. Plötzlich bekam er eine unbändige Lust, sich hemmungslos zu betrinken und alles zu vergessen, was ihn quälte. Ja, heute war es besonders schlimm. Und jetzt musste er auch noch in die Kälte hinaus, obwohl er müde und ausgelaugt war. Denker sah kurz aus dem Fenster, bevor er die Tür des Schlafzimmers öffnete. Er sah: Nichts. Es war bereits stockdunkel draußen. Dichter Nebel war aufgezogen. Das orange Licht der Straßenlaternen schien milchig und in dichten Glocken über dem Boden zu hängen. Bei diesem Wetter würde seine Frau nicht fahren wollen, was hieß: Kein Alkohol für ihn. Und kein Vergessen.</p>
<p><em><span style="color: #ff0000;">Fortsetzung folgt &#8230;</span><br />
</em></p>
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		<title>Das Gesetz des Chaos</title>
		<link>http://endkampf.de/2008/12/22/das-gesetz-des-chaos/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Dec 2008 14:56:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[chaos]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[ivo]]></category>

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		<description><![CDATA[Ivo saß still in dem dunklen Wagen. Das letzte Dämmerlicht spiegelte sich violett in einer Kaufhausfassade, als er das Radio abdrehte. Jetzt wo die Geschäftigkeit in den Straßen der Stadt langsam verebbte, war seine Zeit gekommen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ivo saß still in dem dunklen Wagen. Das letzte Dämmerlicht spiegelte sich violett in einer Kaufhausfassade, als er das Radio abdrehte. Jetzt wo die Geschäftigkeit in den Straßen der Stadt langsam verebbte, war seine Zeit gekommen. Noch ein letzter Blick in die Spiegel und Ivo ließ den Motor des dunkelblauen Kastenwagens an, der seine besten Tage bereits hinter sich hatte. Er ließ die Innenbezirke der Stadt zügig hinter sich, konzentrierte sich aber darauf, Sicherheitsabstände und Tempolimits einzuhalten. Als an einer Ampel sein Handy klingelte, fluchte er kurz, beschloss dann aber, den Anruf nicht während der Fahrt anzunehmen. Es kam darauf an, unbemerkt zu bleiben. Und um unbemerkt zu bleiben, durfte man keine Fehler machen. Und Fehler machte man im Alltag ständig, ohne es überhaupt zu bemerken. Es waren die schlechten Angewohnheiten, die harmlosen kleinen Dinge. Mal ging man bei Rot über die Straße, mal fuhr man zu schnell. Ivo verbot sich solche Nachlässigkeiten, ob in der Freizeit oder im Beruf. Vor vielen Jahren, in seiner Schulzeit war er in der Bibliothek auf ein Werk gestoßen, das den Titel &#8220;Das Gesetz des Chaos&#8221; trug. Sofort fühlte er sich von dem schlichten, in dunklem Rot gehaltenen Buch angezogen. Er schlug es auf und als er seine Augen zum ersten Mal erhob, hatte er es durchgelesen. Er war sich dessen nie vollständig bewusst, aber manchmal glaubte er, dass viele der zentralen Entscheidungen, die er in seinem Leben getroffen hatte, auf dieses Buch zurückgingen. Eine Offenbarung war es gewesen und es hatte alle Fragen, die ihn in seinem jungen Leben quälten, mit einem Schlag beantwortet. Auch wenn er sich ziemlich sicher war, vieles darin nicht zu verstehen, hatte er doch seine eigenen Lehren aus dessen Inhalt gezogen.</p>
<p>&#8220;Das Chaos sucht sich Opfer, die nichts ahnen&#8221; war nur ein Satz daraus, den Ivo völlig verinnerlicht hatte. Er wusste, dass er zum Opfer werden würde, wenn er unachtsam war. Er ging nie bei Rot über die Straße und fuhr niemals zu schnell. Außer natürlich, es musste sein.</p>
<p><span id="more-1407"></span></p>
<p><span style="font-family: times; font-size: x-large;"><em>„Die Realität ist eine Täuschung“</em></span></p>
<p>Langsam steuerte er den Wagen über nassen Kies in Richtung eines alten Industrieparks im Norden der Stadt. Vor einem grauen Betongebäude, das früher ein Parkhaus gewesen war, trat er sanft auf die Bremse und schaltete die Fahrzeugbeleuchtung aus. Er ließ das Seitenfenster zur Hälfte herunter und sog die kühle Nachtluft in seine Lungen. Es war ihm ein Genuss, die lauwarme und reine Luft zu fühlen, zu riechen, zu schmecken. Sie war eines der wenigen Dinge, die man mit so vielen Sinnen zugleich wahrnehmen konnte. Ivo genoss für eine Weile dieses wunderbare Gefühl und er fühlte sich geborgen dabei. Dann öffnete er leicht seinen Mund, hörte auf zu Atmen und horchte. Ein paar Vogelstimmen im letzten Tagesdunst, entfernten Straßenverkehr und den Wind, der auch in seinem Körper war. Sonst war alles still in der unmittelbaren Umgebung des Wagens. Er fuhr sanft an, ohne jedoch die Scheinwerfer wieder einzuschalten und wand sich langsam die Ebenen des Parkhauses hinauf, das von außen an eine riesige Murmelbahn erinnerte. Die Parkdecks, die er passierte, waren von langen Schatten durchzogen und wirkten unheilverkündend. Ivo war sich sicher, dass er allein auf dem Gelände war. Dennoch wurde er auf den Etagendecks langsamer und spähte für einige Sekunden hinein. Einmal hatte er hier einen Obdachlosen gefunden. Das Gesetz des Chaos war unerbittlich. Als sein Handy klingelte, hielt Ivo an und nahm es aus dem Handschuhfach.</p>
<p>„Kennung: H – Q“</p>
<p>„Kennung Teilnehmer?“</p>
<p>„I – O – V“</p>
<p>„Lokal Teilnehmer?“</p>
<p>„P – K – H – 4“</p>
<p>„Teilnehmer: Grün. P – K – H 2 / Peilung: Papa. Ende.“</p>
<p>„I – O – V: Grün. Ende.“</p>
<p>Ivo drückte die Taste zum Beenden des Gespräches und lenkte den Lieferwagen weiter die schmale Serpentine herauf, bis er auf dem Dach des Parkhauses angekommen war. Er hatte in einem der oberen Stockwerke eine tote Maus gesehen, sonst aber nichts entdecken können. Er wendete und schlängelte sich wieder herunter, bis er im zweiten Stockwerk angekommen war. Dort verließ er den Wagen. Er griff nach dem Mobiltelefon in seiner Jackentasche, dessen Display die Betonpfeiler grün illuminierte. Nachdem er das Adressbuch geöffnet hatte, wählte er die Nummer, die unter dem Namen „Papa“ darin abgespeichert war. Ivo schob das Telefon zurück in seine Tasche. Es dauerte einen Moment bis die Verbindung zu Stande kam. Angestrengt spähte er in die Finsternis, lies seinen Blick durch die Schattenmuster wandern. In dem Moment, als er das leise Freizeichen aus seiner Tasche hörte, veränderte sich etwas.</p>
<p><span style="font-family: times; font-size: x-large;"><em>„Die stärkste Waffe des Chaos ist die Phantasie“</em></span></p>
<p>Eine der geometrischen dunklen Flächen am linken Rand der Ebene war jetzt durchbrochen. Schwaches Licht zerteilte die Dunkelheit an dieser Stelle. Ivo setzte langsam einen Fuß vor den anderen, um im Dunkeln nicht auf dem leicht unebenen Boden zu stolpern und hob das Handy auf, dessen Beleuchtung in hierher geführt hatte. Das Ziel war jetzt nah. Ivo strich die Plane zur Seite, auf der das Telefon gelegen hatte. Dort lag ein großer, länglicher Koffer aus Metall. Er war olivgrün lackiert. Ivo lächelte und dachte „die stärkste Waffe des Chaos ist die Phantasie“.</p>
<p>„Oder auch nicht“, flüsterte er und hob Handy, Plane und Koffer auf. Dann verstaute er die infrarotgelenkte Flugabwehrrakete des Typs FIM-92 STINGER vorsichtig im Laderaum des Lieferwagens.</p>
<p><strong></strong></p>
<p><span style="font-family: times; font-size: x-large;"><em>„Fire and Forget“</em></span></p>
<p><em>„Die FIM-92 funktioniert nach dem Fire-and-Forget-Prinzip, d.h., nach dem Abfeuern verfolgt die Rakete ihr Ziel selbstständig &#8211; der Schütze muss es nicht wie bei anderen Modellen anvisiert lassen.“</em></p>
<p>Ivo nahm die Kappe von dem Füller. Er öffnete das Handschuhfach und löste die Verpackung des eingeschweißten Notizblockes, der darin gelegen hatte. Er schlug den schwarzen Ledereinband zur Seite und strich sanft über das gestärkte Leinenpapier. Er roch daran. Sog Stärke daraus.</p>
<p>„Die Realität ist eine Täuschung“, fing er an zu schreiben. „Das Chaos regiert und herrscht auch in euch. Euer Gott ist bloß ein Teil davon. Mein Name ist Ivo Stern und ich habe das Chaos beschworen.“</p>
<p><span style="font-family: times; font-size: x-large;"><em>„Explosionen“</em></span></p>
<p>Es war gegen sechs Uhr des nächsten Morgens, als Ivo die Treppen des halbdunklen Hausflures heraufstieg. In seiner rechten Hand hielt er die Schlaufen der großen Sporttasche fest umklammert, in der sich der Koffer befand. Sanft glitten seine ledernen Halbschuhe über die Stufen. Der Aufzug des Hochhauses, das sich in der Nähe des Regierungsviertels befand, war außer Betrieb. Das Chaos spielte mit ihm. Doch nach der kurzen Nacht, die Ivo hinter dem Steuer des Lieferwagens in einer Mietgarage verbracht hatte, fühlte er sich frisch und völlig ausgeruht. Er hatte von Explosionen geträumt und von Menschen, die in Fetzen gerissen wurden. Entspannt und kraftvoll ließ er die elf Stockwerke hinter sich, bis er im obersten angekommen war. Dort lehnte er sich für einen Moment gegen die Wand, ohne die Tasche aus seiner Hand zu nehmen. Dreimal atmete er langsam ein und wieder aus. Dann trat er vor die letzte Wohnungstür des schummrigen Flurs, versicherte sich noch einmal mit einem kurzen Blick auf das Namensschild und drückte schnell hintereinander viermal auf den Klingelknopf.</p>
<p>Karl Melzer war einundachtzig Jahre alt und hatte ein ereignisreiches Leben hinter sich. Im zweiten Weltkrieg hatte er an der Ostfront gekämpft und danach den Großteil seiner Jugend in einem russischen Gefangenenlager in Sibirien verbracht. Er hatte Steine geklopft, Bäume gefällt und Stollen in Berge getrieben, aus denen Uran gefördert wurde. Er hatte bei dreißig Grad minus ohne Decke geschlafen und war dennoch jeden Morgen wieder aufgewacht. Als er zurückkam war er vierunddreißig und erkannte seine Heimat nicht mehr wieder. Doch auch das hatte er überstanden, hatte sich angepasst und das Beste aus allem gemacht. Den Abend seines Lebens verbrachte er zurückgezogen und allein. Still saß er tagsüber in seinem Sessel, löste Kreuzworträtsel und las der Reihe nach seine Lieblingsbücher zum fünften oder sechsten Mal. Er war dankbar für die Ruhe und genoss es, zum ersten Mal in seinem Leben wirklich Zeit für sich zu haben. An diesem Morgen war er wie an den meisten Tagen noch vor dem ersten Tageslicht aufgewacht. Er brauchte in seinem Alter kaum noch Schlaf und es gefiel ihm auch, wach zu sein, während die Welt noch schlief. Nach einer gründlichen Rasur schmierte er sich zwei Butterbrote und stellte eine Kanne mit Teewasser auf den Herd. Karl hatte sich gerade in den Sessel gesetzt, um das Kreuzworträtsel von gestern Abend noch zu beenden, solange das Wasser kochte, als die Klingel mehrmals aufschrillte.</p>
<p>Mühsam stand er auf und schlug sich seinen alten Morgenmantel über. Durch den Spion der Wohnungstür sah er einen etwa dreißigjährigen Mann in Uniform. Er bewegte sich nicht und es sah so aus, als ob er lauschte. Karl zuckte zusammen, als der Mann plötzlich mit lauter und fester Stimme zu reden begann.</p>
<p>„Öffnen sie bitte die Tür, Herr Melzer.“</p>
<p>„Polizei.“</p>
<p><span style="font-family: times; font-size: x-large;"><em>„Wie nach Hause kommen“</em></span></p>
<p>Zögerlich wurde die Tür nach innen geöffnet. Eine von violetten Krampfadern durchzogene Hand war das Erste, was Ivo sah. Dann stand der alte Mann in einem blau-grau karierten Bademantel vor ihm. Ivo lies seine Augen kurz auf seinem Gesicht ruhen, als er ihn langsam musterte. Er sah überrascht aus. Ivo lächelte schmal und begann: „Mein Name ist Oberkommissar Stein. Darf ich wohl kurz hereinkommen?“ Ohne eine Antwort des Alten abzuwarten, schritt Ivo an diesem vorbei über die Schwelle der Tür. Die Wohnung war überheizt und stickig von trockener Heizungsluft. Für einen kurzen Augenblick war Ivo überwältigt von dem muffigen Geruch nach alter Kleidung, der die Räume durchdrang. Auf den Fensterbänken lag eine dicke Staubschicht. Mit steifen und unsicheren Schritten betrat der Alte das Wohnzimmer. Verunsicherung lag in seinen Augen, die nicht aufhören konnten zu zwinkern. Mit ernstem Gesicht sah Ivo ihn an.</p>
<p>„Kein Sorge, ich werde Ihnen sofort alles erklären. Zunächst muss ich Sie aber bitten, sich auszuweisen.“</p>
<p>Der alte Mann nickte und deutete auf die Tür zu seinem Schlafzimmer, das im Dunkeln lag. Ivo sah aus dem Fenster, während Melzer sich langsam in Bewegung setzte, um seinen Ausweis zu holen. Ein klarer Morgen brach an. In zweihundert Meter Entfernung konnte er eine breite Straße erkennen, die zu dieser Stunde noch schwach befahren war. Nun wusste er, dass er keinen Fehler gemacht, dass er keine Nachlässigkeit begangen hatte. Er zog seine Kraft aus dem Nichts. Aus dem Wesen der Dinge selbst, die alles waren. Und nichts. Ivo sah zum Horizont hinüber. Der Halbkreis der Sonne hatte sich jetzt fast geschlossen. Ein kalter Schauer überlief seinen Körper, als er die Augen schloss.</p>
<p>Karl Meltzer kam aus dem Schlafzimmer zurück, jetzt auf eine Krücke gestützt. „Leider kann ich meinen Ausweis gerade nicht finden, Herr Wachtmeister. Aber hier, bitte sehr, mein Führerschein.“ Kurz verglich Ivo das Gesicht des Mannes mit dem Foto in dem alten Dokument. Es zeigte ihn als jungen Mann in schwarz-weiß, aber an Augen und Nase erkannte man, dass er es war. Alles vergeht.</p>
<p>Ivo forderte ihn auf, sich besser zu setzen und Karl Melzer ließ sich mit einem leisen Seufzer in seinen Sessel fallen. „Schalten sie doch bitte den Fernsehapparat ein, Herr Melzer“, sagte Ivo freundlich, während er sich hinter den Sessel stellte. Der Alte nahm die Fernbedienung von der Lehne und drückte auf die erste Taste.</p>
<p>„ […] empfangen die Regierungsvertreter der EU heute den neu gewählten US-Präsidenten zu einem Antrittsbesuch in Berlin […]“</p>
<p>Vorsichtig griff Ivo nach einem der bestickten Zierkissen auf dem altmodischen Sofa. Dann entsicherte er seine Pistole, zog sie aus dem Halfter und presste den Lauf in den weichen Stoff des Kissens.</p>
<p>„ […] erhoffen sich viele von dem Treffen, dass es die angespannten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union […]“</p>
<p>„Es ist wie nach Hause kommen“ flüsterte Ivo und drückte ab.</p>
<p><em><span style="font-family: Times New Roman; font-size: x-large;">„Für immer“ </span></em></p>
<p><em>„Der Splitter-</em><em>Sprengkopf</em><em> der FIM-92 enthält 320 Gramm </em><em>Plastiksprengstoff</em> <em>und wird durch Aufschlag gezündet, wobei die Rakete eine zieladaptive Endphasenlenkung durchführt, um seitlich auf das Ziel aufzuschlagen (in den meisten Fällen direkt in den Treibstofftank). Der verursachte Schaden wird durch eine verzögerte Zündung erhöht, da der Gefechtskopf erst im Inneren des Ziels detoniert.“</em></p>
<p>Wind drang durch das offene Fenster in die ehemalige Wohnung von Karl Melzer. Ivo ging in die Knie und hob das Chaos sanft auf seine rechte Schulter. Er presste sein Auge gegen das Gummi am Ende der Visiervorrichtung und konzentrierte sich auf die Straße. Er wartete einige Minuten, dann war es soweit. Von Westen her näherten sie sich wie schwarze Perlen auf einer Kette. Im Fadenkreuz erkannte Ivo deutlich die Wimpel, die im Fahrtwind flatterten. Er zählte fünfzehn Wagen, die sich mit konstant hoher Geschwindigkeit über die leere Straße bewegten. Vor und hinter der Gruppe waren Polizisten auf Motorrädern als Begleitschutz eingesetzt. „Nutzlos“, flüsterte Ivo und entsicherte die Flugabwehrrakete.</p>
<p>Weit öffnete er seinen Mund, sog die kühle Luft des Morgens in sich hinein und sprach langsam die Worte. „Aus Teilen sind wir gemacht. Für immer. “ Dann zielte er auf die dunkle Limousine im Zentrum des Konvois und schloss seinen Finger um den Abzug.</p>
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		<title>Das Zimmer (3)</title>
		<link>http://endkampf.de/2007/12/14/das-zimmer-3/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Dec 2007 16:11:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[das zimmer]]></category>
		<category><![CDATA[miro]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bisher geschah &#8230; Das Geräusch kam von oberhalb der Decke des Zimmers, die Miro nicht sehen konnte. Er erhob sich von dem Bett, als das Geräusch lauter wurde, näher kam. Es klang wie ein Pfeifen. Als würde jemand eine unbeschwerte, fröhliche Melodie vor sich hinpfeifen. Er dachte daran, sich zu verstecken, wusste aber, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://endkampf.de/geschichten/das-zimmer/">Was bisher geschah &#8230;</a></p>
<p>Das Geräusch kam von oberhalb der Decke des Zimmers, die Miro nicht sehen konnte. Er erhob sich von dem Bett, als das Geräusch lauter wurde, näher kam. Es klang wie ein Pfeifen. Als würde jemand eine unbeschwerte, fröhliche Melodie vor sich hinpfeifen. Er dachte daran, sich zu verstecken, wusste aber, dass es sinnlos war. Wer auch immer da näher kam, er wusste, dass er in diesem Zimmer war und nicht fort konnte. Trotzdem kroch Miro von Panik geschüttelt in die äußerste Ecke des Raumes, umschlang seine Beine mit den Armen und zog die Knie unter sein Kinn. <span id="more-1067"></span></p>
<p>Das Pfeifen hatte aufgehört. Stattdessen hörte Miro jetzt leises Rascheln an der Zimmerdecke. Etwas klickte und knackte gedämpft durch die Zimmerdecke. &#8220;Ein Schloss!&#8221; schoss es ihm durch den Kopf und sein Körper wurde überschwemmt von Adrenalin und Todesangst.</p>
<p>Wem würde er gleich gegenüberstehen? Würde man ihn quälen und foltern? Töten? Oder waren es vielleicht doch seine Kumpels, die diesem grausamen Scherz ein Ende bereiten würden. Genau. Sie hatten ihn sicher nur vergessen und würden ihn nun unter tausend Entschuldigungen aus diesem schrecklichen Zimmer befreien. Ein schmaler Lichtstrahl fiel auf den Boden des Raumes, als die Luke langsam geöffnet wurde.</p>
<p>Miro blinzelte und sah bloß dicke Staubflocken, die in der Luft schwebten. &#8220;Hey, wer ist da?&#8221;, wollte er rufen, doch seine Stimme erstickte bereits beim ersten Wort. &#8220;Hab keine Angst&#8221;, flüsterte die Stimme aus der Luke. Sie klang tief und weich. &#8220;Ich werde mich jetzt um dich kümmern.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wer ist da? Lassen Sie mich sofort hier raus!&#8221; schrie Miro und sein trockener Hals brannte wie Feuer.<br />
&#8220;Hab keine Angst&#8221;, flüsterte der Mann aus der Luke. &#8220;Ich kümmere mich schon um dich.&#8221; Miro wollte auf die Stimme zurennnen und den Mann zur Rede stellen, als der Verschlag mit einem Krachen zugeschlagen wurde. Kurz war es ganz still, bis wieder das Klicken und Knacken des Schlosses zu hören war. Im letzten Licht, das durch die Öffnung fiel, sah Miro, dass der Mann mit der sanften Stimme etwas zu ihm hinuntergelassen hatte. Es war ein geflochtener Korb, der vor ihm auf dem Boden stand. Sein Inhalt war unter einer karierten Decke verborgen. Er zog den Korb an sich und setzte sich auf das Bett, bevor wieder tiefe Dunkelheit das Zimmer erfüllte.</p>
<p>Miro zog die Decke weg und griff in den Korb. Er spürte etwas hartes, kühles und griff danach. Es war eine große, schwere Taschenlampe. Er fand den Schalter an der Seite und knipste sie an. Der Lichtstrahl war dünn aber stark und er sah zum ersten mal das Zimmer, in dem er gefangen war. Erst jetzt kam ihm zu Bewusstsein, dass er nicht einmal wusste, wie lange er schon hier war. Er verdrängte den Gedanken und leuchtete systematisch Boden, Wände und Decke ab. Der gesamte Raum war mit Holz verkleidet und mit glänzender schwarzer Farbe überstrichen. Als der Strahl der Taschenlampe auf die Wand rechts von Miro fiel, sah er die Stelle, auf die er in blinder Wut eingeschlagen hatte. Hier war das Holz leicht gesplitter, in den Splittern schimmerte sein eigenes Blut. Unter dem Holz schien eine Mauer aus rotem Backstein zu liegen. Das Bett war, wie Miro richtig vermutet hatte, mit dicken Schrauben im Boden verankert. Über ihm erkannte er jetzt auch den Umriss der Luke, durch die der Mann die Lampe hinabgelassen hatte. Miro richtete den Strahl der Taschenlampe auf den Korb in seinem Schoß. Nach dessen Gewicht zu urteilen, musste noch mehr darin sein. Da wo die Lampe gelegen hatte, befand sich noch eine karierte Decke. Er zog sie weg und sah herab auf das, was sich noch in dem Korb befand.</p>
<p>Es war eine Flasche Sekt, ein kleines Küchenmesser und eine tote Katze.</p>
<blockquote><p>
Fortsetzung folgt.</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>Camouflage pt.3</title>
		<link>http://endkampf.de/2007/10/23/camouflage-pt3/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Oct 2007 19:48:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konrad</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[camouflage]]></category>

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		<description><![CDATA[Eva saß auf der kalten Arbeitsplatte eines Schreibtisches und fror. Das war kein Wunder, denn sie war fast nackt. Gerade war sie dabei, ihr Höschen nach unten zu ziehen, so weit wollte sie eigentlich nicht gehen, aber die beiden Trottel sollten um jeden Preis vor ihrem Monitor kleben. Das taten sie zweifellos, Stefania war sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eva saß auf der kalten Arbeitsplatte eines Schreibtisches und fror. Das war kein Wunder, denn sie war fast nackt. Gerade war sie dabei, ihr Höschen nach unten zu ziehen, so weit wollte sie eigentlich nicht gehen, aber die beiden Trottel sollten um jeden Preis vor ihrem Monitor kleben. Das taten sie zweifellos, Stefania war sich darüber bewusst, dass nicht wenige Ehemänner allein wegen ihrem Körper ihre Frauen verlassen würden.<span id="more-1022"></span></p>
<p class="MsoNormal">Wieder blickte sie zu der kleinen Kamera hinauf, die in einer Ecke des Raumes hing und die sie selbst noch etwas mehr auf den Schreibtisch gerichtet hatte. Sie konnte sich Julius und Fred vorstellen, wie ihnen das Testosteron jetzt förmlich aus den Ohren spritzen würde.</p>
<p class="MsoNormal">Sie blickte direkt in die Kamera, strich ihre langen, braunen Locken zurück und zog einen Schmollmund.</p>
<p class="MsoNormal">An der gegenüberliegenden hing, für die Kamera nicht zu sehen, eine Uhr. Stefania blickte darauf. Noch drei Minuten, dann würde sie hier rausspazieren und wäre bald reich.</p>
<p class="MsoNormal">Das Schrillen, das gleichzeitig mit dem Licht ansprang, riss sie aus ihren Überlegungen.</p>
<p class="MsoNormal">Scheiße, das war zu früh! Etwas war schief gelaufen. Stefania zog sich schnell BH, Hose, Schuhe und den weiten Pulli wieder über und schlüpfte aus dem Büro.</p>
<p class="MsoNormal">„Kim!“ schoss es ihr durch den Kopf. „Hatte Kim es geschafft?“ Unschlüssig stand sie vor dem Büro. Sollte sie nach Kim sehen, oder abhauen, jetzt, wo sie noch konnte?</p>
<p class="MsoNormal">„Verdammter Mist!“ fluchte sie und rannte Richtung Aufzug.</p>
<p class="MsoNormal"><o><br />
</o>Julius konnte es immer noch nicht fassen!
</p>
<p class="MsoNormal">„Was zu Hölle…?“ brachte er hervor, während der die Waffe unmerklich sinken ließ. Er drehte sich um. Auch Fred hatte die Waffe gesenkt und sah aus, als hätte er einen Geist gesehen.</p>
<p class="MsoNormal">Becker erwachte zuerst aus seiner Starre:<br />
“Los, los, ihr Armleuchter, der Typ steht immer noch da, lasst euch doch nicht blenden! Schieß endlich!“
</p>
<p class="MsoNormal">Julius blickte Becker ins Gesicht und in dem Moment kochte es von einer Sekunde zur anderen in ihm hoch.</p>
<p class="MsoNormal">„Nein, Becker, sie werden mir jetzt erklären, was hier los ist, ich hab die Schnauze voll von dem Scheiß, eben stand hier einer und jetzt ist der Flur so unberührt wie die Jungfrau Maria, verdammt!“</p>
<p class="MsoNormal">„Du Penner, wir lassen ihn entkommen, los…!“</p>
<p class="MsoNormal">Becker wollte sich an Julius vorbei in den Flur drängeln, doch der packte ihn am Kragen und drückte ihn mit aller Kraft gegen die Wand. Das erste Mal an diesem Abend hörte Becker auf zu fluchen.</p>
<p class="MsoNormal">Fred sprang dazwischen.</p>
<p class="MsoNormal">„Julius, bist du verrückt, lass ihn los!“</p>
<p class="MsoNormal">„Mann, der Typ weiß doch was hier los ist, er soll endlich…“</p>
<p class="MsoNormal">„Julius, lass ihn los!“</p>
<p class="MsoNormal">„Aber..“</p>
<p class="MsoNormal">„Julius!“</p>
<p class="MsoNormal">Julius ließ den Kragen des Wissenschaftlers los. Becker griff sich an die Kehle, doch das erwartete Donnerwetter blieb aus. Ganz im Gegenteil, Becker war erstaunlich sanft:</p>
<p class="MsoNormal">„Jungs, es ist jetzt keine Zeit, wenn wir den Typen haben, werd’ ich euch alles erklären, aber jetzt dürfen wir keine Zeit verlieren! Er trägt so was wie einen Tarnanzug…“</p>
<p class="MsoNormal">„Einen Tarnanzug? Wollen sie mich verarschen?“</p>
<p class="MsoNormal">„Später, er kann noch nicht weit gekommen sein, der Flur ist da vorne zu Ende, alle Türen sind verriegelt, er muss noch im Flur sein. Wir laufen dicht nebeneinander her, strecken die Hände aus, treten gegen die Wand. Er ist noch hier, das verspreche ich euch, wir kriegen ihn! Er sitzt in der Falle! Hier kommt er nicht raus!“</p>
<p class="MsoNormal">Julius und Fred stellten sich an die Wände, Becker in die Mitte. Langsam setzten sie sich in Bewegung, Julius und Fred traten bei jedem Schritt mit ihren schweren Stiefeln gegen die Wand.</p>
<p class="MsoNormal">„Und wenn einer von uns auf Widerstand trifft“, rief Becker laut in den Flur „prügeln wir diesem Möchtegern-Spion die Scheiße raus!“</p>
<p class="MsoNormal"><o></o>Eva musste vorsichtig sein. Wenn sie jetzt gefasst wurde, hieß das Knast für sie. Ihren Job hatte sie mit ihrer kleinen Gina Wild-Show schon an den Nagel gehängt. Jetzt konnte sie sich noch ihre Freiheit bewahren. Aber wenn Kim es nicht geschafft hatte, sah ihre Zukunft auch nicht gerade rosig aus. Ihr Plan hatte vorgesehen, dass sie es beide schafften, nicht dass einer von ihnen auf der Strecke blieb. Sie musste zu Kim! Sie musste ihm helfen! Eva rannte los.</p>
<p class="MsoNormal"><o></o>Kim traute sich nicht zu atmen. In dem Moment, in dem er in das vollkommen perplexe Gesicht des Wachmannes sah, wusste er, das es geklappt hatte. Hinter ihm war eine Sackgasse, vor ihm Becker mit den zwei Wachtypen. Seine Chancen hatten sich nicht gerade verbessert. Der Wachmann drehte sich um und ging auf Becker los. Kim nutzte die winzige Gelegenheit. Er schlich direkt an den Wachleuten und Becker vorbei. Er spürte ihre Körperwärme, so dicht war er. Fast hätte er einen Ellenbogen abbekommen. Sein Fuß bereitete ihm bei jedem Schritt Höllenqualen, doch ein Geräusch und alles wäre vorbei gewesen. Kim quetschte sich in die Ecke, jeden Muskel zum zerreißen gespannt, unfähig, zu atmen. Die drei gruppierten sich, mit dem Rücken zu ihm.</p>
<p class="MsoNormal">„Und wenn einer von uns auf Widerstand trifft“, rief Becker laut in den Flur „prügeln wir diesem Möchtegern-Spion die Scheiße raus!“, sagte Becker zu den Anderen.</p>
<p class="MsoNormal">Kim grinste. Die Drei liefen nebeneinander, schattenboxend den Flur entlang. Kim musste über diese Szene lächeln und<span>  </span>schlich dann in die Entgegengesetzte Richtung weiter.</p>
<p class="MsoNormal">Hoffentlich war Eva schon raus, dachte er.</p>
<p class="MsoNormal">Unter heftigen Schmerzen humpelte er weiter bis zum Aufzug. Die Kabine stand weit offen. Kim trat herein und drückte den Knopf für abwärts. Nichts passierte. Kim zog Van Halldebricks Karte, den GodAccess,<span>  </span>hervor und zog ihn durch den Leseschlitz. Der heiße Moment, er wusste nicht, was jetzt passieren würde.</p>
<p class="MsoNormal">Wieder sprang die LED von rot auf grün und die Türen des Aufzuges schlossen sich. Kim spürte große Erleichterung. Er fuhr nach unten, er hatte im Parkhaus nah neben dem Eingang geparkt. Er würde den Wagen besteigen, los fahren und wäre morgen auf dem Weg nach sonst wo. Es wurde auch Zeit, in der Maskenbrille war eine kleine Anzeige angebracht. Der Akku des Anzuges in den Stiefeln war wohl nicht voll gewesen und würde es nicht mehr lange machen.</p>
<p class="MsoNormal"><o> </o></p>
<p class="MsoNormal"><o> </o></p>
<p class="MsoNormal">Eva rannte weiter, in dem Flur vor ihr flog eine Tür auf. Ihr Herz setzte mehrere Schläge aus, als sie die Wachleute sah, die in den Flur strömten. Der Alarm! Wenn<span>  </span>der Alarm ausgelöst war, galt aller Schutz den Forschungsstätten, alle diensthabenden Wachleute strömten jetzt nach hier unten. Aber viel zu früh, wie waren die so schnell her gekommen? Scheiße, sie hätte abhauen sollen, dachte Eva. Zu ihrer Überraschung sah sie Van Halldebrick hinter einem der Wachleute. Die Beule, die seine Stirn zierte war beachtlich groß.</p>
<p class="MsoNormal">„Scheiße, ich hab nicht fest genug zugeschlagen, sonst würde der Penner noch von seiner letzten Thailand-Reise träumen!“ dachte Eva.</p>
<p class="MsoNormal">Die Latina legte eine Vollbremsung hin und rannte in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war.</p>
<p class="MsoNormal">„Das ist die kleine Fotze, los!“ Das war Van Halldebricks Stimme gewesen. Eva spürte eine Gänsehaut und rannte noch schneller.</p>
<p class="MsoNormal">„Halt, bleiben sie sofort stehen!“ rief eine Männerstimme hinter ihr. Eva dachte nicht daran. Sie jagte um die nächste Ecke.</p>
<p class="MsoNormal">Der Schuss knallte ohrenbetäubend. Aus den Augenwinkeln nahm Eva wahr, wie Teile der Flurecke wegspritzten!</p>
<p class="MsoNormal">„Die schießen auf mich!“ War der einzige, naive Gedanke, den sie in dem Moment denken konnte, „die können doch nicht einfach auf mich schießen!“</p>
<p class="MsoNormal"><o> </o></p>
<p class="MsoNormal"><o> </o></p>
<p class="MsoNormal">Julius hasste seinen Abend. Sie waren bis zum Ende des Flures gekommen und hatten nichts entdeckt. Jetzt waren sie in anderer Richtung unterwegs. Sie waren auf der Suche nach der Tittenmaus aus dem Büro. Fred hatte Becker klar machen wollen, dass sie keineswegs einen Porno gesehen hatten und ihm von ihr erzählt. Jetzt mussten sie die Tusse nur noch finden. Nackt, hoffte Julius insgeheim.</p>
<p class="MsoNormal"><o> </o></p>
<p class="MsoNormal">Langsam kam der Aufzug zum stehen. „Parkhaus“ leuchtete von der Anzeige über der Tür. Kim hatte gewonnen. Er lächelte. Jetzt hatte er das Schwierigste geschafft, er war zumindest raus aus der Forschungsabteilung.</p>
<p class="MsoNormal">Die Lifttür schwang auf. Kims Gedanken wichen sofort nackter Panik, als er in die Läufe von zwei Pistolen blickte, die genau auf ihn gerichtet waren.</p>
<blockquote><p>- wird fortgesetzt -</p></blockquote>
<p><a href="http://endkampf.de/geschichten/camouflage/">Gesamte Geschichte lesen &#8230;</a></p>
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		<title>Kill the Hippies</title>
		<link>http://endkampf.de/2007/09/16/kill-the-hippies/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Sep 2007 19:38:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[hippies]]></category>

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		<description><![CDATA[So standen sie da vor mir. Schlecht gekleidet, muskulös und tätowiert. Damals, in den 90ern, voller Mut. So sind wir durch die Tage getrieben, voller Hass und voller Spass. Angst hatten wir keine. Außer vor richtiger Arbeit. Jede Woche, jeden Tag, jede Nacht. Zusammen gegessen, gefeiert, gekifft und getrunken. Geredet wurde nicht viel. Dafür war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So standen sie da vor mir. Schlecht gekleidet, muskulös und tätowiert. Damals, in den 90ern, voller Mut. So sind wir durch die Tage getrieben, voller Hass und voller Spass. Angst hatten wir keine. Außer vor richtiger Arbeit. Jede Woche, jeden Tag, jede Nacht. Zusammen gegessen, gefeiert, gekifft und getrunken. Geredet wurde nicht viel. Dafür war die Musik meistens zu laut. Wenn ich mich heute daran erinnere, kommt es mir vor wie ein Traum. Etwas zieht die Fäden. Was, das wusste ich nie. Nur Schatten, Umrisse vor den lodernden Flammen, die in unsern Augen stehen. Das Bier schmeckt immer noch. Nachmittage bei Freunden, die man nicht kennt. Verbotene Zeitungen, verbotene Platten. Das Essen hat nie fad geschmeckt. Es schmeckte nach Freiheit und Freundschaft. Wir waren nicht zu zähmen, nur Chaos in den Köpfen. <span id="more-927"></span> Ich weiß nicht mehr genau, wann es endete. Vielleicht, als alles extremer wurde. Als die Schlägereien langsam unfair wurden. Als nur noch Hass regierte. Als gute Worte und verbotene Platten nicht mehr reichten. Als getan werden musste, was getan werden musste. Jemand musste es schließlicht tun. Und die Welt erlösen, von den Feinden. Nicht von den Hippies; das waren ja immerhin noch Deutsche. Da reichte eine Tracht Prügel meist schon aus. Also genügte es nicht mehr, Angst zu verbreiten. Es musste Terror sein. Die Sachen, die im Strafgesetzbuch unter &#8220;Körperverletzung&#8221; stehen, hatten einige längst alle durch. Ungestraft, natürlich. Jetzt ging es Schritt für Schritt in den Teil, der mit &#8220;Tötungsdelikte&#8221; überschrieben steht. Es wurde nichts gesagt, nicht darüber geredet. Es war klar. Alle hatten Angst, das war deutlich zu spüren. Doch die Spirale war nicht mehr aufzuhalten. Es wurde nichts geplant. Es passierte einfach, irgendwann. Soviel war klar. Der ultimative Schritt. Als es dann passierte, war ich schon nicht mehr dabei. Es war mir alles zu abgedreht geworden, zu verrückt, zu krass. Es wiedersprach jeder Vernunft. Aber das hatte es eigentlich schon immer getan. Doch diesen Schritt wollte ich nicht gehen, das war einfach Irrsinn. Die Freunde mit denen ich gegessen, gefeiert und getrunken hatte. Jeden Tag, jede Nacht. Jetzt wurden sie verurteilt, manche zu mehreren Jahren Gefängnis. Ohne Bewährung, das ging nicht mehr, mit den Vorstrafen. Manchmal sehe ich sie noch, zufällig. Sie haben neue Tattoos, aus dem Knast. Hakenkreuze. Manchmal sehe ich sie noch. Sie sind Schatten vor den Feuern, die in unseren Augen brannten.</p>
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		<title>Der ewige Schüler (Letzter Teil)</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jul 2007 10:01:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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		<description><![CDATA[Und dann sah Tim die Zähne: Zwei große Schneidezähne und einen dicken, flachen Backenzahn. Ein heißer Schauer überlief ihn und sein Gesicht fühlte sich taub an.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und dann sah Tim die Zähne: Zwei große Schneidezähne und einen dicken, flachen Backenzahn. Ein heißer Schauer überlief ihn und sein Gesicht fühlte sich taub an.</p>
<p>Das mussten <em>seine</em> Zähne sein!</p>
<p>Seine Zähne, die da fast schon säuberlich aufgereiht im Dach des umgestürzten Wagens lagen, weiß glänzend in einer kleinen Lache rosaroten Bluts.</p>
<p>Wie betäubt zog Tim unter schmerzhaften Verrenkungen seiner Arme den über ihm hängenden Rückspiegel zu sich heran. Als er sich  unter leisem Stöhnen zwang, seine schmerzenden Kiefer zu öffenen, fiel ihm etwas auf. Er hatte es eben bemerkt, ohne sich Gedanken darüber zu machen.</p>
<p><em>Nein!<br />
Unmöglich!<br />
Das konnte nicht sein!<br />
</em></p>
<p><span id="more-908"></span></p>
<p>Der Backenzahn hatte eine Krone gehabt. Aber Tim wusste, dass er keine Kronen hatte. Er hatte gute Zähne. Das sagte ihm sein Zahnarzt bei jedem Besuch!<br />
Er riss den gesprungenen Rückspiegel aus seiner Fassung, vom Schrecken gepackt, und schob seine Kiefer auseinander.</p>
<p>In diesem Moment zerbracht etwas in Tim. Etwas, von dem er nicht gewusst hatte, dass er es besaß. Ein Gewicht löste sich aus seiner Verankerung und stürzte in seinen Magen hinab.<br />
Als er seine gebrochenen Beine aus den verbogenen Pedalen befreite, fühlte er keine Schmerzen.<br />
Als er seinen geschundenen Körper durch die zersplitterte Scheibe presste, fühlte er keine Schmerzen.<br />
Als er durch das Gras kroch, sah Tim Blut. Viel Blut.<br />
Und einen blauen Puma-Turnschuh, in dem ein Fuß steckte.</p>
<p>Tim kannte den Schuh. Er gehörte Mario. Mario war sein besten Freund und lag jetzt zerschnitten und seltsam verrenkt einige Meter neben dem blauen Puma-Turnschuh im saftig-grünen Gras dieses sonnigen Sommernachmittages.</p>
<p>Als Tim aufwachte, bemerkte er, dass man ihm etwas in Nase und Mund geschoben hatte. Im Augenwinkel erkannte er schemenhaft eine Person, die auf einem Stuhl neben seinem Bett saß. Tim zwinkerte und erkannte die Person. Seine Mutter sah alt aus.</p>
<p>Die Zeitungen berichteten eine Woche lang über den <em>&#8220;Todesfahrer von Gießen&#8221;</em>. Zuerst groß auf den Titelseiten, dann folgten einige Berichte über das Leben von Tim und nähere Details über das &#8220;tragische Unglück&#8221;.</p>
<p><strong># # # Seine Mitfahrer, die Jugendlichen Mario S. und Andrea N. waren nicht angeschnallt, als der Wagen aus noch ungeklärter Ursache von der Fahrbahn abkam und sich mehrfach überschlug. # # #</strong></p>
<p>&#8230;</p>
<p><strong># # # Sie wurden aus dem Fahrzeug geschleudert und erlagen noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen. # # #</strong></p>
<p>Fünf Monate später berichtete nur noch eine kleine Lokalzeitung in einer schmalen, leicht zu übersehenden Spalte auf der vierten Seite. Tim B., der Fahrer des am Nachmittag des 7. Juni 2006 verunglückten Wagens, sei vom Landgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden.<br />
<strong><br />
# # # Auf Grund der Schwere der Schuld, so die Einlassung des Gerichts, insbesondere der schweren Sorgfaltspflichtverletzung im Hinblick auf die Anschnallpflicht der Mitfahrer des Tim B., konnte die Haftstrafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. # # #</strong></p>
<p>Tim fühlte sich schwach und taub, als er seine Schnürsenkel zusammenknotete. Er konnte nicht mehr weinen, als er sich in seiner Zelle erhängte.</p>
<blockquote><p>Dies ist der letzte Teil meiner kleinen Fortsetzungsgeschichte.<br />
Zum Nachlesen: <a href="http://endkampf.de/2007/06/13/der-ewige-schueler/">Teil 1</a>, <a href="http://endkampf.de/2007/06/21/der-ewige-schueler-2/">Teil 2</a> oder die <a href="http://endkampf.de/geschichten/der-ewige-schueler/">gesamte Geschichte</a>.</p></blockquote>
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		<title>Das Spinnennetz, Teil 8</title>
		<link>http://endkampf.de/2007/05/14/das-spinnennetz-teil-8/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2007 11:47:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[anne]]></category>
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		<description><![CDATA[Serge war tot. Am fernen Horizont zeigten sich die ersten grellen Farben des neuen Tages, lila und dunkelblau. Die Luft war eisig und ein scharfer Wind heulte durch die betonierten Schluchten der Stadt. Sie war noch nicht erwacht. „Frische“ dachte ich. „Frische“ und dass ich ein Mörder war. Oder ein Totschläger. Es war Notwehr gewesen, verdammte Scheiße! „Aber wer wird dir das glauben, wenn du vor Gericht stehst?“ flüsterte eine kalte Stimme, die aus einer Tiefe in meinem Kopf zu kommen schien, der ich mir bis dahin nicht bewusst gewesen war. Von dort, wo die niedersten Instinkte hausen. Hinter der glänzenden, sauberen Fassade der Vernunft kam etwas hervor. Mein ganz persönliches schmutziges Es.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>- 7. KAPITEL: Unter Strom -</p>
<p>Serge war tot. Am fernen Horizont zeigten sich die ersten grellen Farben des neuen Tages, lila und dunkelblau. Die Luft war eisig und ein scharfer Wind heulte durch die betonierten Schluchten der Stadt. Sie war noch nicht erwacht. „Frische“ dachte ich. „Frische“ und dass ich ein Mörder war. Oder ein Totschläger. Es war Notwehr gewesen, verdammte Scheiße! „Aber wer wird dir das glauben, wenn du vor Gericht stehst?“ flüsterte eine kalte Stimme, die aus einer Tiefe in meinem Kopf zu kommen schien, der ich mir bis dahin nicht bewusst gewesen war. Von dort, wo die niedersten Instinkte hausen. Hinter der glänzenden, sauberen Fassade der Vernunft kam etwas hervor. Mein ganz persönliches schmutziges <em>Es</em>.<br />
Ein zittriger Schauer lief mir durch den ganzen Körper, als ich nur „Notwehr“ denken konnte. Mit Beinen aus Gummi stand ich an der Straße, an diesem eisigen Wintermorgen, fest entschlossen, Licht in’s Dunkel dieser völlig kranken Geschichte zu bringen.</p>
<p>Aber ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, die Pistole drückte schmerzhaft in meine Rippen. Alex war tot, verbrannt. Ich hatte ihre entstellte Leiche gesehen. Serge hatte mir in meiner eigenen Wohnung aufgelauert. Ich hatte ihn mit einem knallroten Feuerlöscher erschlagen, in Panik. „In Notwehr. Du hattest keine Wahl. Sonst hätte er dich umgebracht.“ meldete sich mein Gewissen wieder zu Wort.</p>
<p>Gebetsmühlenartig: „In Notwehr. Er oder du. Keine Wahl.“</p>
<p>Aber stimmte das? War Serge wirklich gekommen, um mich zu töten? Er hatte etwas in meiner Wohnung gesucht. Er war bewaffnet gewesen. Aber vielleicht war er das immer&#8230;</p>
<p>„Wer wird dir glauben?“</p>
<p>Sie werden mir glauben! Sie müssen mir glauben!</p>
<p>„Du wirst einfahren, soviel ist sicher! Knast! Gangs! Drogen! Vergewaltigung! Arschfick unter der Dusche!“</p>
<p><span id="more-849"></span><br />
Ich beschloss, die kalte Stimme zu ignorieren. Es war egal. Wahrscheinlich würde ich nicht lange genug leben, um verurteilt zu werden. Wahrscheinlich war schon jemand unterwegs zu meiner Wohnung, weil Serge sich nicht mehr meldete. Wahrscheinlich waren alle Russen der Stadt auf der Suche nach mir. Um Rache zu nehmen. Um Vlads Bruder zu rächen. Vielleicht würden sie mich foltern. Mir die Fingernägel mit einer Beißzange rausziehen. Einen nach dem anderen. Kleine Dioden an meinen Eiern anbringen und mich mit Stromstößen zu Tode quälen. Mich lebendig im Hafenbecken versenken – eisiges Wasser, das meine Lungen füllt.</p>
<p>Ich musste die Initiative ergreifen &#8211; ihnen zuvorkommen! „Kopfsache“ sagte die kalte Stimme und sie hatte völlig recht, verdammt noch mal! Ich musste überlegen, nachdenken. Die ganze Sache war zu komplex, zu wirr, um überhastete Entscheidungen zu treffen.</p>
<p>Ich bog um einige Ecken und verkroch mich in einem McDonalds – den einzigen Laden, der um diese Zeit schon – oder noch – geöffnet hatte. Ich bestellte schwarzen Kaffee und setzte mich in eine Ecke, die von der Straße aus nicht einzusehen war.<br />
Es war ein schlechtes Versteck, aber es gab nun mal nichts besseres. Als mir der schwarze Saft heiß und belebend durch die Kehle floss, sah ich drei Möglichkeiten, weiterzumachen. Und am Leben zu bleiben.</p>
<p>Variante 1: Die Bullen – zum nächsten Polizeirevier laufen und denen alles erzählen.<br />
Vermutliches Resultat: Verhaftung, da die Strafverfolgungsbehörden sehr wahrscheinlich wenig Verständnis für eine blutüberströmte Leiche in meiner Badewanne aufbringen würden.</p>
<p>Variante 2: Weglaufen – die Stadt verlassen.<br />
Vermutliches Resultat: Sowohl Polizei als auch Vlads Gang würden mich suchen – und jagen. Außerdem würde ich nicht weit kommen – mein Auto lag zerstört in einem Straßengraben irgendwo in der Pampa. Vielleicht war es auch schon weggeräumt worden. Die Bullen wussten damit, dass ich auf öffentliche Verkehrmittel angewiesen war oder zu Trampen versuchen musste. Alles in allem also keine besonders attraktive Variante.</p>
<p>Variante 3: Die Sache zu Ende bringen.<br />
Vermutliches Resultat: Unbekannt.</p>
<p>Drei Varianten also. Und keine davon reizte mich sonderlich. Aber so war nun mal die Situation und man musste schließlich nehmen, was man bekam.<br />
Ich spülte den restlichen Kaffee runter und musste plötzlich lachen. Es fuhr so schnell in mir auf, dass ich es nicht mehr unterdrücken konnte. Ein lautes, heißeres, schrilles, verrücktes Lachen, das in Husten überging, als ich versuchte, die Brühe in meinem Mund zu schlucken und sie mir im Hals stecken blieb.</p>
<p>Es war die Stimme gewesen, die mich zum Lachen gebracht hatte. Sie hatte wieder geflüstert, leise zwar &#8211; doch klar und deutlich wahrnehmbar:</p>
<p>„Du wirst die Sache zu Ende bringen. Du bist der Retter, du bist der Krieger, du bist der Rächer in deinem eigenen Film. Du bist Mad Max, du bist Bruce Willis, du bist Max Payne!“ Und es stimmte. Nicht dass ich mich als Filmheld fühlte, der sich auf einem Rachefeldzug für irgendein hehres und gutes Ziel befand. Nein! Ich fühlte mich eher wie ein trauriges Stück Scheiße, das sich in der hintersten Ecke eines Schnellrestaurants vor einer Entscheidung drückt. Aber die Stimme hatte mir mit einem Mal klar gemacht, dass ich vermutlich wie eine schlechte Karikatur eines Filmhelden <em>aussah</em>. Einsamer Kämpfer, schwarzer Ledermantel, Pistole darin. Ich war der <em>Lone Ranger</em> und das einzige was mir noch fehlte, war ein sprechendes Auto. Ein schwarzer Pontiac Firebird – Super Pursuit Mode aktiviert! Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht!<br />
Als ich mich mit tränenden Augen von dem Anfall erholt hatte, schmerzten meine Lungenflügel. Das alles war alles andere als komisch, aber wenigstens wusste ich jetzt, wie die Geschichte weitergehen musste.</p>
<p>Leise, wie in Trance, sprach ich die Worte:</p>
<p>„Variante Nummer drei: Ich komme!“</p>
<p><em>Fortsetzung folgt &#8230;</em></p>
<p>Die gesamte Geschichte findest du <a href="http://endkampf.de/geschichten/das-spinnennetz/">hier</a>.</p>
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		<title>A Christmas Story</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Dec 2006 11:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
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		<description><![CDATA[A Christmas Story]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img id="image630" src="http://www.endkampf.de/wordpress/wp-content/uploads/2006/12/a_christmas_story_by_figothecat.jpg" alt="a christmas story" /><br />
<a href="http://figothecat.deviantart.com/">Photo Credits</a></p>
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